Jörg Schönenborn fordert anspruchsvolleres Programm - DER SPIEGEL
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Zukünftiger WDR-Programmchef Schönenborn kritisiert eigenen Sender

Frust über den eigenen Laden: Der designierte WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn beklagt, dass sein Sender kaum jüngere Zuschauer begeistern kann. Er fordert innovative, kreative Sendungen - und ist bereit, dafür auf Marktanteile bei den Älteren zu verzichten.
Jörg Schönenborn: "Beängstigendes Phänomen"
Jörg Schönenborn: "Beängstigendes Phänomen"

Jörg Schönenborn: "Beängstigendes Phänomen"

Foto: Herby Sachs/ ARD
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Hamburg/Düsseldorf - Der Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises hat zum Werkstattgespräch geladen. Es ging es um das Thema "Qualität und Quote". Die Gäste, unter anderem der geschäftsführende Gesellschafter von Brainpool Jörg Grabosch und Autor Ralf Husmann, diskutierten über die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Auch der designierte Programmdirektor des Westdeutschen Rundfunks, Jörg Schönenborn, war geladen. In harten Worten sprach er aus, unter welchen Problemen das Programm des WDR leidet.

"Das Problem ist, dass die Altersgruppen unter 60 ganz unterdurchschnittlich beteiligt sind", sagte der Journalist in Düsseldorf. Die Zugewinne an Zuschauern, die der WDR in den vergangenen Jahren hatte, betrafen die Altersgruppe über 60.

Schönenborn gab zu, dass es dem Sender vor allem an kreativen Köpfen fehle. "Es gibt das beängstigende Phänomen, dass über viele Jahre die Kreativen im Unterhaltungsbereich, Satire- oder Comedybereich bei uns entweder nicht angeklopft haben oder bei uns waren, aber bei uns nicht das machen konnten, was erfolgreich wurde."

Es sei eine Herausforderung, bei einem Sender wie dem WDR das Programm zu ändern, um ein jugendlicheres Publikum anzuziehen. "Wenn man mit Programm, das zum Beispiel von Zielgruppen über 60 gern geguckt wird, sehr erfolgreich sein kann, dann muss man verdammt stark sein, um zu sagen, das lassen wir jetzt mal und gehen auf Innovation - wissend, dass die Marktanteile, dass die Zuschauerzahlen damit deutlich geringer werden", sagte Schönenborn. Diese Umsteuerung hinzubekommen, anspruchsvolle und intelligente Serien anzubieten und dafür Marktanteile abzugeben, das sei die Aufgabe.

Im Januar hatte WDR-Intendant Tom Buhrow zudem angekündigt, dass der WDR "crossmedialer" werden müsse, um auf die veränderten Gewohnheiten seiner Nutzer zu reagieren. Schritt für Schritt sollen Redaktionen zu größeren Einheiten zusammengelegt werden.

Der WDR ist mit mehr als 4000 festen Mitarbeitern und einem Etat von über einer Milliarde Euro die größte ARD-Anstalt.

kha