Neue RTL-Show: Abwärts geht's immer - DER SPIEGEL
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RTL-Show: 101 Wege aus dem Trash-Dilemma

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Neue RTL-Show Abwärts geht's immer

Abgetakelte Big-Brother-Bewohner, aufgetakelte Busenwunder und Amateur-Pornodarsteller: Gerade wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, zieht RTL eine neue Sendung aus dem Trash-Portfolio. Der Promi-Quatsch "101 Wege aus der härtesten Show der Welt" ist vor allem eines - unfassbar öde.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Damals, als die Moderatoren Vivi Bach und Dietmar Schönherr in der ZDF-Abendshow "Wünsch dir was" fast eine Kandidatin ertränkten, weil die im Schwimmbassin nicht aus dem Auto herauskam - da war was los in der Republik!

Heute schubst man sie einen nach dem anderen rein ins Becken, schiebt sie wie Lemminge von Türmen, von Raketen, wirft sie per Schleudersitz ins Wasser, zieht ihnen das Brett unter den Füßen weg. Und trotzdem will sich einfach keine Regung einstellen.

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Seelenruhig guckt man zu, wie mit "101 Wege aus der härtesten Show der Welt" die nach unten offene White-Trash-Skala in bester Sendertradition um ein paar Eichstriche erweitert. Abgetakelte Big-Brother-Bewohner und aufgetakelte Busenwunder, rührend einfältige Ex-Schlagerstars, Ex-Soapdarsteller, Wahrsagerwichte und Ex-Shoppingchannel-Dampfplauderer - schon die "Zehn Prominenten" lassen einen kalt.

Nein, man seufzt nicht mal mehr über den üblichen schrägen Vogel, der stets aus der Provinz kommt. Dort können Männer mit Lipgloss und Chanel-Haarreifen vielleicht noch ein paar Omis provozieren. Aber den abgeklärten RTL-Zuschauer?

Amateur-Pornodarsteller, Busenwunder und ein schräger Vogel

Die Sendung ist schnell erzählt: Moderator Daniel Hartwich steht mit seinen Kandidaten in einem Studio, das die Produktionsfirma Endemol in Argentinien auf einen 35 Meter hohen Turm gebaut hat. Um ihn herum massig Gestänge, Geschnüre und argentinische Helfer in roten Overalls. Komische Fragen werden gestellt, am Ende fällt immer einer der Kandidaten voll angekleidet ins kalte Wasser. Vorher gibt es Schreien, Bibbern, Nahaufnahmen vom verschmierten Make-up. Hinterher gibt es sekundenlange Sturz-Wiederholungen.

In der letzten Runde stehen noch ein Amateur-Pornodarsteller, ein Busenwunder und der schräge Vogel auf einer Plexiglasplatte über dem Wasser. Die Frage: Welche Stadt gibt es in Deutschland: Gamsbart, Dirndl oder Lederhose?

Erst fällt der Pornomann, boing, dann der Provinzler, kreiiiiisch, dann streicht das Busenwunder die Kohle ein. Mit der Lederhose. 25.000 Euro für Bettie Ballhaus, die nicht mit Michael Ballhaus verwandt ist, sondern eigentlich Bettina Gruderle heißt. Angeblich ist sie die titelgebende Dame in dem Song "Bettina! Pack deine Brüste ein!" von Fettes Brot und nennt sich nur Ballhaus, weil... nun ja, das ist so blöd, das möchte man nicht mal denken.

Vom "lebenden Bremsklotz" zum "Heli-Horror"

Zu diesem Zeitpunkt hat man längst, längst, längst das Interesse verloren, das man sich ohnehin mühsam aus einer angeborenen kleinen Schwäche für Trash klöppeln musste. Diese Show ist tatsächlich noch mehr langweilig als trashig. Und gar nicht so billig wie sie aussieht. Endemol habe "101 Wege aus der härtesten Show der Welt" nicht weiter produziert, weil das ganze Brimborium einfach zu viel kostete, raunt man. Trotz Argentinien.

Hätte es weitere Möglichkeiten gegeben, die Leute scheitern zu lassen? Außer dem "lebenden Bremsklotz", dem "Heli-Horror" und den anderen Stunts? Das werden wir nie erfahren - ist aber auch schnurzpiepe. Denn schon der erste Test, das Bungee-Jumping ins kalte Wasser, hatte Gähnen hervorgerufen. Schreiende Menschen an Seilen sehen irgendwie immer aus wie ein spießiger Postbank-Werbespot.

Wirklich schade ist eigentlich nur, dass Peter Behrens, der traurige, ehemalige Trio-Schlagzeuger, doch nicht wie angekündigt teilgenommen hat. Der wäre der Einzige gewesen, dem man die 25.000 Euro tatsächlich gegönnt hätte.