Let's dance: Finale der Dance-Show auf RTL - DER SPIEGEL
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"Let's Dance": "Was hast du mit dieser Show gemacht?"

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

"Let's Dance"-Finale Tanz den Pep Guardiola!

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Alexander Klaws gewinnt die siebte Staffel "Let's Dance" - und lässt dabei durch seine von Anfang an unbezweifelte Favoritenrolle die ganze Show implodieren. Das schöne Trostmärchen vom geläuterten Tapsebär bleibt dabei auf der Strecke.

Wer brüllt, hat eben doch recht. "Mehr geht nicht. Tür zu! Zuzuzu! Finished! Closed!", kreischte Expressiv-Jurorin Motsi Mabuse nach dem finalen Tanz ihr Fachurteil. Schon während Alexander Klaws, vor ungefähr 57 Jahren mal allererster Sieger von "Deutschland sucht den Superstar", zusammen mit Tanzpartnerin Isabel Edvardsson ein letztes Mal seine erstaunliche Gummihüfte schwänzeln ließ, war aus blanker Begeisterung viel krakeelt worden. Als schließlich der sonst so Fräulein-Rottenmeier-hafte Joachim Llambi, über sieben Staffeln hinweg sorgfältig zur schurkigen Jury-Unke hinmodelliert, erstmalig beschloss, auf die Regeln zu pfeifen und zum Zehn-Punkte-Täfelchen noch einen nie dagewesenen Bonuspunkt vergab, konnte man die ganze Show zu einem kleinen nubbeligen Restschrumpel zusammenschnurzeln sehen.

"Was hast du mit dieser Show gemacht?", hatte vorher bereits Moderator Daniel Hartwich gefragt. Die Antwort: Klaws hat "Let's Dance" durchgespielt, das Prinzip der Show implodieren lassen. So groß war seine Favoritenrolle von der ersten Sendung an gewesen, dass herbeischwadronierte Kriselchen zwischendurch für zumindest ein bisschen künstliche Spannung sorgen mussten, um die Dramaturgie der Show halbwegs am Laufen zu halten. Wie sucht man neun Sendungen lang nach dem besten Tänzer, wenn man ihn schon bei der Premiere gefunden hatte? Am Ende konnte man fragen, ob diese "Let's Dance"-Staffel bloß eine kommentierende Metapher für die diesjährige Bundesliga-Saison war. Tanz den Pep Guardiola!

Bayern-München-Spiele können ja auch Spaß bringen

Der Form halber gab es freilich noch eine zweite Finalistin, Ex-Eisläuferin Tanja Szewczenko, sowie den halbherzigen Versuch, dieses Duell mit Genderquatsch doch noch irgendwie interessant zu halten: die beste Frau gegen den besten Mann. Und es machte ja trotz des bereits nach den ersten Tänzen recht klaren wahrscheinlichen Ausgangs trotzdem Spaß, sich das alles anzuschauen. Wie ja auch Bayern-München-Spiele sehr viel Spaß machen können, wenn man Bayern München mag. Köstlich außerdem auch wieder die Outfitwahl von Komoderatorin Sylvie Meis, die zum Finale ein eventuell ballonseidenes Ghetto-Nikolaus-Klaffkleid trug.

Vom ersten Tanz an - Szewczenko tanzte Samba, Klaws Slow Fox - war allerdings offensichtlich, wer hier gewinnen würde. Auch wenn sie noch eine mustergültig soapifizierte "I have a dream"-Rede hielt, vom Rückhalt der Familie und verwirklichten Träumen sentimentalisierte, zu ihrem Freestyle mit Tanzpartner Willi Gabalier gar in fließendem Wasser herumpatschte. Nach Klaws finalem Tanz-Medley zur Musik aus "Dirty Dancing", dem Tanzfilm, an den die Zuschauerschaft der Show die größte emotionale Bindung haben dürfte, hätte es eigentlich keines Telefonvotings mehr bedurft. Wer die Johnny-Baby-Hebefigur zeigt, muss gewinnen.

Am Ende siegte mit Alexander Klaws auch RTL. Weil "Deutschland sucht den Superstar" längst in der Bedeutungslosigkeit herumträllert, ist es umso symbolkräftiger, dass ausgerechnet ein DSDS-Veteran, also eine Handaufzucht, einer anderen RTL-Show nun zu ihrem Höhepunkt verhilft. Im anfeuernden Motivationseinspieler vor der letzten Show sprachen die alten Senderzossen Dieter Bohlen und Frauke Ludowig Alexander Klaws Mut zu, bei Tanja Szewczenko grüßte derweil die Oma. "Du bist auf dem Weg zum RTL-Grand-Slam", gratulierte Moderator Hartwich dem DSDS-Und "Let's-Dance"-Sieger schließlich warnend: "Ich wünsch dir nicht, dass das Dritte das Dschungelcamp ist."

Die Hoffnungslosigkeit der anderen

So toll Alexander Klaws auch tanzen kann, so unbestritten beeindruckend sein Talent ist, lag am Ende über dieser "Let's-Dance"-Staffel eine komische Traurigkeit, weil zu Klawsens Triumph die Hoffnungslosigkeit der anderen gehörte. Die drückende Übermacht des Besten, gegen den eben nicht anzukommen war. Nicht mit drolliger Underdog-Koketterei (mit der es Larissa Marolt versuchte), nicht mit bedingungsloser Fan-Unterstützung (wie der bestürzend tapsende Bernhard Brink), am Ende nicht einmal mit Geld (obwohl der TV-Reiche Robert Geissen, Ehemann der Tanzkandidatin Carmen, in der Finalsendung noch einmal mit Geldbündeln winkte).

Es ist die traurige, reale Lebenswahrheit, die einen Shows wie "Let's Dance" doch eigentlich vergessen machen sollen, indem sie uns tröstliche, süße Lügen vorgaukeln: So wie der Stampftrampel es hier manchmal doch zum bejubelten Toptänzer schafft, könnte man es selbst auch mit mittelmäßigen Voraussetzungen am Ende ebenfalls schaffen, wenn man es nur wirklich wollte. Gestern Abend erschien diese schöne Idee als Illusion, so irreal wie Jorge Gonzalez' Frisuren.

Zur Autorin

Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht für den SPIEGEL unter anderem im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum »Buffy the Vampire Slayer« eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: »Everything bad is good for you« – und dass auch »Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!« tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Ihr Buch über ihre Liebe zu Take That erschien als Teil der Musikbibliothek bei Kiepenheuer und Witsch.