Netflix, Amazon Prime, Apple TV: Neue Serien und Filme im Oktober 2026 – was sich jetzt lohnt - DER SPIEGEL
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Streamingfahrplan Welche Serien und Filme im Oktober starten – und was sich jetzt schon lohnt

Was ist gruseliger: Vampire, ein Blick in die CDU oder blutrünstige Gartenzwerge? – Was im Oktober anläuft und welche Klassiker einen zweiten Blick verdient haben.
Von Veronika Silberg •

Kinoerfolge, die endlich im Netz zu sehen sind, TV-Klassiker, die eine neue Staffel bekommen: Jeden Monat fassen wir zusammen, welche Serien und Filme neu bei Netflix und Co. sowie in den Mediatheken zu sehen sind. Der Streamingfahrplan.


Worauf wir uns im Oktober freuen

»East of Eden« auf Netflix

Florence Pugh als Cathy Ames in »East of Eden«

Florence Pugh als Cathy Ames in »East of Eden«

Foto: Netflix

In seiner Great American Novel widmete sich John Steinbeck nichts Geringerem als dem Kampf um Gut und Böse im Menschen. Das zugrunde liegende Motiv ist die biblische Geschichte von Kain und Abel, die Prämisse: Der Mensch hat am Ende die Wahl, gut oder böse zu sein. Wie wird er sich entscheiden? Steinbeck erzählt diese Urgeschichte der Menschheit als Familiensaga im Amerika des 19. Jahrhunderts. Zwei Brüder, eine Femme fatale und zwei Zwillingssöhne der nächsten Generation, die auch wieder um die Gunst ihres Vaters ringen.

Der Stoff machte seinerzeit James Dean zum Filmstar, als er in Elia Kazans Hollywoodverfilmung den rebellischen Bruder Caleb mimte. Nun hat ausgerechnet Elia Kazans Enkelin Zoe Kazan das Drehbuch einer neuen Serienadaption geschrieben. Es bleibt also eine Familienangelegenheit in jeder Hinsicht. Zoe Kazan widmet sich in sieben Episoden vor allem der zentralen Frauenfigur, Cathy Ames, diesmal gespielt von Florence Pugh. Sie betrügt ihren Mann, versucht ihn zu erschießen und lässt ihn mit ihren Zwillingen zurück. Im Kampf um Freiheit und Emanzipation entscheidet sie sich für die Bösartigkeit. Das ist eigentlich hervorragender Serienstoff. Nur etwas mehr Mut und etwas weniger Kitsch hätten es sein dürfen. Eine brave Nachstellung ohne gedankliche Tiefe, urteilt SPIEGEL-Redakteur Oliver Kaever.  Seit 1. Oktober ist »Jenseits von Eden« bei Netflix zu sehen.

Wann kommt die nächste Staffel...?

»WUT«
Staffel 2 ab dem 9.10. bei HBO Max

»Temptation Island VIP«
Staffel 7 ab dem 12.10. bei RTL+

»Love is Blind«
Staffel 11 ab dem 14.10. bei Netflix

»Nobody Wants This«
Staffel 3 ab dem 22.10. bei Netflix

»7 vs. Wild«
Staffel 6 ab dem 22.10. bei Prime Video

»The Diplomat«
Staffel 4 ab dem 15.10. bei Netflix

»Where's Wanda?«
Staffel 2 ab dem 21.10. bei Apple TV

»Lupin«
Staffel 4 ab dem 23.10. bei Netflix

»Crystal Lake«, »Carrie« und »Gnomes«

Linda Cardellini in »Crystal Lake«

Linda Cardellini in »Crystal Lake«

Foto: Peacock / HBO Max

Alles Horror! Denn der Herbst ist da und mit ihm nicht nur kürzer werdende Tage und Pumpkin Spiced Latte, sondern eben auch literweise Kunstblut. Und weil ohnehin das Jahr der Horrorfilme ist, spritzt es bei den Streaminganbietern dieses Jahr besonders gewaltig. Gleich mehrere hochkarätig besetzte Serien widmen sich den großen Horrorklassikern Hollywoods. A24 hat sich pünktlich zu Halloween die Vorgeschichte von »Freitag der 13.« vorgenommen. In einem schicken Siebzigerjahre-Setting erzählt »Crystal Lake« die Geschichte der Mutter Pamela Voorhees (Linda Cardellini) vor den Ereignissen des ersten Films. Die Mutter der Mutter der Slasher-Franchises quasi.

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Ebenso blutig dürfte es in »Carrie« werden, einer Serienadaption von Stephen Kings Debütroman. Nein, es ist nicht die erste Carrie, und es wird vermutlich auch nicht die letzte sein. Mike Flanagan (»The Life of Chuck«) hat aber bereits Geschick im Umgang mit King-Vorlagen bewiesen und will hier eine größere Geschichte über Menschlichkeit und Grausamkeit erzählen, angesiedelt in der Neuzeit.

Wem das alles noch zu wenig Kunstblut ist, der kann sich etwas trashiger mit einer ZDF-Serie auf die Spuksaison vorbereiten: In »Gnomes« bekämpft Asa Butterfield (»Sex Education«) als Kleinstadtpolizist blutrünstige Killer-Gartenzwerge. Mehr muss man darüber eigentlich gar nicht erzählen.

»Crystal Lake« läuft ab 15. Oktober bei HBO Max, »Carrie« läuft ab 7. Oktober bei Prime Video, und »Gnomes« ist ab 11. Oktober in der ZDF-Mediathek streambar.

»Was an Empfindsamkeit bleibt« in der ZDF-Mediathek

Szene aus »Was an Empfindsamkeit bleibt«

Szene aus »Was an Empfindsamkeit bleibt«

Foto: Daniela Magnani Hüller / Bildersturm Filmproduktion

Mit realer Grausamkeit setzt sich »Was an Empfindsamkeit bleibt« auseinander. Als 14-Jährige wird die Münchner Filmemacherin Daniela Magnani Hüller beinahe von einem Mitschüler erstochen. Sie überlebt nur knapp. Jahre später rekonstruiert sie die Ereignisse in Gesprächen mit Lehrerin, Schulfreundin, Kriminalbeamtin, Arzt und Staatsanwalt. Die dabei entstandene Dokumentation ist das Gegenteil von klassischem True Crime: In zirkulären Bewegungen und fast poetischen Bildern gelingt es ihr, weder ihre eigene Biografie auszuschlachten noch den Täter in den Fokus zu rücken. Stattdessen geht es um die Strukturen, die eine solche Gewalt ermöglichen, um die Verantwortung jedes Einzelnen, aber auch um das, was bleibt. Eine berührende filmische Selbstermächtigung, die fragt, wie man den Glauben an das Gute im Menschen trotz allem nicht verliert. Ab 3. Oktober in der ZDF-Mediathek.

Frisch aus dem Kino – fünf Tipps

Was im Oktober anläuft – die Übersicht


Was sich aktuell lohnt (und was nicht)

»City of Blood« und »Inside CDU«

Soma Pysall und Lea Drinda in »City of Blood«

Soma Pysall und Lea Drinda in »City of Blood«

Foto: Julie Vrabelova / Disney

»Die Deutschen können einfach keine guten Serien machen« betitelt Oliver Kaever seine SPIEGEL-Rezension zu »City of Blood «. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Rechtsruck und Klimakrise in einer Vampir-Horror-Serie klug erzählen lassen, war allerdings von vornherein gering. Aber: Eine Klimaapokalypse in der Hauptstadt scheint mit jedem Jahr realistischer. Nur scheint die Serie auf dem Weg zur großen Politparabel etwas der Mut verlassen zu haben.

Warum sich also mit der Fantasie begnügen, wenn es auch das reale Gruseln gibt: »Inside CDU« begleitet auch in seiner zweiten Staffel die Volkspartei bei Politik und Wahlkämpfen. Im September sorgte die ZDF-Serie vor allem durch Philipp Amthors Strandkorb für Schlagzeilen. Man machte sich lustig über die peinliche CDU. Aber ist die Partei wirklich so peinlich, fragt Arno Frank in seinem SPIEGEL-Text : Denn neben einem Strandkorb zeigt die Doku auch die Verzweiflung der aktuellen Politik. »Wer sich über das Scheitern dieser Demokraten freut, beömmelt sich über das Scheitern der Demokratie, wie wir sie kennen.« Am Ende bleibt die Frage, ob diesen Job in Zukunft noch jemand machen möchte.

»Widow’s Bay«

Matthew Rhys in »Widow’s Bay«

Matthew Rhys in »Widow’s Bay«

Foto: Apple TV

Zugegeben: Die Horror-Comedy-Serie »Widow’s Bay« ist schon seit ein paar Monaten zu sehen. Im September aber räumte sie in Los Angeles ganze 14 Emmys ab, bei 19 Nominierungen. Woher der große Erfolg kommt? Showrunnerin Katie Dippold (»Parks and Recreation«) balanciert in zehn Folgen geschickt Horror und Humor aus, packt sie voll mit Details, Gags und Andeutungen. Matthew Rhys spielt hervorragend komödiantisch den erschöpften Bürgermeister, der versucht, die namensgebende verfluchte Insel an Touristen zu vermarkten, während in jeder der zehn Folgen etwas Schreckliches passiert: tote Priester, tote Kinder, toter Ehepartner … aber nach 36 Minuten ist dieser Horror eben vorbei. Statt um Traumata geht es um den Aberglauben der Inselbewohner, Geschichte wird zu Gruselfolklore. SPIEGEL-Redakteurin Hannah Pilarczyk schreibt : »So erinnert in ›Widow’s Bay‹ nichts an die Geschichte und nichts an die Gegenwart – und das ist angesichts unserer Geschichte und insbesondere unserer Gegenwart womöglich das Beste, was eine Serie zurzeit bieten kann.«

»Meine traurigen Toten«

Carolina Álvarez in »Meine traurigen Toten«: Auch Emas Nichte Julie tritt mit Geistern in Kontakt

Carolina Álvarez in »Meine traurigen Toten«: Auch Emas Nichte Julie tritt mit Geistern in Kontakt

Foto: Pablo Larraín / Netflix

In gewisser Weise ist »Meine traurigen Toten« auch eine Kombination aus Horror und Humor. Nur erzählt Pablo Larraín hier vom genauen Gegenteil: Denn in Piedrabuena, einem von Beton bestimmten Wohnviertel in Buenos Aires, spuken die Geister der Vergangenheit, die Menschen, die nicht gehört werden. Auch optisch hat die Miniserie etwas Geisterhaftes, hat kaum Kontraste, sieht aus, als hätte sie jemand auf den Bildschirm gehaucht. Ema, eine in Frührente geschickte Ärztin, kann die Geister um sich herum hören, ignoriert sie aber – bis ihre Nichte zu ihr zieht, die Geister nicht nur sehen kann, sondern ihren ganz eigenen »Zugang« zu ihnen hat. Das alles ist makaber und seltsam, zeitweise eklig. Man möchte danach auch nie wieder Wasser aus der Leitung trinken. Eine ungewöhnliche und lohnenswerte Serie ist es trotzdem geworden.


Streamingtipp aus dem Archiv

»Feinfühlige Vampirin sucht lebensmüdes Opfer«

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Und natürlich darf »City of Blood« nicht die einzige Vampirgeschichte dieser illustren Auflistung bleiben. Der französische Film mit dem sperrigen Titel »Feinfühlige Vampirin sucht lebensmüdes Opfer« (2023) erzählt von Sasha, einer jungen Vampirin, die moralische Bedenken und Mitleid mit ihren Opfern hat. Doch die Pubertät kommt, und der Trieb, doch Blut saugen zu wollen, wächst. Als sie auf den Außenseiter Paul trifft, der gerade von einem Gebäude springen will, scheint die Lösung auf der Hand zu liegen. Wären da nicht die Hormone …

Der Indie-Film sieht nicht nur besser aus als »Twilight« oder »City of Blood«, er erzählt auch smart und makaber vom Erwachsenwerden. Eine Tragikomödie ohne Action, aber trotzdem mit Biss.

»Feinfühlige Vampirin sucht lebensmüdes Opfer« ist bei den gängigen Anbietern gegen Gebühr streambar.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir den Film »Der unsichtbare Aufstand« falsch datiert. Wir haben Fehler korrigiert.