Maischberger-Talk über Prostitutionsverbot - DER SPIEGEL
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Maischberger-Talk über Prostitutionsverbot Alice Schwarzers Kampf mit dem Pascha

Vier Frauen, zwei Männer, Schreie und wildes Gerangel: Im Studio von Sandra Maischberger stritten ein Bordellbesitzer, eine Prostituierte und eine gewohnt agile Alice Schwarzer über käuflichen Sex. Die Feministin konnte dem Treiben des Luden nichts abgewinnen. "Sie sind ein White-Collar-Zuhälter!"
Frauenrechtlerin Alice Schwarzer: "Reden Sie doch nicht so einen Quatsch!"
Frauenrechtlerin Alice Schwarzer: "Reden Sie doch nicht so einen Quatsch!"

Frauenrechtlerin Alice Schwarzer: "Reden Sie doch nicht so einen Quatsch!"

Foto: Wolfgang Kumm / dpa
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Tja, so kann es enden, wenn man sich als Geschäftsführer des "größten Laufhauses Europas", dem Pascha in Köln, in eine Talkshow mit der Aktivistin und Publizistin Alice Schwarzer begibt. Armin Lobscheid weiß das spätestens seit seinem Auftritt in "Menschen bei Maischberger" gestern Abend. Ein "White-Collar-Zuhälter", ein Lude mit weißem Kragen sei er, dieser "ehrenwerte Bürger", da er sich selbst die Hände nicht schmutzig mache, aber dennoch vom Verkauf von Frauen profitiere, schimpfte Schwarzer.

Möglich macht den unlauteren Profit ein Gesetz aus dem Jahr 2002, das die damalige rot-grüne Bundesregierung verabschiedet hatte. Seither gilt Prostitution als legale Dienstleistung. Im Pascha kommen laut Angaben des Geschäftsführers 60 bis 70 Prozent der beschäftigten Frauen aus Osteuropa. Und sie prostituieren sich freiwillig, wie Lobscheid betont. In einer Sexfabrik, zu Kampfpreisen und unter hohem Konkurrenzdruck, wie es Schwarzers Magazin "Emma" anprangert.

Seit gut einem Monat macht Schwarzer daher gegen das Gesetz mobil. Mit einer Kampagne, die 90 Prominente wie Schauspielerin Maria Furtwängler oder CDU-Aktivist Heiner Geißler unterstützen. Und mit einem neuen Buch, das unter dem Titel "Prostitution - ein deutscher Skandal" fragt, wie es so weit kommen konnte, dass "wir zum Paradies der Frauenhändler" wurden. Ziel ist eine Gesetzesänderung - was nicht ganz unwahrscheinlich ist, CDU und SPD haben sich auf eine Überarbeitung geeinigt.

Eine Welt ohne Prostitution?

Sandra Maischberger nutzte die letzte Gelegenheit vor Abschluss der Koalitionsverhandlungen und ließ das bereits viel diskutierte Vorhaben sowie die Kritik daran noch einmal - nun ja - diskutieren. "Schluss mit käuflichem Sex: Kann man Prostitution verbieten?", lautete die Frage der Sendung gestern Abend. Beantwortet war sie schnell: Selbstverständlich nicht. Aber träumen dürfe man ja wohl noch, merkte Schwarzer an. Von einer Welt, in der Frauen und Männer auf Augenhöhe interagierten, ob nun im Bett oder an anderen Schauplätzen des Lebens. Genauso wie man schließlich von einer Welt ohne Hunger träume. Oder ohne Krieg.

Davon träumte mit zunehmender Dauer der Sendung wahrscheinlich auch die Moderatorin, die fast noch seltener zu Wort kam als Sabine Christiansen zu ihren besten Zeiten. Die Fronten waren schnell klar und noch schneller verhärtet: An Schwarzers Seite kämpften die ehemalige Zwangsprostituierte Jana Koch-Krawczak und der Kriminalhauptkommissar Helmut Sporer für eine Welt ohne Prostitution. Pascha-Mann Lobscheid - ganz bodenständiger Unternehmer im Trachten-Janker - blieb mehr oder weniger auf sich gestellt.

"Schwarzer diskriminiert uns!"

Für das Gesetz und dessen Erfolge, unter anderem die Stärkung der Rechte der Frauen sowie ihre gesellschaftliche Anerkennung, gingen die Domina Amber Laine (Schwerpunkt kreativ-bizarre Erotik mit Kostümen) und die Vorsitzende von Terre des Femmes,Irmingard Schewe-Gerigk ins Feld.

Beide machten ihren Namen alle Ehre. Null Toleranz für die "liebe Alice" gab es von Schewe-Gerigk, die für das Gesetz mitverantwortlich ist. Was unter anderem daran lag, dass Schwarzer bereits ihren ersten Redebeitrag unterbrochen hatte: "Reden Sie doch nicht so einen Quatsch!" Schewe-Gerigk ließ sich dennoch nicht beirren und empörte sich über Maischbergers Feststellung, dass Amber Laine so "gar nicht zerstört aussehe": "Wie kann man bloß so etwas sagen?"

Tatsächlich hatte es die Domina und Betreiberin einer "erotischen Raumvermietung" selbst eher auf Zerstörung angelegt. Sie ging so lange auf Schwarzer los, bis sie sie beinahe mit deren eigenen Waffen geschlagen hätte: Unterbrechen, Worte verdrehen, vorführen ("Ach, ist das jetzt der Werbeblock für Ihr neues Buch?") Aber Maischberger ging dazwischen: "Warum sind Sie eigentlich so sauer auf Alice Schwarzer?" Die Antwort: "Sie diskriminiert uns!" Sie mache alle Prostituierte zu Opfern, aber das seien sie nicht.

Alice Schwarzers Fernsehauftritte sind nicht ohne Grund legendär. Sie weiß, wie man sich und seine Anliegen ordentlich verkauft. Mittlerweile reicht schon ihre bloße Anwesenheit, um die anderen Gäste aus der Fassung zu bringen. Dabei hätten einige der Fragen, die Maischberger immerhin zu stellen schaffte, durchaus eine Antwort verdient.

Hat das Gesetz die Situation der Frauen verbessert oder die der Betreiber von Bordellen? Wie viele Frauen prostituieren sich wirklich freiwillig? Verlässliche Zahlen dazu gibt es leider nicht. Zumindest das war Konsens der Sendung. Hauptkommissar Sporer sprach von 90 Prozent unfreiwilligen Prostituieren. Amber Laine warf ihm daraufhin Weltfremdheit vor. Menschenhandel und Prostitution dürfe man nicht gleichsetzen.

Da man bei den Frauen nicht weiterkam, konzentrierte man sich schließlich auf die Männer und die damit einhergehenden moralischen Fragen: Sollen die Freier bestraft werden? Oder müssen sie, mindestens, geächtet werden? Es war dann doch Alice Schwarzer, die am Ende Güte in die Runde brachte: Sie suche das Gespräch mit Männern. "Es gibt natürlich welche, die wollen die Macht, die sollen aussterben, die wollen sich von mir nicht bekehren lassen." Aber all die anderen, die nur mal Stress mit der Freundin hätten und daraufhin ins Bordell gingen, "einmal ins Gesicht spritzen kostet 50 Euro mehr" - da habe sie noch Hoffnung.