"The Last Panthers": Flucht in den Balkan
Miniserie "The Last Panthers" Auf der Jagd nach den Raubkatzen
Die Juwelen sind futsch, die Dämonen aus der Vergangenheit wieder da: Die britisch-französische Miniserie "The Last Panthers" bedient sich klassischer Stilmittel - und lässt den Zuschauer im Dunkeln tappen.
Die Ankündigung, dass David Bowie den Titelsong zu dieser neuen Serie beisteuert, erwies sich bereits im Vorfeld als cleverer Schachzug: Bowie konzentriert sich mittlerweile ja eher auf die Pflege seiner eigenen Geschichte; wenn der Musiker das Fernsehen mit seiner Aura adelt, muss es schon etwas Besonderes sein.
Doch auch Bowie darf sich freuen. Durch die Co-Produktion von Sky Atlantic und Canal+ wird schon mal kräftig die Werbetrommel für sein kommendes Album "Blackstar" gerührt - Bowies Stück "The Last Panthers" dient der Serie als Intromusik. Dummerweise verhält es sich mit der Musik ähnlich wie mit der ersten der sechs Folgen von "The Last Panthers", die heute auf Sky ihre Deutschlandpremiere hat: Es fällt noch schwer, vom Ausschnitt auf das große Ganze zu schließen.
Zwar etablieren die ersten 50 Minuten die zentralen Themen der Serie, doch den Figuren fehlt die Tiefe. Nicht einmal das Genre wird aus der ersten Folge ersichtlich. Das muss nicht zwingend gegen "The Last Panthers" sprechen. Die Prinzipien der Entschleunigung und der ausschweifenden Exposition - wir erinnern uns an die zweite "True Detective"-Staffel - gehören inzwischen ja zu den Markenzeichen einer Qualitätsserie. Irgendetwas sollte dennoch hängenbleiben.
Ein lapidar inszenierter Juwelenraub
Aber schon die Eröffnung von "The Last Panthers" wirkt unentschlossen. Ein Juwelenraub ist so lapidar inszeniert, dass man eine Gruppe von Amateuren hinter dem Coup vermuten könnte. Auch die Flucht durch die Straßen von Marseille wirkt behäbig. Ein paar Fahrzeuge werden angezündet, einen der Räuber trifft eine Kugel, bei einem Schusswechsel stirbt ein Kind.
Entsprechend bedient sind auch die Auftraggeber: Mit der Beute im Wert von 15 Millionen Dollar will nach dem Zwischenfall niemand etwas zu tun haben. Milan (Goran Bogdan), der Kopf der Bande, bleibt auf den Juwelen sitzen und löst mit seinen Komplizen ein Rückfahrticket nach Kroatien. Währenddessen tappt die französische Polizei im Dunkeln. Die Ermittlungen des Polizisten Khalil (Tahar Rahim) laufen ins Leere, der wieder aufgefrischte Kontakt zu seinem kriminellen Bruder sorgt für böses Blut in der Familie.
Weiter ist dagegen der Versicherungskonzern, der seine beste Ermittlerin auf die Täter ansetzt. Die Britin Naomi (Samantha Morton) hat im Auftrag ihres Vorgesetzten Tom (John Hurt), ein MI6-Veteran, bereits die Spur aufgenommen. Diese führt in den Balkan, wo die ehemalige Soldatin mit ihrer traumatischen Vergangenheit konfrontiert wird: Bei einem Einsatz der Blauhelm-Schutztruppen geriet sie einst in einen Hinterhalt.
Zügig, aber ohne großes emotionales Engagement stecken Showrunner Jack Thorne und Regisseur Johan Renck, der schon bei einigen Folgen von "Breaking Bad" und "The Walking Dead" Regie führte, in den ersten 50 Minuten die Themen ab, die die folgenden fünf Episoden tragen sollen. Noch wirkt das Konstrukt allerdings etwas modellhaft. Immerhin deutet Renck in dieser Konfrontation mit einer Bande schlecht gelaunter Mobster einen größeren politischen Zusammenhang seiner Geschichte an.
Der Balkan ist hier ein rechtsfreier Raum, den sich Clans untereinander aufgeteilt haben. Dieses Motiv hat einen wahren Hintergrund. Milan verrät sich als Mitglied der legendären "Pink Panther", eines kroatischen Verbrecherrings, der in den Neunzigerjahren mit Überfällen international für Schlagzeilen sorgte. Nach dem Zusammenbruch des ehemaligen Jugoslawiens wollten die "Panther" in Robin-Hood-Manier ihren Landsleuten westliche Devisen beschaffen.
Jack Thorne hat seine Geschichte in diesem postdemokratischen Raum angesiedelt. Entsprechend sparsam ist auch der Farbeinsatz, Laurent Tangys Bilder erinnern an Tarkowski-Filme. Unter ästhetischen Aspekten ist der Versuch, dem starbesetzten amerikanischen Qualitätsfernsehen, siehe "True Detective" oder "House of Cards", ein europäisches Pendant entgegenzusetzen, also durchaus geglückt. Warten wir ab, wie sich die Geschichte entwickelt.
"The Last Panthers", ab Donnerstag, 21.00 Uhr auf Sky Atlantic.