"Lost"-Blog: Rampe fürs große Finale - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

"Lost"-Blog Rampe fürs große Finale

"Lost", letzte Staffel: Das SPIEGEL-ONLINE-Blog erklärt, was in welcher Episode passierte, welche Rätsel gelöst wurden und welche hinzu kamen - soweit wir das verstanden haben.
"What They Died For": Jacks Gruppe sucht Desmond
"What They Died For": Jacks Gruppe sucht Desmond

"What They Died For": Jacks Gruppe sucht Desmond

Foto: ABC Studios
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit einem Knall und einem weißen Blitz endete die fünfte Staffel von "Lost" - und wie ging es nun weiter? Im SPIEGEL ONLINE-Blog haben wir zunächst die wichtigsten Rätsel aufgezählt, jetzt geht es an die Auflösung: Anfang Februar startete auf dem US-Kabelkanal ABC die sechste und letzte Staffel, Ende Mai war sie zu Ende. In Deutschland kann man sie sich über iTunes oder Videoload anschauen. Zu jeder Folge sammelten wir die wichtigsten Ereignisse, die interessantesten Erklärungen und besten Momente - bitte nur lesen, wenn Sie die aktuellen Folgen bereits gesehen haben, sonst erfahren Sie alle Überraschungen!

Nachdem die letzte Staffel "Lost" nun beendet ist, haben die "Lost"-Blogger von SPIEGEL ONLINE noch einmal die zu Anfang von Staffel 6 aufgeworfenen Fragen betrachtet - was wurde beantwortet, was nicht?

Den abschließenden Text zur letzten Folge und der gesamten Serie finden Sie hier.

Ansonsten gilt wie immer: Bitte mitraten!

Staffel 6, Folge 16, "What They Died For"

Was ist passiert? In der Flash-Sideways-Welt zieht Desmond jetzt resolut die Fäden. Er scheint einen Plan zu verfolgen, und dabei geht er nicht zimperlich vor. Als der - von Desmond angefahrene, von Jack therapierte - John Locke in seinem Rollstuhl zur Schule zurückkehrt, wartet Desmond in seinem Wagen schon auf ihn. Benjamin Linus entdeckt ihn und stellt ihn zur Rede. Desmond erklärt, er wolle Locke nicht töten, ihn nur dazu bringen "loszulassen". Dann drischt er mit Verve auf Bens Gesicht ein, was in dem eine Art Flashback hervorruft: Er erinnert sich an einem Moment aus der fünften Staffel, als Ben drohte, Desmonds Frau Penny zu töten und Desmond ihn ähnlich übel zurichtete.

Nach und nach nimmt Desmond mit allen verbleibenden Hauptfiguren Kontakt auf: Er stellt sich der Polizei - in Gestalt von Sawyer - und lässt sich in eine Zelle verfrachten, wo er auf Kate und Sayid trifft. Als die drei in einem Gefangenentransport in eine anderes Gefängnis überstellt werden sollen, kündigt Desmond den beiden ihre Befreiung an, und tatsächlich hält der Wagen kurz darauf. Die Polizistin am Steuer entpuppt sich als Ana-Lucia Cortez, die in der Haupthandlung schon in Staffel zwei von Michael erschossen wurde. Desmond hat Hurley als Fluchthelfer engagiert: Er reicht Anna Lucia 125.000 Dollar in einer Papiertüte und packt Sayid anschließend in seinen gelben Hummer. Desmond besteigt gemeinsam mit Kate Hurleys roten Camaro, reicht ihr aber vorher eine Einkaufstüte mit einem nagelneuen Cocktailkleid, mit der Begründung, sie seien auf dem Weg zu einem Konzert.

Zum gleichen Konzert will auch Jack, dessen Sohn David dort Klavier spielen soll. Beim gemeinsamen Frühstück mit Claire, die offenbar zu den beiden gezogen ist, sprechen sie über den Abend und die Tatsache, dass auch Davids Mutter dort sein wird. Desmond ruft an, gibt sich als Mitarbeiter von Oceanic Air aus und behauptet, die "verlorene Fracht", also der Sarg mit Jacks Vater, sei gefunden worden.

Auch der Polizist Miles will ein Konzert besuchen, im "Museum meines Vaters", und versucht seinen Kollegen Sawyer zu überreden, ihn zu begleiten. Der fragt, ob womöglich auch Charlotte dort sein werde und lehnt ab, als Miles das bejaht. Der Gedanke drängt sich dennoch auf, dass Davids Konzert der Ort für den Showdown der Flash-Sideways-Handlung sein könnte.

Locke erfährt vom arg verbeulten Ben Linus, dass Desmond ihn dazu bringen wollte "loszulassen". Er betrachtet das als Zeichen und sucht Jack auf, um ihm zu erklären, er sei nun bereit, sich operieren zu lassen, "aus diesem Stuhl herauszukommen". Ben knüpft seinerseits erste zarte Bande zu Danielle Rousseau, der Mutter von Alex - die beiden laden ihn zum Essen ein und Danielle eröffnet ihm, Alex betrachte ihn wohl als eine Art Ersatzvater, was Ben Tränen der Rührung in die Augen treibt.

Auf der Insel machen sich Kate, Sawyer, Jack und Hurley auf den Weg, um Desmond aus dem Brunnen zu befreien. Unterwegs taucht der geheimnisvolle Junge auf, den wir nun als den jungen Jacob erkennen, und schnappt sich das Beutelchen mit Jacobs Asche, das Hurley bei sich trägt. Schließlich sind alle vier gemeinsam mit dem erwachsenen Jacob um ein Feuer versammelt, das dessen Worten zufolge auch seine Asche enthält. Wenn es ausgehe, werde er verschwinden und jemand anderes müsse seinen Platz einnehmen. Er erklärt seine Rolle und warum er die übrigen auf die Insel gebracht hat. Jack meldet sich freiwillig, der nächste Hüter der Insel zu werden. Jacob nimmt ihn mit zu einem Bach, gibt ihm nach einigem ominösem Gemurmel Wasser zu trinken um dann zu erklären: "Jetzt bist du wie ich." Er erklärt Jack auch, wie er die Höhle mit dem Licht finden kann.

Bei den Dharma-Barracken sind Ben, Miles und Richard auf der Suche nach C4 um das Ajira-Flugzeug in die Luft zu sprengen. Sie stoßen auf Widmore und Zoe, beide bewaffnet. Schließlich nähert sich der Man in Black (MiB), in Rauchform, Zoe warnt die Truppe. Zoe und Widmore verstecken sich in Bens Geheimkammer hinter dem Bücherregal, Miles flieht, nimmt aber eines von Widmores Funkgeräten mit. Ben und Richard erwarten Locke/MiB vor der Hütte. Der Rauch schleudert Richard brutal durch die Luft. Dann erscheint Locke, und Ben zeigt ihm ohne Umschweife, wo Widmore und Zoe sich versteckt halten. Locke tötet Zoe und droht, Widmores Tocher umzubringen, wenn der ihm nicht verrät, warum er Desmond zur Insel zurückgebracht hat. Widmore erklärt, das habe mit Desmonds "einzigartiger Widerstandfähigkeit gegenüber Elektromagnetismus" zu tun, will aber vor Ben nicht mehr sagen. Während er Locke etwas ins Ohr flüstert, erschießt Ben Widmore und begründet das anschließend mit den Worten: "He doesn't get to save his daugther" - er rächt sich für den Tod seiner eigenen Adoptivtocher Alex.

Ben und Locke gehen anschließend zum Brunnen, um nach Desmond zu suchen, aber der ist verschwunden, im Schacht hängt ein Seil. Locke erklärt, Desmond sei eine Art letzte Versicherung Jacobs gewesen, falls "ich es schaffen sollte, alle seine geliebten Kandidaten zu töten". Desmond könne ihm nun aber helfen, etwas zu tun, was er alleine niemals geschafft hätte: "Die Insel zerstören."

Wurde ein Rätsel gelöst? Jacob erklärt den verbliebenen Kandidaten, warum er ausgerechnet sie als potentielle Nachfolger ausgewählt hat. Sie seien gewesen wie er: Alleine, auf der Suche nach etwas, das sie "da draußen" nicht finden konnten, "fehlerhaft" und unglücklich - "lost" sagt er nicht, aber das hätte gut in die Reihe gepasst. Außerdem erklärt er Kate, warum ihr Name an der Höhlenwand mit der Kandidatenliste durchgestrichen war: "Weil Du zu einer Mutter wurdest." Sie könne den Job aber haben, wenn sie wolle.

Außerdem buchstabiert Jacob noch einmal aus, dass die Insel ein Licht beherbergt, das beschützt werden muss, vor allem vor dem MiB - aber das wussten wir ja schon.

Kamen neue Rätsel hinzu? Warum musste Jacob durch die halbe Welt reisen, um Menschen zu finden, die diese Kriterien erfüllen? Hätte es ein Besuch im Wal-Mart an der Ecke nicht auch getan?

Was weiß der Flash-Sideways-Desmond? Welchen Plan verfolgt er? Wie hängen die beiden Welten zusammen? Wie kann Desmond die Insel zerstören? Wie kam Desmond aus dem Brunnen - reist er womöglich in physischer Form zwischen den beiden Welten hin und her? Nicht neu, aber wieder aktuell: Was hat es mit der Wunde an Jacks Hals in der Flash-Sideways-Welt auf sich, die zu Beginn der Folge wieder blutet?

Irgendjemand gestorben? In jedem Fall Charles Widmore und seine Gehilfin Zoe, ersterer erschossen von seinem langjährigen Erzfeind Ben, letztere getötet von MiB/Locke, mit einem Messer. Möglicherweise auch Richard Alpert, den das Rauchmonster mit großer Gewalt durch die Luft schleudert - aber ist der bislang Unsterbliche so leicht auszuschalten?

Bester Moment: "Oh, hey, you didn't tell me Ana-Lucia was gonna be here!" Hurley ist mindestens so überrascht wie wir, als die seit Staffel 2 tote Polizistin auftaucht.

Bestes Zitat: "I like the feel of my feet on the ground. Reminds me that I was human." Locke/MiB auf Bens naheliegende Frage, warum er denn zu Fuß geht, wenn er sich doch in schwarzen Rauch verwandeln kann.

Gute Folge? Wirkt ein bisschen wie Reste zusammenfegen, Fäden verknüpfen, Liegengelassenes aufklauben - eben eine Rampe für das große Finale.


Die nächste Folge ist eine Doppelfolge und markiert das Ende von "Lost". Sie hat noch keinen offiziellen Titel außer "The End" und wird am 23.5. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt. Geschrieben haben das Drehbuch für diese Abschlussfolge "Lost"-Ko-Schöpfer Damon Lindelof und Executive Producer Carlton Cuse.

Staffel 6, Folge 15, "Across the Sea"

Von Hannah Pilarczyk

Was ist passiert? Alles neu und doch alles vertraut auf der Insel: Wir erfahren endgültig den Sinn und Zweck der Insel, warum sie einen Hüter braucht sowie die Geschichte von Jacob und seinem Widersacher, dem Man in Black (MiB). Da sich alle wichtigen "Lost"-Leitmotive in der Enthüllung wiederholen (Kindesraub, Zweifel an der eigenen Berufung, Auseinandersetzung mit den Eltern, Opfer für die Insel, Fluchtversuch, Wiederauferstehung), sind die Überraschungen seltsamerweise nicht besonders groß. Eigentlich beweist das aber, wie stringent doch alles auf das Ende hin erzählt ist.

Was wiederum die vielleicht größte Überraschung von "Lost" überhaupt ist.

Bis auf einen kleinen Flash Forward wird die Folge chronologisch erzählt - angefangen in einer schwer definierbaren Zeit (Lostpedia vermutet arg biblisch vor rund 2000 Jahren) , in der sich eine hochschwangere Frau nach einem Schiffbruch auf die Insel retten kann. Dort wird sie von einer anderen Frau in Obhut genommen, die ihr noch bei der Geburt ihrer Zwillinge hilft - sie danach aber erschlägt und die Babys an sich nimmt.

Der Erstgeborene Jacob und sein namenloser Bruder wachsen bei der falschen Mutter auf, die sich ihnen später als Hüterin der Insel zu erkennen gibt und ihnen deren Geheimnis offenbart. Das Herz der Insel ist eine Höhle voll des Lichts, das auch in jedem Menschen strahlt. Würden Unbefugte zur Quelle des Lichts gelangen, könnten sie es löschen - und damit wohl auch die Menschheit zerstören.

Da der schwarze Zwilling hinter die Lebenslüge der Mutter kommt und zur Gruppe der anderen Schiffsbrüchigen wechselt, wird Jacob zum neuen Hüter der Insel erkoren. Doch wie viele nach ihm - und vielleicht auch schon einige vor ihm - zweifelt er an seiner Berufung.

Bevor jedoch die lange Zeit anbricht, in der Jacob sein Schicksal annimmt und die Geschichte die Gegenwart erreicht, passiert Ungeheuerliches. Der Namenlose wird von der Mutter nicht nur daran gehindert, die Insel zu verlassen - sie tötet auch die gesamte Dorfgemeinschaft der Schiffsbrüchigen.

Tobend vor Rachsucht bringt der Namenlose die Mutter um. Doch auch er findet ein grausames Ende - Jacob schlägt ihn zusammen und zerrt ihn in die Höhle des Lichts, wo ihn laut Mutter etwas "Schlimmeres als der Tod" erwartet. Kaum ist sein Körper in die Höhle getrieben, tost aus ihr auch schon das schwarze Rauchmonster heraus. Der Man in Black, wie wir ihn bislang in der Staffel gesehen haben, war also schon ein Geist und begegnete uns nur noch als Rauch oder in einem Avatar.

Als letzter Überlebender auf der Insel ordnet Jacob schließlich die Leichen seines Bruders und seiner vermeintlichen Mutter an. Er wird bis zu seinem Tod in dem Alter bleiben, in dem er seine gesamte Familie verlor.

Wurde ein Rätsel gelöst? Ja, und zwar das ganz große: Was es mit der Insel auf sich hat. Sie birgt tatsächlich die Quelle einer göttlichen Kraft, die den ewigen Zyklus von Leben und Tod sichert. Jacob war außerdem nicht der erste Hüter dieser Quelle, sondern übernahm die Aufgabe von der Frau, die seine leibliche Mutter erschlug. Außerdem wird die Rivalität zwischen Jacob und seinem Bruder erklärt - wobei der MiB gar nicht mehr als das Böse an sich erscheint, sondern vielmehr als einer der zahllosen Gestrandeten auf der Insel, die sich nichts sehnlicher wünschen, als sie endlich verlassen zu können.

Kamen neue Rätsel hinzu? Ja, vor allem was die Abstammung betrifft: Wer sind die Eltern der Ziehmutter und was ist mit ihnen passiert? Wie ist die Ziehmutter auf die Insel gekommen? Wer ist der Vater der Zwillinge? Wie findet man außerdem die Quelle des Lichts? Viel drängender aber: Hat der schwarze Zwilling wirklich keinen Namen?

Irgendjemand gestorben? Mal wieder ziemlich viele: Die gesamte Gemeinschaft der Schiffsbrüchigen, die mit der schwangeren Claudia auf die Insel kamen, aber auch ihre Mörderin, die Ziehmutter. Der MiB sucht die Insel fortan als Untoter heim.

Bester Moment: Als Kate und Jack die Leichen der Ziehmutter und des schwarzen Zwillings sowie die Grabgabe von Jacob finden - und zwar in Staffel 1! Hatten Abrams, Lindelof, Cuse und Co. womöglich doch von Anfang eine Idee, wie die Geschichte enden könnte?

Bestes Zitat: "Our very own Adam and Eve" (Unser persönliches Adam-und-Eva-Paar) - Lockes Kommentar zu den zwei Leichen. Auch wenn die beiden eigentlich kein Paar sind, passt der biblische Vergleich durchaus: Der Kampf um die Insel scheint seit jeher vom Mord des Erstgeborenen am jüngeren Bruder geprägt zu sein.

Gute Folge? Ja, grandios episch! Auch wenn amerikanische Akzente in einer Geschichte, die womöglich in der Frühzeit beginnt, eher unpassend erscheinen. Und es auch nicht weiter überrascht hätte, wenn in der Szene, in der zum ersten Mal die Höhle zu sehen ist, Bambi und ein paar Schmetterlinge vorbeigekommen wären. Aber "Lost" darf das. Oder?


Die nächste Folge hat den Titel "What They Died For" und wird am 18.5. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 14, "The Candidate"

Von Christian Stöcker

Was ist passiert? Das Finale kommt langsam wirklich in Fahrt - und das bedeutet nichts Gutes für manche der ehemaligen Passagiere von Flug Oceanic 815. Die "Lost"-Macher haben den Sensenmann losgeschickt. Und der Verdacht drängt sich auf, dass der seine Arbeit in der Serie noch lange nicht beendet hat.

Aber der Reihe nach. In der Flash-Sideways-Welt dreht sich diesmal alles um Locke und Jack. Ersterer landet im Krankenhaus, nachdem Desmond ihn in der letzten Folge mit seinem Auto gerammt hat. Jack gelingt es, den verletzten Locke zu retten, dabei stellt er fest, dass der Mann mit der Glatze ein "Kandidat" sein könnte: Jack bietet Locke an, ihm mit einer neuen Operationstechnik das Gefühl in seinen Beinen wiederzugeben. Womöglich werde er gar wieder laufen können. Aber Locke weist Jacks Hilfsangebote ein ums andere Mal zurück. Schließlich findet Jack auch heraus, warum - über einen Umweg, der ihm Begegnungen mit dem Zahnarzt Dr. Bernard Nadler und Lockes Vater Anthony Cooper beschert. Bernard wirkt enigmatisch und weise, ein Echo seiner Haltung im Insel-Handlungsstrang, wo er sich mit seiner Ehefrau Rose häuslich eingerichtet hat.

Cooper dagegen ist nicht das skrupellose Monster der ursprünglichen Geschichte - sondern ein sprachloses Wrack in einem Rollstuhl. Das Vater-Sohn-Verhältnis sah in dieser Welt offenbar anders aus: Locke ist verantwortlich für den bedauernswerten Zustand seines Vaters, weil er ihn auf seinem ersten Rundflug nach Abschluss seines Flugscheins mitnahm. Das Kleinflugzeug stürzte ab, beide Männer landeten im Rollstuhl. Offenbar betrachtet der Flash-Sideways-Locke seine eigene Behinderung als verdiente Strafe dafür, dass er seinen geliebten Vater zum Krüppel gemacht hat.

Claire und Jack nähern sich einander unterdessen immer stärker an. Sie zeigt ihm eine kleine, polierte Holzkiste, die "To Catch a Falling Star" spielt, wenn man sie öffnet - ein Erbstück von ihrem gemeinsamen Vater Christian Shephard. Jack bietet ihr an, doch bei ihm einzuziehen, schließlich gehörten sie doch zur selben Familie.

Auf der Insel geht es Schlag auf Schlag. Charles Widmore setzt die Truppe der Flüchtigen um Sawyer und Kate fest - in den Tierkäfigen, an die die beiden keine allzu guten Erinnerungen haben, weil sie dort schon einmal eingesperrt waren. Jack wacht am Strand von Hydra Island in einem Boot auf, Sayid erklärt ihm "Locke" habe ihn gerettet. Der betrachtet Jack nun offenbar als Mitglied seiner eigenen Truppe.

In Rauchform greift der Man in Black Widmores Leute an, nachdem Sayid den Generator für den Rauchmonster-Schutzzaun abgeschaltet hat. Der Rauch tötet einen großen Teil von Widmores Leuten, Jack befreit Sawyer, Hurley, Kate, Claire, Sun, Jin und Frank Lapidus, den Piloten. Gemeinsam mit Locke und Sayid machen sie sich auf den Weg zum Ajira-Flugzeug - erstmals seit Beginn der vierten Staffel sind nun alle noch lebenden Hauptfiguren an einem Ort (und zur gleichen Zeit) vereint.

"Locke" entdeckt im Flugzeug Plastiksprengstoff, der, wie er sagt, mit der Flugzeugelektrik gekoppelt war und die ganze Truppe beim Versuch zu starten in die Luft hätte sprengen sollen. Er habe sie also vor Widmores Mordversuch gerettet. Er überredet sie, lieber mit dem U-Boot von der Insel zu fliehen. Auf dem Weg dorthin fordert Sawyer Jack heimlich auf, "Locke" vom Besteigen des U-Bootes abzuhalten. Als die Gruppe dort ankommt, wird sie von Widmores Leuten angegriffen. Kate wird an der Schulter getroffen, Jack stößt "Locke" ins Wasser. Alle außer "Locke" und Claire besteigen das U-Boot und zwingen den Kapitän zum Abtauchen. Claire ist erbost, dass man sie zurückgelassen hat, aber "Locke" lächelt und erklärt: "You don't want to be on that sub."

An Bord entdeckt Jack, dass "Locke" den Sprengstoff aus dem Flugzeug im Boot versteckt hat und mit einem Digitaluhr-Timer versehen hat, der rückwärts zählt. Jack vermutet aber, dass "Locke" sie nicht aktiv töten kann und rät deshalb dringend davon ab, die Bombe zu entschärfen. Einmal mehr widersetzt sich Sawyer, zieht zwei Kabel aus der Bombe - und setzt so einen beschleunigten Countdown in Gang. Sayid erklärt Jack blitzschnell, wo er Desmond finden kann (im Brunnen auf der Insel), greift sich die Bombe und rennt damit in einen anderen Raum im U-Boot. Die Explosion reißt ein Loch in die Bordwand, die Kabine läuft voll. Hurley und Kate, Jack und Sawyer können sich mit Hilfe kleiner Sauerstoffflaschen an den Strand retten. Sun wird eingeklemmt und kann nicht befreit werden. Jin bleibt bei ihr. Die beiden, die gerade erst wieder vereint worden sind, sterben gemeinsam, Hand in Hand.

Am Strand beweinen Jack, Hurley, Kate und Sawyer ihre ertrunkenen Freunde. "Locke" spürt offenbar, dass das U-Boot gesunken ist - aber auch, dass einige der Passagiere überlebt haben. Als er sich seinen Rucksack und ein Gewehr greift und losmarschiert fragt ihn die verängstigte Claire, was er vorhabe. Die Antwort: "Beenden, was ich angefangen habe."

Wurde ein Rätsel gelöst? Ein kleines: Kurz vor seinem Märtyrertod verrät Sayid, dass er Desmond nicht umgebracht hat, dass der weiterhin im Brunnen sitzt und dass Jack ihn wohl brauchen wird, um seine Mission zu beenden - wie auch immer die im einzelnen aussehen wird.

Kamen neue Rätsel hinzu? Woher hat Charles Widmore eine Liste mit den Namen der Kandidaten? Warum wurde Kates Name an der Höhlenwand durchgestrichen, warum ist Widmores Liste so präzise, dass sie sogar diese Information enthält? Warum vererbt der verstorbene Christian Shephard seiner Tochter Claire in der Flash-Sideways-Welt ein Holzkistchen mit eingebauter Spieluhr?

Irgendjemand gestorben? Oh ja. Die letzte Ernte hat begonnen, wie es scheint - ob wohl am Ende der Staffel nur noch eine(r) übrigbleibt auf der Insel? Sayid, Sun und Jin - so viele Hauptfiguren auf einmal wurden noch in keiner "Lost"-Folge umgebracht. Ob es noch ein weiteres Opfer gab, ist unklar: Frank Lapidus war beim Kapitän, als das U-Boot sank - was ist mit den beiden geschehen? Außerdem kommen um: Eine ganze Reihe von Widmores Leuten, getötet von "Locke"/dem schwarzen Rauch.

Bester Moment: Die Bomben-Szene im U-Boot hat alles, was ein richtig guter, böser "Lost"-Moment braucht: Zeitdruck, Entscheidungen auf Leben und Tod, heroische Taten, große Gefühle, geheimnisvolle Ankündigungen.

Bestes Zitat: "Because it's going to be you, Jack" - Sayid, der sich blitzschnell vom Anhänger der dunklen Seite zum Märtyrer wandelt, bekräftigt einen langgehegten Verdacht: Er spricht Jack eine Art messianische Berufung zu. Um sich gleich darauf für die Gruppe zu opfern.

Gute Folge? Gut, aber traurig. Dass es ausgerechnet die beiden Liebenden als erstes erwischt, die viele Folgen lang auf der Suche nach einander waren, ist womöglich eine brutale Ankündigung dessen, was noch an Grausamkeiten auf uns zukommen könnte. Sayids Märtyrertod dagegen, seine Rückkehr von der dunklen Seite (von Hurley in der vorherigen Folge schon als Möglichkeit angedeutet!) ist für den zerquälten Folterknecht und Profikiller fast eine Art Happy End.


Die nächste Folge hat den Titel "Across the Sea" und wird am 11.5. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Stafel 6, Folge 13, "The Last Recruit"

Von Hannah Pilarczyk

Was ist passiert? Ah, "guy talk" - Männergespräche! Wie Kollege Lischka vergangene Woche schon bemerkte: Für eine Serie, in der Wasserstoff-Bomben explodieren und Zeitreisen möglich sind, ist es doch erstaunlich, dass die spannendsten Szenen meist nur aus reinen Dialogen bestehen. Davon gab es in dieser Woche reichlich: Hurley und Locke müssen reden, Sawyer und Locke auch, erst recht aber Locke und Jack. Außerdem hat Sayid ein ernstes Gespräch mit Desmond, welches zu einem weiteren ernsten Gespräch zwischen Sayid und Locke führt - und richtig dramatisch wird es, als Jack und Sawyer mit einander reden. Aber der Reihe nach.

In der Flash-Sideways-Ebene wird die angeschossene Sun in das Krankenhaus eingeliefert, in dem Jack arbeitet - gleichzeitig mit Locke, der von Desmond angefahren wurde. Als ihre Bahren eingefahren werden, sieht Sun Locke und erkennt ihn wieder. "Das ist er, das ist er!", sagt sie aufgeregt zu Jin. Als Locke bei Jack auf dem OP-Tisch landet, erkennt auch er ihn wieder: als den Rollstuhlfahrer aus dem Flugzeut, dem er noch seine ärztliche Beratung angeboten hatte.

Weiterer Sammelpunkt der Kandidaten in dieser Zeitebene ist eine Anwaltskanzlei: Ilana arbeitet dort als Anwältin, ist aber gleichzeitig eine Vertraute von Desmond, der Claire zu ihr schleust. Genau diese hat Ilana auch gesucht - denn bei der Eröffnung des Testaments von Jacks Vater hat sich herausgestellt, dass Claire und Jack Geschwister sind. Die drei Verbrecher mit goldenem Herzen - Kate, Sawyer und Sayid - treffen 2004 ebenfalls aufeinander: Sawyer verhört Kate, muss aber abbrechen, um Sayid zu verhaften.

Auf der Insel macht sich die Truppe um Locke auf den Weg, um die Insel mit dem Flugzeug zu verlassen. Sayid soll vorher noch Desmond umbringen, doch der verwickelt ihn in ein Gespräch darüber, was sich Sayid von dem Mord verspricht - es ist tatsächlich die Wiederauferstehung von Nadia. Geschickt weckt Desmond Zweifel in Sayid, ob Nadia einen Mord in ihrem Namen gut heißen könnte. Ob dieser Mord auch passiert - wird offen gelassen.

Währenddessen folgen alle Kandidaten Locke auf seinem Marsch zum Flugzeug, doch Sawyer hat arrangiert, dass sie sich alle mit einem Boot von Widmore absetzen können. Claire folgt der Gruppe heimlich bei ihrer Fahnenflucht und darf schließlich auch mit aufs Boot. Dort kommt es zum verbalen Showdown zwischen Jack und Sawyer: Jack zweifelt an, ob ihre Flucht von der Insel nicht genau das ist, was auch der Man in Black will. Jack entschließt sich zum Alleingang und springt vom Boot. Zurück am Strand stößt er auf Locke - der ihn nun als einen von ihnen betrachtet.

Sawyer hingegen bringt die anderen zu Charles Widmores Truppe. Dort treffen Jin und Sun nach drei Jahren Trennung endlich wieder aufeinander - doch das Glück währt nur kurz: Widmore bricht den Pakt mit Sawyer und lässt die Gewehre auf die Neuankömmlinge ansetzen.

Wurde ein Rätsel gelöst? Nö. (Anmerkung, weil es so viele Lesermails gab: Den Umstand, dass der Man in Black Leichen als Avatare benutzt, haben wir in der Redaktion als schon aufgedeckt bewertet. Schließlich hat sich der falsche Locke so bereits selbst erklärt.)

Kamen neue Rätsel hinzu? Keine großen, aber: Warum erkennt Sun den angefahrenen Locke auch in der Flash-Sideways-Zeitebene wieder? Zudem ist Desmonds Mission weiter unklar. Und die Motive von Widmore sind es jetzt auch wieder. Überhaupt: Wie können Widmores Raketen den Man in Black so genau orten?

Irgendjemand gestorben? Vielleicht Desmond. Aber das ist eher unwahrscheinlich, denn er scheint ja das Scharnier zwischen den Zeitebenen zu sein.

Bester Moment: Jacks Sprung vom Boot! Eine klare Reminiszenz an Sawyers Sprung aus dem Helikopter am Ende von Staffel 4, um die anderen zu retten - und natürlich auch sein eigenes Seelenwohl. Die Zeit des zweifelnden Jacks ist vorbei: Der selbsternannte Erlöser ist zurück.

Bestes Zitat: "You can always bring back people from the dark side", sagt Hurley zu Sawyer ("Du kannst immer Leute von der dunklen Seite zurück holen"). Eine Anspielung auf "Star Wars" (was ist eigentlich aus Hurleys Neufassung von "The Empire Strikes Back" geworden, die er in seiner Zeit in der Dharma Initiative schreiben wollte?) - aber natürlich auch eine fixe Idee, die hiermit etabliert wird. Was ist, wenn die zur dunklen Seite Bekehrten, also vor allem Sayid und Claire, vielleicht doch nicht verloren sind?

Gute Folge? Ja, die Staffel hat endlich ihre Flughöhe gefunden. Keine mühsam aufgeblähten Geschichten in der Flash-Sideways-Ebene mehr, keine überflüssigen Schlenker auf der Insel: "Lost" marschiert zielstrebig dem Ende entgegen. Schluck.


Die nächste Folge hat den Titel "The Candidate" und wird am 4.5. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 12, "Everybody Loves Hugo"

Von Konrad Lischka

Was ist passiert? Wie Desmond und Locke findet Hurley in der Parallelwelt ohne Flugzeugabsturz das, was er auf der Insel am stärksten herbeisehnt: seine Liebe. Libby ist auf der Insel von Michael getötet worden, man sieht Hurley an ihrem Grab in den Dünen trauern. In der Parallelwelt ist Hugo ein einsamer Fast-Food-Magnat. Er spendet an Museen, Kinderheime und Universitäten, aber zu den Galas reist er mit seiner Mutter, die ihn daran erinnert: "Jeder mag dich, aber keine Frau". Aber Mama Reyes hat Hurley schon ein Blind Date organisiert.

Die als Blind Date angekündigte Rosalita taucht nicht auf, Hurley mampft traurig Tortillas und plötzlich steht da Libby, ruft Hugos Namen, setzt sich zu ihm. In wenigen Minuten macht sie ihm klar, dass sie nicht Rosalita ist, dass sie ihn irgendwoher kennt, dass sie eine Seelenverwandtschaft fühlt. Hugo ist etwas verwirrt, als ein Arzt Libby herauskomplimentiert und sie in einen Bus des Santa Rosa Mental Health Institutes steigen. Aber er will sie wiedersehen.

Zwischen Libby und Hugo entspinnt sich eine ganz ähnliche Liebesgeschichte wie zwischen Desmond und Penny in der Folge zuvor: Das Gefühl, sich schon sehr gut zu kennen, bringt sie zusammen. Beim ersten Kuss erinnert Hurley sich plötzlich an die Insel und an jene Libby aus der Parallelwelt, in der das Flugzeug abgestürzt ist.

In der Insel-Welt nehmen Erzähldichte und -geschwindigkeit erheblich zu: Die Gruppe von Hurley und Richard Alpert treibt die Frage an, wie sie das Flugzeug zerstören und den Mann in Schwarz am Verlassen der Insel hindern kann. Der wiederum ist mit Desmond beschäftigt.

Hurley erfährt auf der Insel eine erstaunliche Entwicklung: Plötzlich ist er der Anführer, er bestimmt, dass sie das Flugzeug nicht sprengen, sondern mit dem Mann in Schwarz sprechen werden. Richard Alpert trennt sich mit Miles und einigen anderen von Hurleys Gruppe, aber Jack, Sun, Frank folgen ihm. Was Hurley antreibt, was ihm die Entschiedenheit, Autorität und Chuzpe gibt? Der tote Michael erscheint ihm und sagt, wo es lang geht, aber eine hinreichende Erklärung ist das nicht.

Desmond verhält sich ähnlich: Er lässt sich völlig unerschrocken von Sayid zum Mann in Schwarz führen und in einen Brunnen stürzen. Auch in der Parallelwelt handelt Desmond nach einem Plan, von dem der Zuschauer nichts weiß: Er bringt Hurley und Libby zusammen, er überfahrt John Locke - immer lächelnd, immer verbindlich, seiner Sache immer absolut sicher.

Wurde ein Rätsel gelöst? Michael (bei der Explosion des Frachters gestorben) erscheint Hurley und bestätigt ihm seine Theorie über das Flüstern im Dschungel: Das sind Tote, die wegen der "Dinge, die sie getan haben" (Michael erschoss Ana Lucia and Libby), auf der Insel gefangen sind. Hurley und Michael unterhalten sich ein wenig über das Flüstern auf der Insel; ohne dass das Wort fällt, klingt ihre Beschreibung sehr nach Fegefeuer.

Kamen neue Rätsel hinzu? Einige sind ganz neu: Warum wirft der Mann in Schwarz Desmond in den Brunnenschacht auf der Insel? Was ist das für ein Brunnenschacht - es ist auf jeden Fall ein anderer als der, den Locke benutzte. Warum überfährt Desmond Locke in der Parallelwelt? Einige längst vergessene Rätsel tauchen wieder auf: Der Junge mit den blutigen Händen, der dem Mann in Schwarz zuvor schon im Dschungel erschienen ist, ist wieder da: Desmond und Locke sehen ihn, er ist älter geworden, sagt nichts, lächelt nur. Der Mann in Schwarz ist beunruhigt. Warum? Und: Was gibt Hurley und Desmond ihren Glauben?

Irgendjemand gestorben? Ilana, die Dynamit aus der Black Rock geholt hat, um das Flugzeug zu sprengen, und es zu unsanft auf dem Boden ablegt. Boom. John Locke könnte in der Parallelwelt sterben, Desmond auf der Insel.

Bester Moment: Der Dialog von Desmond und dem Mann in Schwarz an dem alten Brunnenschacht ist sehr bedrohlich: Man spürt, dass etwas passieren wird, sieht den Brunnenschacht und hört den Smalltalk der beiden dahinplätschern. Ohne Effekthascherei, ohne Musik, ohne Schnittgewitter baut die Szene große Spannung auf.

Bestes Zitat: Endlich hört man wieder Sawyers lakonischen Ein-Zeilen-Humor. Der Mann in Schwarz schnitzt etwas (einen Speer?), James fragt, was das sei. Antwort: "Ich weiß es nicht, wenn die Zeit kommt, wird es mir das mitteilen." Sawyer: "Jetzt sprichst du schon mit Holz.'' (Klingt im englischen Original erheblich besser).

Gute Folge? Ja, eine richtig gute, die alle Tonlagen trifft: Es gibt sehr düstere, sehr bedrohliche, aber völlig actionfreie Momente, zärtliche Augenblicke zwischen Hurley und Libby und Plot-Wendungen, die völlig überraschend kommen, aber dann doch stimmig wirken (Desmonds Mission zum Beispiel). Die Liebe als verbindendes Element der beiden Parallelwelten ist ein etwas zuckriges Motiv, aber bislang haben die Macher es noch in keiner Folge damit übertrieben.


Die nächste Folge trägt den Titel "The Last Recruit" und wird am 20.4. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 11, "Happily Ever After"

Von Konrad Lischka

Was ist passiert? Charles Widmore hat Desmond Hume auf die Insel geschafft, um die Welt zu retten. Denn Desmond - Widmores verhasster Schwiegersohn in dieser Realität - hat eine einzigartige Fähigkeit: Mit einem elektromagnetischen Puls getriggert, reist sein Bewusstsein in die Parallelwelt, von der die gesamte sechste Lost-Staffel erzählt. Widmore schickt den sich heftig wehrenden Desmond auf diesen Trip.

In der Nicht-Absturz-Welt landet Desmond (schicker Anzug, Sonnenbrille, eigener Chauffeur) in Los Angeles und hat das, was er in der Parallelwelt wohl am sehnlichsten herbeiwünscht: den Respekt Widmores. Er ist Charles rechte Hand und erledigt, was zu erledigen ist. Dafür schenkt ihm Widmore als Dankeschön und Willkommen ein Glas des 60 Jahre alten MacCutcheon Whiskeys ein, den er dem unwürdigen Desmond in der Absturz-Welt verweigert hat. Desmonds Auftrag in Los Angeles: Er soll den heroinabhängigen Musiker Charlie zur Garten-Party von Widmores Frau schaffen, weil dort sein großartiger Auftritt angekündigt war.

Desmond holt Charlie bei der Polizei ab, im Wagen entspinnt sich zwischen beiden ein Dialog über das wichtigste Thema dieser Folge: Sie spüren, dass mit ihrer Realität etwas nicht stimmt. Charlie ist sich sicher, dass er eine Frau, die er im Flugzeug gesehen hat (Claire) immer schon geliebt hat. Desmond geht es ähnlich, als er Pennys Namen hört. Und Daniel Farraday - in der Nicht-Absturzwelt lebt er bei seinem Vater Charles Widmore - spürt dasselbe bei einer rothaarigen Frau, die er im Museum sah (Charlotte).

Nachdem Charlie ihn auf diese Spur gebracht hat, erlebt Desmond ausgeprägter als alle anderen Charaktere zuvor (Locke hörte zum Beispiel Inselgeräusche) Erinnerungsschübe aus der Wirklichkeit der Absturz-Welt. Desmond trifft gegen Ende der Folge Penny, schüttelt ihre Hand, wird ohnmächtig.

Zurück in der Absturzwelt erinnert sich Desmond an alles, was in der Parallelwelt passiert ist. Er will Widmore helfen bei was auch immer dieser plant, um den Mann in Schwarz aufzuhalten. Desmond läuft mit einem Team Widmores durch den Dschungel, als Sayid die Bewacher überwältigt und Desmond auffordert, mit ihm vor diesen "extrem gefährlichen Menschen" zu fliehen.

Noch ein Weltwechsel: Desmond wacht wieder in der Nicht-Absturz-Welt auf, verabredet sich mit Penny und scheint sich ziemlich sicher, was er zu tun hat: Er braucht die Passagierliste seines Flugs aus Australien, um den anderen "etwas zu zeigen".

Wurde ein Rätsel gelöst? Gelöst nicht, es ist aber nun etwas klarer, wie diese Parallelwelt entstanden sein könnte, in der es keinen Flugzeugabsturz gab. Daniel Farraday erklärt es Desmond: Es hat eine Explosion gegeben, die diesen parallelen Zeitstrahl geschaffen hat. Das wird wohl die Bombe sein, die Juliet am Ende der fünften Staffel gezündet hat.

Kamen neue Rätsel hinzu? Ganz neu sind sie nicht, aber sie waren lange vergessen: Wer ist eigentlich Eloise, warum ist sie sich aller Zeitstränge und Parallelwelten bewusst, was ist ihr Ziel und warum spricht sie manchmal mit so einer merkwürdigen Stimme? In der Nicht-Absturzwelt ist sie noch mit Charles Widmore verheiratet, deutet Desmond aber an, dass sie genau weiß, dass es eine andere Wirklichkeit gibt, will ihn aber davon abhalten, zwischen beiden zu wechseln.

Irgendjemand gestorben? Simmons, einer von Widmores Mitarbeitern, stirbt bei einem Unfall mit der Maschine, die Desmonds Bewusstsein in die Parallelwelt schickt. Vielleicht bringt Sayid Desmonds Begleiter um.

Bester Moment: Lost ist selten lustig, in dieser Folge aber einmal so richtig: Im Krankenhaus, in das Charlie und sein Aufpasser Desmond nach einem Autounfall eingeliefert werden, sucht Desmond verzweifelt den Musiker, den er zu Widmores Garten-Party schaffen muss. Er erklärt Jack, der im Krankenhaus als Arzt arbeitet, dass sie sich aus dem Flugzeug kennen, dass der Musiker auch an Bord war. Jack ungläubig: "Er war in unserem Flugzeug und jetzt ist er in diesem Krankenhaus?" In dem Moment sieht man im Hintergrund Charlie mit einem komischen Gesichtsausdruck im Patientenkittel im Flur auf die beiden zu rennen.

Bestes Zitat: Widmore erklärt Desmond die Entführung so: "Die Insel ist mit dir noch nicht fertig." Er ist also auch einer der Gläubigen, spricht von Opfern, die Desmond bringen müsse, um alle zu retten und ist beseelt von seiner Mission.

Gute Folge? Ja. Es wird klarer, wie das Endspiel aufgebaut sein könnte - in zwei Parallelwelten muss etwas passieren, was das Gleichgewicht wiederherstellt. Man hat wieder das Gefühl, dass die Folgen auf etwas hinerzählt sind. Allerdings sieht es immer weniger danach aus, dass alle offenen Erzählstränge zusammengeführt werden (Libby?).


Die nächste Folge trägt den Titel "Everybody Loves Hugo" und wird am 13.4. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 10, "The Package"

Von Hannah Pilarczyk

Was ist passiert? Auf der Insel werden die Menschen immer mehr wie Schachfiguren angeordnet: auf der einen Seite Team Jacob (=weiß, =gut), auf der anderen Seite Team Man in Black (=schwarz, =böse). Als König und Königin, um die heiß gekämpft wird, dienen in dieser Folge Jin und Sun. Ihr Familienname Kwon steht auf der Liste der Kandidaten. Da sie ihn beide tragen, war zunächst nicht klar, wer von ihnen tatsächlich in der engeren Auswahl für Jacobs Nachfolge ist. Der Episodentitel und der Verlauf der Geschichte legen aber nahe: Die Kwons gibt es nur als package, also im Doppelpack.

Wie sehr die beiden zusammengehören, wird in der Flash-Sideways-Zeitebene noch einmal ausführlich erzählt: Jin begleitet Sun auf einem Shoppingtrip nach L.A. Offiziell ist er nur ihr Bodyguard, inoffiziell schon längst ihr Liebhaber, mit dem sie sogar durchbrennen will. Dem kommt aber Martin Keamy, der rabiate Söldner vom Frachter, den einst Charles Widmore zur Insel schickte, zuvor. Keamy ist jetzt im Dienst von Suns Vater und soll alles tun, um sie unter Kontrolle zu behalten. Keamy entführt deshalb Jin und bereitet alles für dessen Folter vor. Bevor es dazu kommt, spielt sich aber eine Szene ab, die wir bereits aus der Folge "Sundown" kennen: Sayid stürmt herein, knallt die Gangster ab und hilft Jin, sich zu befreien. Der angeschossene Mikhail rafft sich noch einmal zum Showdown mit Jin auf, der tötet ihn aber in einer wilden Schießerei - bei der aber auch Sun getroffen wird. Schwer verletzt gesteht sie Jin, dass sie ein Kind von ihm erwartet.

Auf der Insel macht Sun hingegen etwas, das alle Überlebenden schon längst hätten machen sollen: Als der falsche Locke sich ihr nähert, rennt sie einfach weg. Dabei stößt sie sich den Kopf und verliert die Fähigkeit, Englisch zu sprechen. So kann sie den anderen nicht mitteilen, dass sie nicht daran interessiert ist, das schwarze Team am Verlassen der Insel zu hindern. Das käme zwar augenscheinlich dem Weltuntergang gleich, aber für Sun zählt nur, Jin wiederzufinden.

Am anderen Ende der Insel wird die Truppe um Sawyer von Widmores Leuten überfallen und betäubt. Wieder wird Jin entführt und scheint zunächst in Gefahr zu schweben: Widmores Assistentin Zoe, die aussieht wie Tina Fey  nach einem Schlammbad, legt ihn mit einem Taser lahm. Als Jin Widmore vorgeführt wird, erfahren wir aber, dass Widmore einer der Guten ist: Auch er will verhindern, dass das schwarze Team entkommt. Jin soll für ihn die elektromagnetischen Felder der Insel lokalisieren - ob das etwas mit dem Kampf gegen den Man in Black zu tun hat, ist unklar.

In der letzten Szene sehen wir, wie mit Widmores U-Boot jemand neues auf die Insel gebracht wird.

Wurde ein Rätsel gelöst? Nicht wirklich. Aber immerhin wissen wir jetzt, auf wessen Seite Charles Widmore steht.

Kamen neue Rätsel hinzu? Auch nicht wirklich. Aber es häufen sich die Anzeichen, dass die zwei Zeitebenen auf irgendeine Weise miteinander verbunden sind. In der Flash-Sideways-Ebene scheint sich Sun über die Beule, die sie sich auf der Insel zugezogen hat, zu wundern. Außerdem ist sie auch in dieser Zeit von Jin schwanger. Das Alter ihrer Tochter würde somit mit dem in der Insel-Zeit übereinstimmen. Neben Keamy tritt zudem Mikhail, der einäugige Wächter aus Staffel 3, auf. Wie auf der Insel verliert er auch hier sein rechtes Auge.

Irgendjemand gestorben? Zumindest niemand neues: Keamy und seine Leute sind ja eigentlich schon in Folge 6 ums Leben gekommen.

Bester Moment: Für einen nicht unerheblichen Teil der weiblichen "Lost"-Fans (Hallo Caro!) dürfte dies sein: Desmond ist zurück! Ansonsten eher Fehlanzeige.

Bestes Zitat: "A wise man once said that war is to come to the island. I think it just got here." (Ein weiser Mann hat einst gesagt, dass Krieg die Insel erreichen werde. Ich glaube, er ist gerade angekommen.) Locke zu Widmores Leuten.

Gute Folge? Eher solide, aber nach dem Paukenschlag der letzten Woche geht das völlig in Ordnung.


Die nächste Folge hat den Titel "Happily Ever After" und wird am 6.4. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 9, "Ab Aeterno"

Von Andreas Borcholte

Was ist passiert? Endlich wird die Hintergrund-Geschichte von Jacobs rätselhaftem Handlanger Richard Alpert erzählt. Sichtlich schockiert von Jacobs Tod und dem Massaker im Tempel erzählt er Jack, Hurley und den anderen Mitgliedern von Ilanas Gruppe am Strand ein Geheimnis, das ihn schon lange begleite: "Wir sind alle tot. Wir sind nicht auf einer Insel, das waren wir nie. Wir sind in der Hölle!". Vielleicht sei es an der Zeit, so Richard, jemanden anderem als Jacob zuzuhören.

In einem langen Flashback ist dann zu sehen, wie Richard, oder Ricardo, wie Ilana ihn richtigerweise nennt, im Jahre 1867 auf der Kanareninsel Teneriffa um das Leben seiner schwerkranken Frau kämpft, dabei unabsichtlich den Arzt seines Dorfes tötet - und schließlich dem Tod durch den Strang nur deshalb entkommt, weil ihn vorher ein amerikanischer Sklavenhändler kauft - und auf die "Black Rock" verschifft. Ein Priester sagt zu Richard, dass es keine Absolution für Mord gebe: "Ich fürchte, auf dich wartet der Teufel in der Hölle."

Im Sturm zerschellt der Segler an der Statue auf der "Lost"-Insel, aber Richard überlebt, angekettet im Rumpf des Schiffs. Die restlichen Überlebenden, Sklaven wie Sklavenhändler, werden vom Schwarzen Rauch hingerichtet. Seine bereits auf Teneriffa verstorbene Frau erscheint, die sagt, sie wolle Richard vor dem Teufel retten, dann aber ebenfalls dem Rauch-Ding zum Opfer fällt. Schließlich taucht der "Mann in Schwarz" in seiner wahren Gestalt auf, die bereits in Staffel 5 einmal zu sehen war, und befreit ihn von den Ketten. "Bin ich in der Hölle", fragt Richard, "ja, ich fürchte, das bist du", sagt der Man in Black. Und: "It's good to see you out of these chains". Das sagte der falsche Locke schon einmal zu Richard.

Um mit dem MiB von der Insel zu entkommen, soll Richard Jacob umbringen. Doch Jacob überwältigt den Attentäter am Strand bei der Statue und überzeugt ihn davon, dass er weder tot, noch in der Hölle sei. Dann erklärt er ihm anhand einer Weinflasche, was die Funktion der Insel ist: Wie der Korken in der Flasche soll sie das Schlechte in der Welt in Schach halten. Er, Jacob, bringe immer wieder Leute auf die Insel, um den Teufel davon zu überzeugen, dass es das Gute im Menschen gäbe. Aber sie müssten es eben selbst zeigen, er könne sich dabei nicht einmischen. Schließlich fragt er Richard, ob er nicht statt seiner die Rolle des Eingreifers übernehmen wolle. Zurück beim Wrack der "Black Rock" erkennt der Mann in Schwarz seine Niederlage - und bietet Richard an, ihn jederzeit rufen zu können, falls er seine Meinung ändert. Richard überreicht ihm einen weißen Stein von Jacob.

In der Realität tut Richard genau das: Verzweifelt über Jacobs Tod kehrt er zum Wrack zurück und ruft den Man in Black. Stattdessen erscheint Hurley, der in Kontakt mit dem Geist von Richards Frau getreten ist. Sie überbringt Richard eine dringende Nachricht: Er müsse den Mann in Schwarz bei seinem Plan, die Insel zu verlassen, stoppen, "sonst fahren wir alle zur Hölle".

Wurde ein Rätsel gelöst? Oh ja! Wir wissen jetzt, wie Richard Alpert auf die Insel kam, wie die Statue am Strand zerstört wurde (durch den Aufprall der "Black Rock") und haben von Jacob erfahren, was die Funktion der Insel ist. Es scheint also tatsächlich auf ein finales Duell zwischen Gut und Böse, Gott und Teufel hinauszulaufen. "Ab Aeterno", der Titel der Episode, heißt so viel wie "seit ewigen Zeiten". Es kommt auch in der römisch-katholischen Vulgata-Bibelübersetzung vor, ein direkter Hinweis auf Gott.

Kamen neue Rätsel dazu? Nein, ausnahmsweise wurde hauptsächlich erklärt und aufgelöst.

Irgendjemand gestorben? Ja, Richards Frau, der Arzt, Dutzende Sklaven und die komplette Besatzung der "Black Rock".

Bester Moment: Mehrere: Als Jacob Richard am Strand davon überzeugt, dass er lebt, taucht er ihn mehrfach ins Wasser - wie bei einer Taufe. Später äußert Richard drei Wünsche: "Ich will meine Frau zurück". Jacob: "Das kann ich nicht machen". Richard: "Dann will ich Vergebung für meine Sünden". Jacob: "Das kann ich Dir auch nicht geben". Richard: "Dann will ich für immer leben". Jacob: "Also DAS kann ich Dir geben" - und berührt ihn.

Bestes Zitat: Der Mann in Schwarz, ganz am Schluss, hasserfüllt: "Just let me leave, Jacob!"

Gute Folge? Definitiv. Viel Hintergrund zum Hauptthema der Serie wurde geklärt. Und es gab viele dramatische Szenen mit Jacob, seinem teuflischen Antagonisten und dem armen Ricardo. Nur am Ende, beim Zusammentreffen von Richard mit dem Geist seiner toten Frau, wurde es ein bisschen zu kitschig.


Die nächste Folge hat den Titel "The Package" und wird am 30.3. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 8, "Recon"

Von Christian Stöcker

Was ist passiert? Sawyer, Sayid, Kate, Claire und Jin treffen zusammen und machen sich gemeinsam mit den Tempel-Flüchtlingen unter der Führung des falschen Locke auf den Weg, der sie von der Insel herunterführen soll. Jemand fragt, was mit den Menschen, die beim Tempel geblieben sind, geschehen ist. Der falsche Locke alias The Man in Black antwortet, "der schwarze Rauch" habe sie alle getötet - ohne zu erwähnen, dass es sich dabei um ihn selbst handelt. Claire attackiert Kate, weil die sich ihres Sohnes Aaron angenommen hat und wird vom falschen Locke wie ein ungezogenes Kind zurechtgewiesen. Später entschuldigt sie sich tränenreich bei einer äußerst irritierten Kate.

Der falsche Locke nimmt Sawyer beiseite und eröffnet ihm, er sei "the smoke thing" und habe die Menschen beim Tempel getötet, weil sie ihm nicht folgen wollten. Alles, was er wolle, sei jedoch, die Insel zu verlassen. Er schickt Sawyer (oder, wie er wirklich heißt, James) auf eine Erkundungsmission auf die kleinere der beiden Inseln (Hydra Island). Dort erlebt er nostalgische Momente, als er an den Käfigen vorbeikommt, in denen Kate und er einst eingesperrt waren.

Am Wrack des notgelandeten Ajira-Flugzeuges findet Sawyer einen kleinen Berg Leichen, die jemand offenbar von der Maschine weggeschleift hat. Dann begegnet er einer Frau mit Brille, die berichtet, sie sei die einzige überlebende des Absturzes und habe die Toten in den Schatten geschleppt - dabei aber wenig glaubwürdig wirkt. Sawyer begleitet sie zum Strand, wird aber zunehmend misstrauisch. Er richtet schließlich seine Pistole auf sie und fragt, wer sie wirklich sei - in diesem Moment tauchen aus dem Unterholz bewaffnete Männer von Charles Widmores U-Boot auf und nehmen Sawyer gefangen. Der bietet Widmore an, ihm "the smoke thing", also den falschen Locke, auf dem Silbertablett zu servieren, "damit Sie ihn töten können". Zurück auf der Hauptinsel berichtet Sawyer dem falschen Locke detailliert über dieses Gespräch, betätigt sich also gewissermaßen als Doppelagent. Kate gegenüber formuliert er schließlich den Plan, man könne ja mit dem U-Boot entkommen, während sich Widmore und der falsche Locke bekriegen. Er stehe auf niemandes Seite.

In der Nicht-Absturz-Welt ist Sawyer Polizist, der nun seinerseits "Con Artists", Trickbetrüger, hochnimmt. Der Geisterseher Miles ist sein Partner. Er erlebt einen One-Night-Stand mit der Archäologin Charlotte (eigentlich verstorben durch die Zeitsprünge in der 5. Staffel), der abrupt endet, als sie seine Akte über den eigentlichen "Sawyer" findet: jenen Betrüger, den James für den Tod seiner Eltern verantwortlich macht. Charlies Bruder Liam hat einen Kurzauftritt, und auch Kate taucht auf, als Flüchtige, die der Polizist Sawyer stellt und verhaftet. Schließlich vertraut James sich Miles an, gesteht, dass er noch immer auf der Jagd nach dem Mörder seiner Eltern ist: Er wolle ihn töten.

Wurde ein Rätsel gelöst? Nein.

Kamen neue Rätsel dazu? Ist der falsche Locke/Man in Black/schwarze Rauch ein Mensch - oder war zumindest früher mal einer? In einer therapeutischen Konversation mit der verzweifelten Kate berichtet er, er habe selbst eine "verrückte Mutter" gehabt und darunter sehr gelitten - und auch Aaron habe (mit Claire) nun eine verrückte Mutter.

Irgendjemand gestorben? Offenbar eine Menge Ajira-Passagiere, aber keine der Hauptfiguren.

Bester Moment: Nicht-Absturz-Sawyer taucht reuig vor der Tür von Charlotte auf, nachdem er sie wütend aus seiner Wohnung verjagt hat, in der Hand eine Sonnenblume und ein Sixpack Bier. Die schickt ihn jedoch eiskalt wieder weg: "Mich schmeißt Du nicht um drei Uhr morgens raus und kommst dann am nächsten Tag vorbei mit deinem Welpenblick und einer traurigen Sonnenblume."

Bestes Zitat: "No, because you're the best liar I ever met" - der falsche Locke zu Sawyer, als der ihn fragt, ob er sich keine Sorgen mache, dass er auf der Insel Hydra auf feindselige Menschen treffen könnte.

Gute Folge? So lala, ganz erfrischend, den guten Sawyer in der Parallelwelt mal ein einem etwas anderen Licht zu sehen, während er sich auf der Insel auf seine traditionellen Stärken besinnt: Intrigieren, taktieren und dabei unschuldig gucken.


Die nächste Folge trägt den Titel "Ab Aeterno" und wird am 23.3. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 7, "Dr. Linus"

Von Hannah Pilarczyk

Was ist passiert? Linus, Dr. Linus! ist die Hauptfigur der Folge - und wie alle Figuren wird er in der alternativen Realität von 2004 dem großen Charaktertest unterzogen: Ist er im Innersten gut oder böse?

Wie wir aus der Folge "The Substitute" bereits wissen, ist Ben Lehrer an derselben Schule, an der auch Locke als Aushilfslehrer eingesetzt wird. Dass dort ebenfalls der Flug-815-Überlebende Leslie Arzt arbeitet, hat nichts weiter zu bedeuten, ist aber ein hübscher Verweis auf die Insel-Realität: Dort riskieren Richard und Jack, sich mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Arzt war einst auf der Insel eben durch explodierendes Dynamit gestorben.

Als Lehrer wird Ben erneut vor die Frage gestellt, ob er Alex - auf der Insel seine zwangsadoptierte Tochter - retten möchte. Eigentlich könnte Ben den unfähigen Schulleiter Reynolds durch eine Erpressung dazu bringen, ihm den Posten zu überlassen. Doch Reynolds stellt ihn selbst vor eine harte Entscheidung: Wenn er gehen muss, wird er auch die Zukunft von Bens Lieblingsschülerin Alex ruinieren. Ben entscheidet sich gegen mehr Einfluss und für Alex. Sein monströser Fehler von der Insel, die eigene Tochter zu opfern - er scheint damit kompensiert zu sein.

Auf der Insel muss Ben zunächst um sein eigenes Leben kämpfen: Weil Ilana herausgefunden hat, dass Ben Jacob getötet hat, will sie nun ihm an den Kragen. Jacob sei schließlich eine Art Vater für sie gewesen. Ben kann sie jedoch von ihrem Vorhaben abbringen, weil er ihr klar macht, dass er selbst die längste Zeit ein treuer Diener von Jacob gewesen sei - bis der ihn zutiefst enttäuschte.

Derweil stoßen Jack und Hurley im Dschungel auf Richard. Er führt sie unter einem Vorwand zur "Black Rock", dem geheimnisvollen Schiff aus Staffel 3. Dort fordert Richard, dass ihn Jack mit Hilfe des dort gelagerten Dynamits tötet - er selbst könne dies nicht. Jack ist mittlerweile wieder überzeugt davon, dass er eine wichtige Mission auf der Insel habe und nicht sterben könne, bevor er diese nicht erfüllt hat. Dass Jack eine Stange Dynamit anzündet, diese aber nicht explodiert, scheint dies zu bestätigen.

Am Strand feiern Jack und Hurley schließlich ihr Wiedersehen mit Sun, Miles und Ilana. Nur Richard steht außen vor - und natürlich Ben.

Wurde ein Rätsel gelöst? Ja: Richard kam tatsächlich wie vermutet an Bord der "Black Rock" auf die Insel. Dass er nicht altert, erklärt er selbst als eine Art Geschenk von Jacob: Der habe ihn einst berührt.

Kamen neue Rätsel dazu? Da Jacob alle der Kandidaten in ihrem früheren Leben außerhalb der Insel aufgesucht und berührt hat, stellt sich die Frage, ob sie auch alle unsterblich sind. Jacks Experiment mit dem Dynamit legt dies durchaus nahe. Ilana sagt außerdem, dass Jacob eine Vaterfigur für sie gewesen sei - wann ist sie auf die Insel gekommen? Wann und warum hat sie sie verlassen?

Irgendjemand gestorben? Nein. Nach dem Gemetzel in der letzten Folge war eine Pause aber auch dringend nötig.

Bester Moment: Als ganz am Ende das Periskop von Charles Widmores U-Boot auftaucht - ein klassischer "Lost"-Moment!

Bestes Zitat: Im Lehrerzimmer fragt Ben, als ihm Arzt nahe legt, doch selbst Schulleiter zu werden: "Wer würde schon auf mich hören?" Daraufhin hebt Locke die Hand.

Gute Folge? Eindeutig! Mit Ben als Hauptfigur und ohne das Tempel-Tralala war die Folge aber auch fast ein Selbstläufer: Keiner verkörpert den Kampf zwischen Gut und Böse schließlich besser als der große Verführer und Verführte Ben.


Die nächste Folge hat den Titel "Recon" und wird am 16.3. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 6, "Sundown"

Von Konrad Lischka

Was ist passiert? Zentrale Figur dieser Folge ist Sayid. Er muss in der alternativen Realität von 2004 und in der Gegenwart auf der Insel sehr ähnliche Entscheidungen treffen: Mordet er, um zu beweisen, dass er ein guter Mensch ist?

In der "Nicht-Absturz-Welt" besucht Sayid in Los Angeles seinen Bruder Omer, der - Überraschung - mit Sayids großer Liebe Nadia verheiratet ist. Die beiden haben zwei Kinder. Sayid arbeitet als Übersetzer für Öl-Firmen, sein Bruder betreibt zwei Wäschereien. Nach ein paar Minuten liegen die Konflikte in dieser Beziehung offen: Sayid liebt Nadia, glaubt aber, sie wegen seiner Vergangenheit als Folterknecht der Armee nicht zu verdienen. Omer sieht das, artikuliert aber seine Eifersucht nicht offen.

Warum, wird schnell klar: Omer hat Ärger mit einem zwielichtigen Geldverleiher, der seine Expansion finanziert hat. Er bittet Sayid um Hilfe, wobei die Bitte im Grunde genommen eine Erpressung ist: Sayid sorge sich doch um Nadia, um die Kinder - dann solle er auch etwas tun. Omer erpresst seinen Bruder mit dem Risiko, dem er seine Familie ausgesetzt hat. Dann beleidigt er seinen Bruder: Er wisse, was Sayid "für ein Mann sei".

In der Gegenwart auf der Insel stellt Dogen Sayid vor folgende Wahl: Er erklärt ihm in einem erschreckend flachen Dialog, die "Waage" haben ermittelt, dass bei Sayid das Gleichgewicht von Gut und Böse nicht mehr gegeben sei und er der falschen Seite zuneige. Aber Dogen hat eine einfache Lösung: Sayid soll beweisen, dass er ein guter Mann ist, indem er dem Mann in Schwarz ein Schwert in die Brust rammt.

Sayid versucht das, scheitert und lässt sich vom Mann in Schwarz beschwatzen: Dogen habe gewusst, dass dieser Angriff aussichtslos sei, er habe Sayid in den sicheren Tod geschickt. Und nun erhält Sayid ein Gegenangebot: Er soll den Anhängern von Jacob im Tempel eine Botschaft überbringen. Als Gegenleistung, deutet der Mann in Schwarz an, würde Sayid seine tote Liebe (es wird nicht klar, ob Nadia oder Shannon gemeint ist) wiedersehen.

Nun passiert recht viel, am Ende läuft es darauf hinaus: Sayid entscheidet sich in beiden Welten fürs Töten. In der "Nicht-Absturz-Welt" erschießt er den Geldverleiher Keamy (bekannt als Söldner auf dem Widmore-Frachter Kahana), um seinen Bruder und Nadia zu schützen. Auf der Insel mordet er aus egoistischen Erwägungen: Er teilt Jacobs Anhängern im Tempel das Ultimatum des Man in Black mit: Wer bis Sonnenuntergang den Tempel nicht verlässt, wird sterben. Und dann ertränkt Sayid Dogen im Pool des Tempels, so wie der er es in der ersten Folge der Staffel mit ihm selbst getan hat. Der Mann in Schwarz tötet als Rauchmonster die verbliebenen Tempelbewohner und zieht mit Sayid, Claire, Kate und einem Treck von Jacob-Anhängern in den Dschungel.

Wurde ein Rätsel gelöst? Kaum. Ziemlich klar sagt Dogen, dass der Mann in Schwarz das "leibhaftige Böse" ist, aber das ist weder erhellend noch besonders überzeugend. Kurz vor seinem Tod erhält die Figur Dogens noch einen Hintergrund, der leider zu spät und zu lieblos abgehandelt wird: Er fährt betrunken Auto, verursacht einen Unfall. Dogen überlebt, doch sein Sohn stirbt - und dann kommt Jacob und machte ihm ein Angebot: Der Sohn darf weiterleben, aber Dogen würde ihn nie wiedersehen und müsse auf der Insel für Jacob arbeiten. Interessante Parallele, dass der Mann in Schwarz und Jacob mit denselben Methoden arbeiten, obwohl sie doch so vermeintlich große Antagonisten sind.

Kamen neue Rätsel dazu? Eher offene Fragen, aber davon eine Menge: Warum bekommen die Menschen in der Nicht-Absturz-Welt, was ihnen der Mann in Schwarz in der Gegenwart auf der Insel verspricht (Nadia lebt, Claire hat Aaron)? Warum konnte der Mann in Schwarz erst nach Dogens Tod den Tempel betreten? Hintergeht Jacob seine Anhänger? Warum warnt er sie nicht? Warum hält der Geldverleiher Keamy in der Nicht-Absturz-Welt Jin gefangen? Wo ist Richard Alpert?

Irgendjemand gestorben? Ja - Dogen, Lennon, Martin Keamy, viele Anhänger Jacobs.

Bester Moment: Benjamin Linus betritt den Raum, in dem Sayid die Leichen von Dogen und Lennon betrachtet. Erst ruft Ben Sayid in aller Hektik zu, es sei noch Zeit zu entkommen, dann sieht man seinem Gesichtsausdruck an, wie er begreift, was passiert ist, wie aus Unverständnis Entsetzen wird. Ben weicht langsam zurück. Eine der ruhigsten und stärksten Szenen in dieser Folge: Keine Zeitlupenaufnahmen, keine überbordende Musik, keine Action, nur ein Gesichtsausdruck.

Bestes Zitat: Im turbulenten zweiten Drittel der Folge (Sayid verlässt den Tempel, wird zurückgerufen, geht wieder los, Claire kommt an) kommentiert Miles: "Willkommen zurück im Zirkus." Das fasst die Dramaturgie dieser Folge leider ganz gut zusammen.

Gute Folge? Mittelmäßig. Viel Action, viel Handlung, viel zu viel Hektik und sinnlose Reizüberflutung. Als am Ende der Folge die überlebenden Jacob-Anhänger den Tempel verlassen, angeführt vom Mann in Schwarz, empfindet man trotz Zeitlupe und getragener Musik (oder gerade deswegen) nichts. Man hat diese Figuren ja nie kennengelernt - die in wenigen Augeblicken runtergeratterte Geschichte Dogens ist da beispielhaft. Ein Haken schlagender Plot gibt Figuren keine Tiefe.


Die nächste Folge trägt den Titel "Dr. Linus" und wird am 9.3. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 5, "Lighthouse"

Von Andreas Borcholte

Was ist passiert? "Lighthouse" spielt zu gleichen Teilen in der alternativen Realität von 2004 und in der Gegenwart auf der Insel. In der "Nicht-Absturz-Welt" erfahren wir, dass Jack Shepard einen Sohn im Teenager-Alter hat. David ist ein verschlossener Junge, das Verhältnis zwischen ihm und seinem Vater scheint gestört zu sein. Jack lässt David in seiner Wohnung zurück, um gemeinsam mit seiner Mutter im Haus seiner Eltern nach dem Testament seines Vaters zu suchen. Jacks Mutter findet das Dokument - und fragt Jack, ob sein Vater jemals etwas von einer Claire Littleton erwähnt habe.

Als Jack in sein Apartment zurückkehrt, ist David verschwunden. Panisch fährt Jack zum Haus seiner Ex-Frau, um ihn dort zu suchen. Er findet heraus, dass David ein Klavier-Vorspielen in einem Konservatorium hat und fährt zur Musikschule. Dort hört er seinem Sohn gerührt beim Spielen zu. Nach dem Vorspiel sagt David, er habe seiner Mutter verboten, Jack etwas von dem Vorspielen erzählt, weil Jack früher "wie besessen" von Davids Klavierspiel gewesen sei. Er habe nicht gewollt, dass sein Vater sein mögliches Scheitern mitansieht. Jack ist bestürzt und erzählt David, dass sein Vater einst auch nicht zusehen wollte, wie sein Sohn scheitert und stets behauptet habe, Jack "bringe es nicht". Er habe diesen Satz sein Leben lang mit sich herumgetragen und wolle nicht, dass David sich so fühle wie er.

Erinnerungen an die erste Staffel

Auf der Insel hat Hurley eine Begegnung mit dem Geist von Jacob. Er brauche Hurley Hilfe, um einer Person den Weg zur Insel zu zeigen. Außerdem soll Hurley Jack davon überzeugen, mit ihm zu kommen. Das gelingt ihm nur, als er ihm im Auftrag Jacobs sagt, Jack würde "es bringen". Zusammen verlassen die beiden daraufhin durch einen Geheimgang den Tempel. Auf dem Weg durch den Dschungel fragt Hurley Jack, warum er zur Insel zurückgekehrt sei. Jack sagt, er sei zurückgekommen, "weil ich am Ende war. Und blöd genug, zu glauben, dieser Ort könnte mir helfen".

An einer hochgelegenen Klippe erreichen sie einen sehr alten Leuchtturm. Die Leuchtanlage besteht aus einer großen runden Steinscheibe mit einer Feuerstelle in der Mitte. An den Rand der drehbaren Scheibe stehen viele durchgestrichene und einige nicht durchgestrichene Namen. Darüber ist eine Vorrichtung aus mehreren Spiegeln montiert. Jacob habe ihm gesagt, er müsse die Scheibe auf 108 Grad drehen, doch Jack entdeckt seinen eigenen Namen und stellt 23 Grad ein. In den Spiegeln sieht er daraufhin erst sein eigenes Bild und dann das Haus, in dem er aufgewachsen ist. Er wird wütend und will von Hurley wissen, wo Jacob ist: "Ich will wissen, warum er uns die ganze Zeit beobachtet hat". In seiner Rage zerstört Jack die Spiegel. Hurley ist verzweifelt, weil er glaubt, Jacobs Auftrag nicht erfüllt zu haben. Doch später, als die beiden auf der Klippe neben dem Turm sitzen, erscheint Jacob und sagt ihm, dass er Jack in den Spiegel sehen lassen wollte. "Nur so konnte er begreifen, wie wichtig er ist". Jack sei auf der Insel, weil er etwas tun muss. Was, könne Jacob ihm nicht sagen: "Er muss es selbst erkennen". Jacob sagt Hurley außerdem, dass er die beiden um jeden Preis vom Tempel weglotsen wollte, weil "jemand Böses" dorthin komme.

Der verletzte Jin wird inzwischen von Claire in ihr Lager gebracht. Jin erfährt, dass Claire seit drei Jahren im Dschungel lebt. Sie glaubt, dass die Tempel-Leute ihr Baby entführt haben und nimmt einen von Jins überwältigten Bewachern gefangen, um zu erfahren, wo Aaron ist. Als sie kurz alleine sind, warnt der Gefangene Jin: Claire sei verrückt und würde sie beide umbringen. Tatsächlich geht Claire mit einer Axt auf den Gefangenen los. Jin greift ein, indem er ihr erzählt, dass sich Kate die ganze Zeit um Aaron gekümmert habe. Doch Claire erschlägt den Gefangenen trotzdem. Ein "Freund" habe ihr versichert, dass die Tempel-Leute ihr Baby haben. Jin erkennt, dass Claire nicht ganz bei Trost ist und sagt, er habe die Geschichte mit Kate und Aaron erfunden, um den Gefangenen zu retten. Claire sagt, dass sie darüber froh sei, denn sonst würde sie Kate umbringen. Dann taucht plötzlich John Locke alias Der Namenlose im Lager auf. Jin ist überrascht, doch Claire sagt: "Das ist nicht John. Das ist mein 'Freund'."

Wurde ein Rätsel gelöst? Eher nicht. Allerdings wissen wir jetzt, wie Jacob seine "Kandidaten" per Leuchtturm auserwählt und beobachtet hat. Wenn die nun zerstörte Spiegelanlage auf einen potentiellen Kandidaten ausgerichtet wird, ist es diesem offenbar möglich, die Insel zu finden. Einige Dinge werden nach und nach klarer: Ebenso wie der falsche Locke rekrutiert nun auch Jacob seine Truppen für das vermeintlich finale Gefecht Gut gegen Böse. Jack scheint dabei eine Schlüsselrolle zuzukommen.

Kamen neue Rätsel dazu: Seit wann hat Jack eigentlich einen Sohn? Und von wem? Und warum kann sich Jack nicht an seine Blinddarm-Operation erinnern, die er offenbar als Kind hatte? Wir wissen doch: Auf der Insel bekam er eine Blinddarm-Operation von Juliet. Viel wichtiger aber: Neben der Nummer 108 auf der Scheibe im Leuchtturm steht der Name "Wallace" - wer das wohl ist?

Irgendjemand gestorben? Lediglich das von Claire gefangen genommene Mitglied der Tempel-Gruppe.

Bester Moment: Auf der Suche nach dem geheimen Fluchtweg aus dem Tempel, wird Hurley von Dogen ertappt. Jacob erscheint, unsichtbar für den Japaner, und lässt Hurley sagen: "Ich bin ein Kandidat und kann machen, was ich will". Dogen sagt etwas ganz offensichtlich Gehässiges auf Japanisch, und Hurley fragt Jacob, was der andere gesagt hat. Jacob: "Willst Du nicht wissen".

Bestes Zitat: Hurley zu Jack, als sie sich vom Tempel entfernen: "Ganz wie in alten Zeiten: Du und ich kämpfen uns durch den Dschungel auf der Suche nach etwas, das wir nicht recht begreifen. War eine schöne Zeit."

Gute Folge? Ja! Jacks Rolle und Motivation werden mehr und mehr herausgearbeitet, die Szenen mit ihm und Hugo im Dschungel sind spannend und sehr amüsant in ihren vielen kleinen Referenzen auf den Start der Serie.


Die nächste Folge trägt den Titel "Sundown" und wird am 2.3. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 4, "The Substitute"

Von Konrad Lischka

Was ist passiert? Die erste Folge mit einer starken Geschichte aus der Nicht-Absturz-Welt: John Locke verzweifelt an seinem Leben. Eigentlich ist alles besser: Helen hat ihn nicht verlassen, sie wollen heiraten, er hat Kontakt zu seinem Vater. Doch Locke kann nicht akzeptieren, dass er querschnittsgelähmt ist. Er träumt nur von Dingen, die seine Behinderung sehr schwer machen, er stellt Helens Liebe in Frage und glaubt, sie warte auf den Tag, an dem er wieder gehen könne.

In Lockes Leben ohne Absturz auf der Insel tauchen bekannte Figuren auf: Hurley ist der Chef der Verpackungsfirma, in der Locke arbeitet, und verschafft ihm einen anderen Job. Rose berät ihn bei der Arbeitssuche, in seiner neuen Stelle als Aushilfslehrer trifft er Benjamin Linus, der Europäische Geschichte lehrt und sich darüber ärgert, dass im Lehrerzimmer niemand frischen Kaffee kocht .

Auf der Insel steht der namenlose Mann in Schwarz, der John Lockes Gestalt angenommen hat, im Mittelpunkt der Handlung. Er "rekrutiert", wie es Ilana ausdrückt: Erst versucht der Namenlose es mit Richard Alpert: Warum Locke so nah an Jacob herankam? Er war ein Kandidat! Richard ist verwirrt, der Namenlose ist amüsiert. Er würde seine Jünger nie so unwissend lassen. Er verspricht Richard die Antworten auf alle Fragen, er müsse ihm nur folgen. Richard lehnt ab, dann passiert etwas Merkwürdiges: Der Namenlose sieht im Wald einen blonden Jungen stehen, dessen Unterarme blutbedeckt sind. Der Namenlose ist verwirrt, Richard sieht den Jungen nicht.

Der Namenlose geht und versucht es bei Sawyer, der sich in Dharmaville verbittert vollaufen lässt. Der Namenlose nimmt ein Glas Whiskey an (aber er trinkt nicht!) und hat Sawyer nach einigem Hin-und-Her so weit, dass er ihm an den Ort folgen will, wo es die Antwort auf die "wichtigste" aller Fragen gibt: Warum ist Sawyer auf der Insel?

Auf dem Weg zu diesem Ort taucht der blonde Junge wieder auf. Der Namenlose ist erschüttert, weil Sawyer ihn offenbar auch sehen kann. Der Namenlose rennt dem Jungen hinter, stolpert und muss sich von dem Kind sagen lassen: "Du kennst die Regeln. Du kannst ihn nicht töten." Überraschende John-Locke-Reaktion des Namenlose: Er schreit wütend und verzweifelt: "Sag mir nicht, was ich nicht tun kann."

Der Ort der Antworten, zu dem der Namenlose James führt, ist eine Höhle an der Steilküste der Insel, in deren Wände Jacob viele Namen geritzt hat: 8-REYES (also Hugo/Hurley) zum Beispiel und 15-FORD (also James/Sawyer). Viele Namen sind durchgestrichen, zum Beispiel Lockes. Es sind die Toten. Die Erklärung des Namenlosen: Jacob sucht Kandidaten für seine Nachfolge als Beschützer der Insel. Er manipuliert Menschen in einem entscheidenden Moment ihres Lebens, so dass sie irgendwann auf der Insel landen. Wovor sie die Insel schützen? Der Namenlose sagt: Vor nichts. Er sagt außerdem, dass er die Insel verlassen will und dass er das nur mit James kann. Sollen sie zusammen aufbrechen? James: "Hell yes." Ende.

Wurde ein Rätsel gelöst? Gelöst wäre zu viel gesagt. Etwas klarer ist nun, dass der Namenlose vor langer Zeit einmal ein Mensch war, bevor er irgendwie auf der Insel gefangen blieb. Zum ersten mal stellt der Namenlose auch die Nachfolger-Theorie in den Raum - Jacob suchte angeblich jemanden, der seinen Platz auf der Insel einnimmt.

Kamen neue Rätsel hinzu? Eine Menge: Die Nicht-Absturz-Welt wird in dieser Folge spannender und geheimnisvoller. Viele Klänge erinnern hier an die Insel (Lockes Wecker klingt wie der Alarm in der Swan-Station), Figuren wie Ben tauchen auf, und in dieser alternativen Realität scheint einiges fundamental anders zu sein: Locke zum Beispiel versteht sich offenbar so gut mit seinem Vater, dass Helen ihn zu ihrer Hochzeit einladen will.

Neue Fragen: Wer ist der blonde Junge - eine Wiedergeburt Jacobs, die Insel, ein vollig neuer Mitspieler? Wer war der Namenlose und was hat ihn verändert? Warum suchte Jacob Nachfolger? Warum sehen wir Kates Namen nicht auf in der Höhle? Wie lauten die Regeln, von denen der Junge spricht und wer hat sie aufgestellt?

Irgendjemand gestorben? Nein.

Bester Moment? Als James dem Namenlosen im Dschungel hinterher eilt, spielt der Drehbuchautor mit der Karottentaktik, die so viele "Lost"-Staffeln vorangetrieben hat. Der Namenlose verspricht James "Antworten auf alle Fragen" und sagt, jetzt könne er doch nicht umkehren, wo er "so nah dran" sei. So ähnlich geht es den Zuschauern schon fünf Staffeln lang - und in dieser doppelbödigen Szene natürlich auch.

Bestes Zitat? Benjamin Linus spricht auf der Beerdigung des wahren John Locke ein paar Worte: "Er war ein besserer Mensch als ich es je sein werde." Und murmelt: "Es tut mir leid, dass ich ihn ermordet habe."

Gute Folge? Ja. Der Plot in der Parallelwelt ohne Absturz interessiert den Zuschauer zum ersten Mal. Nicht nur, weil ein paar Geheimnisse auftauchen, sondern auch, weil Lockes Geschichte anrührt. Der Insel-Plot funktioniert zudem ohne allzu viele Kaninchen-aus-dem-Hut-Tricks.


Die nächste Folge trägt den Titel "Lighthouse" und wird am 23.2. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 3, "What Kate Does"

Von Christian Stöcker

Was ist passiert? In der Nicht-Absturz-Welt: Kate entkommt mit dem geklauten Taxi, Claire wird am Straßenrand ausgesetzt, später aber doch wieder eingesammelt. Gemeinsam fahren sie zu den potentiellen Adoptiveltern - doch die verlassene Frau im großen Haus will das Kind nun nicht mehr. Wehen setzen ein, Kate und Claire rasen ins Krankenhaus, wo seltsamerweise "Hostiles"-Schläger Ethan als Arzt arbeitet. Claire nennt ihr ungeborenes Kind überraschend und spontan "Aaron". Als die Polizei vorbeikommt, deckt Claire Kate, die sich verabschiedet mit den Worten: "Ich finde, Du solltest ihn behalten".

Auf der Insel wird der zum Leben erwachte Sayid von Japaner Dogen und seinem "Übersetzer" in einem seltsamen Ritual gefoltert. Anschließend wird ihm eröffnet, er habe einen "Test bestanden", was aber offenbar eine Lüge ist. Jack soll Sayid eine Kapsel verabreichen, weigert sich aber und schluckt sie schließlich beinahe selbst. Er wird von Dogen mit Gewalt zum Ausspucken gezwungen. Erst dann wird ihm eröffnet, die Kapsel enthalte "Gift". Dogen erklärt Jack, er sei der Meinung, Sayid sei von "einer Dunkelheit" befallen, die früher oder später sein Herz erreichen werde. Jacks "Schwester" sei das gleiche passiert - gemeint ist Claire.

Sawyer setzt sich aus dem Tempel ab, Kate und Jin überreden die bewaffneten Hostiles, sie Sawyers Spur aufnehmen zu lassen. Kate überlistet ihre Bewacher und setzt sich ihrerseits ab. Jin entscheidet, lieber zum Tempel zurückzugehen.

Im Dharma-Camp findet Kate Sawyer, der unter Bodendielen einen Karton hervorholt. In einer tränenreichen Szene erklärt Sawyer Kate, er habe Juliet heiraten wollen und halte sich für schuld an ihrem Tod, weil er sie überredet habe, auf der Insel zu bleiben. Kate bricht in Tränen aus.

Auf dem Rückweg zum Tempel trifft Jin auf seine ausgetricksten Bewacher. Jin versucht zu fliehen und tappt in eine Bärenfalle. Einer der beiden will ihn töten, doch bevor er abdrücken kann, werden beide Hostiles niedergeschossen - von Claire, die mit wirrem Haar und verschmiertem Gesicht aus dem Dschungel auftaucht.

Wurde ein Rätsel gelöst? Ja, das Verbleiben von Claire: Sie lebt offenbar auf der Insel, ist aber Dogen zufolge von einer dunklen Macht befallen.

Kamen neue Rätsel hinzu? Was ist die "Infektion" von der Dogen spricht, die Claire und angeblich Sayid befallen haben soll? Kann der "Man in Black" Menschen zu Marionetten machen? Und warum tauchen in der Nicht-Absturz-Geschichte immer wieder Menschen von der Insel auf - Desmond, Ethan?

Irgendjemand gestorben? Einer, vermutlich zwei Hostiles namens Aldo und Justin, niedergeschossen von Claire.

Bester Moment? Der Folter-Experte Sayid wird auf einen Tisch geschnallt und geschäftsmäßig und wortlos gequält.

Bestes Zitat? "Private talks kinda freak me out 'cause they usually lead to me having to do something I don't quite understand." (Privatgespräche machen mich nervös, weil sie in der Regel dazu führen, dass ich irgendwas machen muss, das ich nicht ganz verstehe) - Hurley zu Jack, als der ihn wegschickt, um mit Sayid allein über die Kapsel zu sprechen, die er ihm verabreichen soll.

Gute Folge? So lala: Die Geschichte von Kate und Claire in der Absturz-losen Welt könnte etwas schwungvoller sein, auch die Geschichte mit Sayid und der Pille zieht sich etwas.


Die nächste Folge trägt den Titel "The Substitute" und wird am 16.2. auf dem US-Kanal ABC ausgestrahlt.

Staffel 6, Folge 2, "L.A. X -Part 2"

Von Hannah Pilarczyk

Was ist passiert? Die Flashsideways gehen weiter: Auf dem Flug 815 kommt es zu weiteren bedeutungsschweren Begegnungen der zunächst Überlebenden: Jack rettet Charlie gegen dessen Willen das Leben, Sawyer verhilft Kate zur Flucht vor dem FBI.

Auf der Insel erhält Hurley von Jacob die Anweisung, den tödlich verletzten Sayid zum Tempel zu bringen. Nur dort könnte ihm das Leben gerettet werden. Im Tempel entdecken die Überlebenden, dass er von einer bisher unbekannten Gruppe beherrscht wird, unter ihnen ein japanischer Priester namens Dogen und die Oceanic-Stewardess Cindy. Die Gruppe gehorcht Jacob, dessen Tod sie in helle Aufregung versetzt. Mit Jacobs Ableben scheinen auch die Heilkräfte des Tempelwassers versiegt zu sein.

Wurde ein Rätsel gelöst? Ja: Juliet sagte zu Sawyer, dass "es" funktioniert habe - womit sie wohl die Detonation der Wasserstoffbombe meinte und die Entstehung einer Parallelwelt. Der schwarze Rauch kann Menschengestalt - genauer gesagt: die von John Locke - annehmen und ist gleichzeitig selbst eine Reinkarnation von Jacobs Widersacher, dem Mann in Schwarz vom Strand, der in Folge 16 von Staffel 5 erstmalig auftaucht.

Kamen neue Rätsel hinzu? Wann und wieso lag Richard jemals in Ketten? War er einer der Sklaven an Bord der "Black Rock", die Jacob einst zu sich rief? Und der fortan zum treuen Diener von Jacob wurde? Woher kommt Dogen, der selbsternannte Priester aus dem Tempel? Was stand wirklich auf dem Zettel aus dem ägyptischen Lebenszeichen?

Irgendjemand gestorben? Zunächst Sayid - aber dann doch wieder nicht. Miles, der in den Gedanken von Toten lesen kann, konnte jedenfalls keinerlei Signale von Sayids Körper empfangen. Ist Sayid zum Avatar von Jacob geworden, der ihn nach seinem eigenen Tod - wie schon sein Widersacher mit Locke - als Wirtskörper nutzt?

Bester Moment? Als Kate zu Claire ins Taxi steigt - großartiger Auftritt für eine Figur, die über eine komplette Staffel verschwunden war.

Bestes Zitat? "Nothing is irreversible" (Nichts ist unwiederbringlich) - Jack zu Locke auf dem Flughafen von L.A.

Gute Folge? Durchaus: Aus dem Nichts auftauchende, rätselhafte Charaktere, die besondere Fähigkeiten und Kenntnisse haben - absolut klassischer "Lost"-Stoff!

Staffel 6, Folge 1, "L.A. X - Part 1"

Von Hannah Pilarczyk

Was ist passiert? Zwei! Es gibt zwei Welten! Eine, in der die Insel untergegangen ist, Oceanic Flug 815 nicht abstürzt und sich die Helden an Bord nie wirklich treffen. Und eine, in der es wieder 2007 ist: Die Luke ist explodiert; Jack, Sawyer, Jack, Kate, Hurley, Sayid und Jin sowie die Gruppe um Ben, Richard und Ilana sind endlich wieder in einer Zeit vereint. Erzählt werden diese zwei Geschichten jetzt - nach Flashbacks und Flashforwards - in Flashsideways, also Seitenblenden.

Die Wasserstoffbombe ist demnach tatsächlich explodiert - doch kurz davor scheint die Gruppe an der Bohrstelle durch einen Zeitsprung wieder ins Jahr 2007 transportiert worden zu sein.

Irgendjemand gestorben? Juliet. Doch sie scheint schon geahnt zu haben, dass es zwei Parallelwelten gibt und damit eine Zeit, in der sie mit Sawyer einfach einen Kaffee trinken kann.

Wurde ein Rätsel gelöst? Über den schwarzen Rauch weiß man jetzt, dass gegen ihn ein Kreis aus Asche hilft. Die Gruppe um Ilana gehört zu Jacob und ist auf sein Geheiß hin samt Lockes Leiche auf die Insel gekommen.

Kamen neue Rätsel hinzu? Ja: Was wollte Juliet Sawyer sagen, bevor sie starb? Und weiß der Jack, der sich an Bord von Flug 815 befindet, wirklich nichts von seinen Mitreisenden? Oder hat er eine vage Erinnerung an die Ereignisse auf der Insel?

Bester Moment? Als Kate mit tauben Ohren aufwacht - und in einer meterhohen Baumkrone hängt.

Bestes Zitat? "I died an hour ago" (Ich bin vor einer Stunde gestorben) - Jacob zu Hurley.

Gute Folge? Naja, von allen Staffelauftakten wahrscheinlich einer der schwächeren. Aber Schockeffekte wie zu Beginn von Staffeln 2 und 3 waren auch kaum mehr möglich. Schön sentimental dagegen der Ausblick, was aus den Helden geworden wäre ohne ihre Zeit auf der Insel: Hurley ein Glückspilz, Kate eine verhaftete Mörderin, Jin und Sun ein unglückliches Ehepaar, das sich nie wirklich kennenlernen wird, Locke ein gebrochener Mann im Rollstuhl und Jack ein Retter, der nie alles, was er will, retten kann.