"Jack The Ripper" bei Sat.1 mit Sonja Gerhardt: Früher war alles Messer - DER SPIEGEL
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Sat.1-Film: Traue niemandem!

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"Jack The Ripper" bei Sat.1 Früher war alles Messer

Emanzipation à la Sat.1: Der Lifestyle-Sender schickt eine junge Frau mit Kampfkunstkönnen im alten London auf die Suche nach "Jack the Ripper". Schön schmutzige Horrorschnurre.
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Das Leben in vergangenen Jahrhunderten muss trist gewesen sein - und hochriskant. Kein Facebook, kein Pizzadienst, in der Wohnung wurde es nie richtig hell, und verhüten konnte man auch nicht. Sat.1-Zuschauer wissen Bescheid.

Mit seinen Historiendramen zählt der Sender zu Deutschlands führenden Früher-war-alles-schlechter-Experten. Und weil Sat.1 ein eher weiblicher Sender ist, erzählt er Geschichten aus alten Zeiten konsequent aus der Perspektive von Frauen. Die wiederum wirken ziemlich heutig, sie sind berufstätig, mal Wanderhure, mal Hebamme, und wissen sich auch sonst zu behaupten in der widrigen Männerwelt.

Anna, die junge Heldin in "Jack The Ripper", kann sogar Kampfsport. Sie wird gespielt von Sonja Gerhardt, der aufmüpfigen Rock'n'Roll-Tochter aus der gefeierten ZDF-Nierentischsaga "Ku'damm 56".

London 1888. Die Fotografin Anna kommt aus Hamburg angereist, um neu anzufangen in der Stadt, in der ihre Mutter und ihr Bruder wohnen. Doch Mutter ist tot, und Bruder Jakob liegt fixiert im Keller einer Irrenanstalt. Die Polizei beschuldigt ihn, Jack the Ripper zu sein und fünf Frauen auf dem Gewissen zu haben. Anna will das nicht glauben, wer ist schon gern die Schwester eines Serienmörders. Weil sie der Polizei nicht allzu viel zutraut, beginnt sie selbst zu ermitteln. Agentin mit Herz.

Wer nicht aufpasst, hat ein Messer im Rücken

"Jack the Ripper" kostet aus, dass sich nirgends so wohlig schaudern lässt wie in der Vergangenheit. Kerzenschein, staubige Holzregale, eingebildeter Kohlgeruch, fast wie in den Museumsdörfern, die man seit einigen Jahren in ländlichen Gegenden vorfindet als Konserven von Großmutters Jugendjahren. Dazu ein paar Prostituierte und viel Blut. Wer nicht aufpasst, hat schnell ein Messer im Rücken.

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Sat.1-Film: Traue niemandem!

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Dieser Film ist ein Kostümkrimi, ein recht spannender. Angenehmerweise gibt er nicht vor, mehr zu sein - anders als die bisherigen Sat.1-Historienepen, die sich immer als Bildungsprogramm tarnten. Dort wurde die Zwangsverheiratung von Jungfrauen verhandelt ("Die Wanderhure") oder die Geschichte der modernen Medizin ("Die Hebamme"), aber so richtig interessierten die Filme sich auch nicht dafür. Hier geht es nur um eine Frage: Wer ist Jack the Ripper?

Zutrauen würde man es jedem. Dem alten Fotografen, der heimlich nackte Frauen fotografiert. Dem jungen Inspektor, einfach, weil der sich so scheißfreundlich gibt, dass es schon wieder nicht wahr sein kann. Und dem jungen David sowieso, weil er von Sabin Tambrea gespielt wird, der immer so unnahbar wirkt, als wäre er um Mitternacht aus dem Wachsfigurenkabinett getürmt. Er war SS-Sturmbannführer ("Nackt unter Wölfen") und Bayerns verrückter Märchenkönig ("Ludwig II.). Tatsächlich hat er schon Jack the Ripper gespielt, in Robert Wilsons Bühnenfassung von "Lulu" am Berliner Ensemble. Warum nicht auch hier?

Nur eines hofft man: Dass es nicht der sanfte Jakob sein möge, der Bruder der tapferen Anna, der fixiert in der Psychiatrie liegt. Sein Darsteller Vladimir Burlakow darf nicht viel zu sagen, meist deliriert er kinskihaft erbarmenswert vor sich hin. Damit sich das Fitnessstudio lohnt, ist sein Hemd dabei weit aufgeknöpft.

Am Ende ist natürlich alles anders, als man zunächst dachte. Und damit dann doch wieder so, wie man es von einem Krimi erwartet. Ein Lob der Konventionalität.


"Jack The Ripper", Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1

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