Neues Model-Casting bei Vox: "Jetzt jubel doch mal!" - DER SPIEGEL
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Model-Casting in Köln: Zwei gegen Klum

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Neues Model-Casting bei Vox "Jetzt jubel doch mal!"

Kamerateams stürzen sich auf weinende Kandidatinnen, Jubel wird einstudiert, Texte werden vorgegeben: So jedenfalls erlebte eine Kandidatin in Köln das Casting zur neuen Vox-Show "Das perfekte Model". Dabei soll sich das Format eigentlich durch Ehrlichkeit und Fairness von der Konkurrenz absetzen.
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Ein langer, hell ausgeleuchteter Laufsteg führt durch eine Halle, am Rand sitzen weiße und schwarze Schaufensterpuppen. Am Ende des Ganges ist eine kleine erhöhte Bühne aufgebaut, auf der in schwarzen Sesseln das tschechische Model Karolina Kurkova und ihre deutsche Kollegin Eva Padberg thronen. Im Minutentakt werden junge Mädchen den Laufsteg hinuntergeschickt, einmal bis zum Ende, drehen, am anderen Ende wieder posen und zurück. Top oder Flop? Darüber entscheiden diese knapp zwei Minuten Walk. Für die hoffnungslosen Fälle hat die Jury nur ein trockenes Kopfschütteln übrig, für den Rest heißt es: Fragen beantworten, Hüftumfang messen lassen und tapfer Kritik einstecken.

Doch auch hinter den Kulissen geht es für die Kandidatinnen von Vox' neuer Mannequinsuche "Das perfekte Model", die ab Frühjahr 2012 ausgestrahlt werden soll, offenbar ans Eingemachte. So schildert es zumindest die Bewerberin Esther Ginolas. Ein Mädchen, das nach seinem Rauswurf den Tränen nah war, sei von einem Schwarm Kameras regelrecht belagert worden, erzählt Esther. "Bist du traurig?" habe die "gierige" Meute immer weiter gebohrt, auch noch, als das Mädchen die Hand schützend vor das Gesicht hielt. Plötzlich sei die Kamera auf Esther geschwenkt, die am Rand der beklemmenden Szenerie saß. "Verstehst du, dass sie so weint?", habe einer der Kameramänner gefragt. "Natürlich, du provozierst sie ja auch", entgegnete die 21-Jährige. "Das schneiden wir raus", habe der Mann daraufhin entschieden - und den Mädchen noch eröffnet, er arbeite beim Fernsehen, da müsse man schließlich fies sein.

"Ich dachte wirklich, die wollen einem helfen"

Esther zumindest ist von dem Casting bitter enttäuscht. "Ich dachte wirklich, die wollen einem helfen", sagte die 21-jährige Kellnerin hinterher fassungslos. Am Samstag war sie extra zum offenen Casting der Show nach Köln-Hürth gefahren. Doch die Ernüchterung kam schnell: Obwohl sie nicht nervös war, sollte sie vor der Kamera ein bisschen zappelig auf- und ablaufen. Na gut, dachte sie noch. Dann bekam sie von der Jury sogar eine Zusage, doch Esther freute sich offenbar nicht genug. "Jetzt jubel doch mal", habe sie ein Mann hinter der Kamera angestachelt. Der Text, den sie danach in die Linse sprechen sollte, sei ihr vorsichtshalber gleich vordiktiert worden, sagt das Gelegenheitsmodel.

"Die Beobachtung der Kandidatin kann von den beteiligten Teammitgliedern der Produktionsfirma nicht geteilt werden", heißt es zu den Vorwürfen in einer knappen Stellungnahme des Senders.

Eigentlich gehört zum Konzept der neuen Show, dass die Kandidaten eben nicht wie bei ProSiebens Erfolgsformat "Germany's Next Topmodel" oder anderen Castingshows vorgeführt werden. Stattdessen sollten die beiden Jurorinnen Kurkova und Padberg als sogenannte Mentorinnen den Nachwuchsmodels mit ihrem Know-how zur Seite stehen und sie unterstützen.

Als Gimmick greifen die Macher der Vox-Adaption zudem auf das mittlerweile aus anderen Shows wie "X-Factor" und "The Voice of Germany" bekannte Völkerball-Prinzip zurück: Die Kandidaten werden einem der Juroren zugeteilt, die "Teams" gehen danach gegeneinander in Stellung. So sollen die Zuschauer gewissermaßen mit dem Catfight am Catwalk bei Laune gehalten werden.

Parodie zu Schulungszwecken

Aber offenbar nicht nur. Denn auch auf dem Laufsteg wird den Mädchen einiges abverlangt, was offensichtlich in erster Linie dem Amusement des Zuschauers dienen soll. So soll ein Mädchen, das als Hobby fatalerweise Kickboxen angegeben hat, auf Highheels und im Minirock mal eben einen "ganz hohen Kick" zeigen. Eine andere Kandidatin lässt beim Walk nur einen Arm lässig mitschwingen, den zweiten hält sie verkrampft neben dem Körper - was Kurkova prompt als Vorlage für eine plumpe Parodie dient. Alles zu Schulungszwecken, versteht sich.

Vorgeführt und bloßgestellt - erst vor wenigen Tagen erregte auch ein Beitrag des NDR-Medienmagazins "Zapp" Aufsehen, in dem eine 27-jährige Kandidatin der Sat.1-Kuppelshow "Schwer verliebt" Vorwürfe gegen die Macher der Sendung erhoben hat. So sei sie etwa gedrängt worden, das Aufblasen einer Luftmatratze von einem Mann, den sie in der Show kennenlernen sollte, mit dem Satz "Du kannst aber gut blasen" zu kommentieren. Dazu wurden Szenen gemischt, in denen sie ihre sexuellen Phantasien mit Barbie-Puppen nachspielt. Gegenüber dem NDR wies Sat.1 die Vorwürfe zurück. Das Format zeige lediglich Menschen in Alltagssituationen. Ein Drehbuch läge bei "Schwer verliebt" nicht vor. Sarah habe zu keiner Zeit Dinge tun müssen, die sie nicht wollte.

Auch bei "Germany's Next Topmodel" gehört der Fremdschämfaktor zum Konzept. So wurde in der vergangenen sechsten Staffel einer Kandidatin mit ungelenken Tanzeinlagen immer wieder der Peinlichkeit ausgesetzt. Anwärter auf den neu ausgerufenen Model-Thron schreckt das aber anscheinend nicht. Schon in den frühen Morgenstunden reihten sich die jungen Mädchen beim offenen Casting zu "Das perfekte Model" bis zum nächsten Häuserblock. Dort zitterten sie in engen Stretchkleidchen oder Röhrenjeans, den Rollkoffer (falls es gleich weitergeht) an der einen und Mama/Papa/Freund an der anderen Hand.

Viele von ihnen hätten sich an den einstudierten Jubelszenen auch gar nicht gestört, sagt Esther. "Die hatten nur den Titel vor Augen." Die 21-Jährige war dem schon nähergerückt, sie war schließlich eine Runde weiter. Trotzdem ist sie nach Hause gefahren, verzichtet lieber auf ihren Auftritt im TV. "Ich möchte nicht in so einer Fake-Show mitmachen, die Scheinwelt ist nichts für mich", sagt die 21-Jährige. Stattdessen will sie es ohne Supermodel-Coaching schaffen - und ohne Souffleure.