US-Reaktionen zum Fall Böhmermann "Merkel bezahlt Lösegeld"
Jan Böhmermann
Foto: MORRIS MAC MATZEN/ REUTERSMit ihrer Haltung in der Affäre um Jan Böhmermann setzt Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Ansicht der "New York Times" ein falsches Signal. Nach der "Washington Post" ist es die zweite große US-Zeitung, von der Merkel ausdrücklich kritisiert wird.
Ihre Entscheidung, deutsche Justizbehörden auf Wunsch der Türkei zu ermächtigen, ein Strafverfahren gegen Böhmermann wegen möglicher Beleidigung des türkischen Staatschefs einzuleiten, komme dem Bezahlen von Lösegeld an Kidnapper gleich, schreibt die "New York Times". "Das unmittelbare Problem ist gelöst, es schafft aber einen gefährlichen Präzedenzfall."
"Merkel musste sich entscheiden, ob sie (Recep Tayyip) Erdogans empörendes Verlangen lindert oder einen Deal mit der Türkei zu verlieren droht, der etwas Erleichterung in der Flüchtlingskrise verspricht", heißt es weiter. "Jetzt stellt sich die Frage, was Erdogan - oder ein anderer verschnupfter Potentat - als nächstes fordern wird."
"Das Problem ist, dass Erdogan nicht einfach einen obskuren Komödianten verfolgte", schreiben die Herausgeber. "Er hat auch gefordert, dass die Spitze der deutschen Bundesregierung öffentlich seine Forderung anerkennt, dass es falsch war, ihn zu verspotten."
Die "New York Times" machte darauf aufmerksam, dass in der Türkei annähernd 2000 Verfahren wegen Beleidigung des Präsidenten anhängig seien. Erdogan könne nun für sich in Anspruch nehmen, dass der Westen die Legitimität seines Anspruchs akzeptiere.
US-Moderator John Oliver: "Erdogan ist schuld"
"Die Freiheit, politische Führer auf die Schippe zu nehmen, ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen liberalen Demokratien und autoritären Staaten", schreibt die Zeitung.
Auch die "Washington Post" hatte harsche Kritik an Merkels Böhmermann-Kurs geübt. Das deutsche Gesetz, das ausländischen Staatsführern erlaube, Kritiker in Deutschland zu verklagen, sei anachronistisch und müsse abgeschafft werden, kritisierte die Zeitung . Es habe in einer westlichen Demokratie keinen Platz. Allerdings hat Merkel die Abschaffung des Paragrafen angekündigt.
Unterdessen springt John Oliver, scharfzüngiger und treffsicherer Late-Night-Talker in den USA, Jan Böhmermann bei . Er sei sehr froh, dass Amerika anders als Deutschland kein Gesetz habe, das einen für ein Gedicht hinter Gitter bringe, sagte Oliver. "Ich wäre schon längst in einem Hochsicherheitsgefängnis."
"Erdogan hat eine unglaublich dünne Haut", sagte Oliver. "Er ist schuld, er macht es einem viel zu leicht, sich über ihn lustig zu machen." Oliver zitierte Erdogans Vergleiche von Israel mit Hitler-Deutschland sowie frauenfeindliche Aussagen des Präsidenten.
An die Adresse Erdogans fügte er hinzu: "Wenn Du so ängstlich darauf bedacht bist, nicht verspottet zu werden, versuch doch mal, die freie Rede weder in Deinem Land noch in anderen zu unterdrücken und Dich generell so zu verhalten, dass nicht jeder sehen will, wie man Dir in den Hintern tritt."