Arabische Talentshow: Jassir und Jennifer
Finale von "Arabs Got Talent" Syrische Tänzer besiegen US-Sängerin Grout
Beirut - Am Ende hat es nicht ganz gereicht für Jennifer Grout. Die US-Amerikanerin, die in den vergangenen Wochen mit ihrem Gesang den Nahen Osten in ihren Bann zog, hat bei der Castingshow "Arabs Got Talent" den zweiten Platz belegt.
Am Ende hat die Leistung und die Geschichte der Tanzgruppe Sima das arabische TV-Publikum noch mehr begeistert. Die Gruppe - bestehend aus insgesamt 35 Tänzern - stammt nämlich aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Nach ihrem Auftritt bei der Finalshow am Samstagabend in Beirut gab es für das Publikum im Saal kein Halten mehr. Die Zuschauer feierten Sima mit stehenden Ovationen und "Syrien, Syrien"-Sprechchören.
Jury-Mitglied Najwa Karam sprang begeistert auf und rief den jungen Tänzern zu: "Sagt der Welt, dass ihr aus Syrien kommt." Spätestens da war klar, wer die Show, die auf dem gleichen Konzept basiert wie "Das Supertalent" in Deutschland, gewinnen würde.
Tränen bei der Jury
Politisch aufgeladen war auch der Auftritt des späteren Drittplatzierten Mohammed al-Diri. Der palästinensische Künstler hatte auf der Bühne das Porträt des verstorbenen PLO-Führers Jassir Arafat mit einem Flammenwerfer an eine weiße Wand gebrannt. Gleichzeitig wurde ein Bild des Felsendoms in Jerusalem auf den Bühnenhintergrund projiziert - unter dem Jubel des Publikums. Die Jury wischte sich Tränen aus den Augen.
Jennifer Grout sang auch im Finale einen arabischen Klassiker - "Wahaschtini" von Souad Mohammed. Wieder gab es stürmischen Applaus, doch am Ende reichte es nur für den zweiten Platz. Die 23-Jährige aus Massachusetts trug es mit Fassung: "Ich bin wirklich glücklich darüber, unter die besten drei gekommen zu sein. Ich freue mich sehr für Sima, sie haben den Sieg verdient."
Grout hatte die arabische Welt in den vergangenen Wochen begeistert. Obwohl sie fast kein Wort Arabisch spricht, sang sie Lieder der großen arabischen Stars. Im Casting verzauberte sie die Jury besonders mit ihren Liedern der ägyptischen Ikone Umm Kulthum, die 1975 verstarb.
Grout hatte erst vor drei Jahren im Internet zum ersten Mal arabische Musik gehört, zuvor hatte sie Klassik und Opernlieder gesungen. Inzwischen ist sie nach Marokko gezogen.
Die Gewinner widmeten ihren Sieg den Menschen in ihrer syrischen Heimat. Für ihren Erfolg erhalten sie umgerechnet knapp 100.000 Euro und ein Auto. Nun müssen sich die 35 Tänzer nur noch einigen, wer den Wagen bekommt.