Jay Leno: Abschied vm Talkmaster - DER SPIEGEL
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Jay Lenos Abschied von "Tonight Show": "Ich bin der glücklichste Kerl der Welt"

Foto: Matt Sayles / AP / dpa

Talk-King Jay Leno tritt ab Ein stiller, älterer Herr

Tausende Gäste, Zehntausende Witze, zwei dunkle Anzüge: Nach 22 Jahren dankte Amerikas erfolgreichster TV-Talker Jay Leno ab. Seine "Tonight Show" übernimmt jetzt der Internet-Star Jimmy Fallon. Doch was soll der mit dem Late-Night-Format eigentlich noch anfangen?
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Zum Schluss kommen ihm dann doch noch die Tränen. "Ich bin der glücklichste Kerl der Welt", sagt Jay Leno und schluckt. "Ich durfte Präsidenten treffen, Astronauten, Filmstars. Es war unglaublich." Doch auch er sehe jetzt ein: "Es ist wirklich Zeit zu gehen."

Und so endet sie in der Nacht zum Freitag, eine der dauerhaftesten Karrieren im US-Showbusiness. Jay Leno, Amerikas populärster TV-Talker und Chef der "Tonight Show", dankt nach 22 Jahren ab - nun aber wirklich und nicht auf Abruf wie vor vier Jahren, beim ersten, erzwungenen, zum PR-Debakel missratenen Pseudo-Goodbye. "Ich muss nicht dreimal gefeuert werden", sagt Leno. "Ich hab's kapiert, ich hab's kapiert."

Es ist ein stilles Farewell. Eine letzte Show mit den obligatorischen Erinnerungclips, mit Kurzauftritten von Stars wie Oprah Winfrey und einem nicht besonders lustigen Video von US-Präsident Barack Obama, der Leno zum "Botschafter der Antarktis" ernennt: "Ich hoffe, du hast einen warmen Mantel, lustiger Mann." Nichts Besonderes. Leno eben.

Denn diesmal ist es dem US-Network NBC ernst mit dem Generationswechsel: Dem weißhaarigen Veteran Leno, 63, dem Twitter bis heute fremd ist, folgt der schräge Internet-Star Jimmy Fallon, 39, der die Sendung nach den Olympischen Winterspielen erbt.

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Jay Lenos Abgang: 24 Jahre "Tonight Show" in Bildern

Foto: Craig Fujii / AP

Das Bemerkenswerteste aber ist, dass das ganz skandalfrei abläuft. Im Gegensatz zu den legendären Late Night Wars von 1992, als Leno die "Tonight Show" vom unerreichten Altmeister Johnny Carson übernahm, obwohl der eigentlich jemand anderen auserkoren hatte - Lenos ewigen Rivalen David Letterman.

Der Mangel an Drama sagt viel aus über die geschrumpfte Relevanz der angestaubten Institution. Immerhin: Ein Wechsel an der Spitze der ältesten US-Entertainmentshow (Premiere: 1954) gilt für viele bis heute als "kultureller Wendepunkt", so Medienreporter Bill Carter ("New York Times"). Andererseits: Wer bestimmt diese Kultur inzwischen noch?

Altherren, die in der Vergangenheit leben

Einer wie Leno kaum mehr. Zwar machte der das verkalkte Sendeformat bis zuletzt noch (er)tragbar. Ob Nachfolger Fallon die alte Top-Attraktion der behäbigen TV-Station NBC wiederbeleben kann, ist jedoch fraglich. Auch wenn er die Show vom kalifornischen Burbank nach Manhattan zurückholt, ins Studio 6B des Rockefeller Centers - in der Hoffnung auf die Coolness, die die Show in den Carson-Jahren besaß.

Das waren Zeiten. Rund fünf Millionen Amerikaner schauten in den letzten Tagen noch mal bei Leno rein, seine höchste Quote seit 2010. Aber nur ein Bruchteil dessen, was der damals 66-jährige Carson mit seinem Finale mobilisierte: 50 Millionen waren am 21. Mai 1992 dabei, als Bette Midler nicht nur ihn mit einem letzten Ständchen zu Tränen rührte.

Leno verabschiedet sich mit Comedian Billy Crystal, der auch schon 65 ist. Er reißt ein paar Witze, plaudert von alten Zeiten, mokiert sich, dass Leno in all den Jahren nur "zwei dunkle Anzüge" getragen habe - zwei Altherren, die in der Vergangenheit leben.

Knallharter Karrierist

Crystal war 1992 auch Lenos erster Gast. Ihm folgten viele Highlights: Komiker Bobcat Goldthwait, der seinen Sessel ansteckte; Hollywood-Star Hugh Grant, der über Oralsex mit einer Prostituierten plauderte; Ex-Bodybuilder Arnold Schwarzenegger, der seine Kandidatur für das kalifornische Gouverneursamt verkündete; ein betrunkener Regisseur Quentin Tarantino.

Mit Hugh Grants Auftritt 1995 schob sich Leno im Quotenrennen erstmals vor Letterman, der ihm auf CBS mit der "Late Show" Konkurrenz machte. Leno hatte Letterman im Kampf um Carsons Nachfolge mit nicht immer fairen Mitteln ausmanövriert. Zwei Jahrzehnte lang sollte er dann auch meist vorne bleiben, obwohl Letterman schärfer, bissiger war. Leno war der Mainstream-Mann für Middle America.

Hinter dem Conferencier steckte aber ein knallharter Karrierist. Leno brachte es vom Stand-up-Komiker zum König der Late Night. "Vermögen gingen verloren, weil man Jay Leno unterschätzte", sagte der künftige "Tonight"-Produzent Lorne Michaels, der die NBC-Comedyshow "Saturday Night Live" erfand.

CNN ist scharf auf ihn

Einmal versteckte sich Leno sogar im Schrank, um seine Manager zu belauschen. Viele Ex-Freunde und Konkurrenten reden nicht mehr mit ihm, auch Carson trat nie mehr bei ihm auf. Nur sein "Tonight"-Team blieb ihm treu.

Die Hassliebe erstreckt sich auch auf NBC, der Sender hat schon mehrmals zuvor versucht, ihn auszubooten. Angeblich sollen sie ihn jetzt mit 15 Millionen Dollar zur vorzeitigen Aufgabe bewegt haben - ein Bruchteil dessen, was Leno mit seinen Stand-up-Gigs in Las Vegas verdient.

Über seine Zukunft schweigt sich Leno aus. CNN sei auf ihn scharf, wird gemunkelt. Der kriselnde Nachrichtensender wird gerade zum Entertainment-Komplex umgekrempelt - von Lenos früherem NBC-Chef Jeff Zucker, der auch Lenos letzte Entthronung inszeniert hatte.

Jay Lenos Karriere