Deutscher Fernsehpreis 2012: Sexy, klug und undercover
Deutscher Fernsehpreis 2012 Nominierung für Günter Wallraff
Berlin/Hamburg - Seine RTL-Reportage sorgte für Aufregung in der Paketzustellerbranche, viele Kritiker monierten, dass er sich mal wieder viel zu stark selbst ins Bild setzte. Jetzt könnte Günter Wallraff dafür mit dem deutschen Fernsehpreis belohnt werden. Er ist einer von mehr als 40 Nominierten für die neben dem Grimme-Preis wichtigste deutsche TV-Ehrung, die am Donnerstag in Berlin von der Jury bekanntgegeben wurden.
Gerade in der Kategorie Reportage, in welcher der Undercover-Veteran nominiert ist, zeigt sich, dass die Jury dieses Jahr durchaus zu kontroversen Nominierungen aufgelegt ist: Neben Wallraffs Arbeitsweltbesichtigung sind auch das Unternehmerporträt "Mr. Karstadt" (ZDF) und die Begegnung "Ich, Putin" (ARD) aufgelistet. Letztere wurde heftig kritisiert, da sich Autor Hubert Seipel nach Meinung vieler Journalisten zu nahe an den autoritären Staatsmann begab.
In der Kategorie Fernsehfilm tritt der grandiose Gerichtsthriller "Das Ende einer Nacht" (ZDF) gegen den Krimi "Hannah Mangold & Lucy Palm" (Sat.1) und das bewegende Suiziddrama "Der letzte schöne Tag" (ARD) an. Als beste Mehrteiler sind "Laconia" (ARD), "Der Mann mit dem Fagott" (ARD) und "Verschollen am Kap" am Start.
Der doppelte "Tatortreiniger"
Gleich zweimal nominiert wurde "Der Tatortreiniger", eine Comedy, die aus dem Nachtprogramm des NDR ins Zentrum der Fernsehaufmerksamkeit aufstieg: Die Produktion ist als beste Serie nominiert, Schauspieler Bjarne Mädel als bester Hauptdarsteller. Mädel tritt damit gegen Wotan Wilke Möhring für "Der letzte schöne Tag" (ARD), Mišel Matičevic für "Lösegeld" (ARD) und Ulrich Noethen für "Das unsichtbare Mädchen" (ZDF) an.
Als beste Hauptdarstellerin sind Silke Bodenbender für "Das unsichtbare Mädchen" (ZDF), Sibylle Canonica für "Tatort: Borowski und die Frau am Fenster" (ARD), Anja Kling für "Hannah Mangold & Lucy Palm" und Ulrike C. Tscharre für "Lösegeld" nominiert - sowie gemeinsam Barbara Auer und Ina Weisse für "Das Ende einer Nacht".
In der Kategorie Dokumentation wurden von der Jury vor allem kleine, feine Produktionen auf die Nominierungsliste gesetzt, etwa "Ein deutscher Boxer" (ARD) oder "Versicherungsvertreter" (ARD).
Die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2011 war zum Desaster geraten. Sie wurde an einem Sonntag aufgezeichnet, um tags drauf ausgestrahlt zu werden. Komiker Oliver Pocher hatte während der Gala böse Witze gegen den MDR gerissen, die wurden für die Aufzeichnung rausgeschnitten. Außerdem war eine 24-stündige Sperrfrist an Agenturen und Journalisten verhängt worden. Erst nach deren Verstreichen durften die Medien bekanntgeben, wer die Gewinner waren.
Dieses Jahr sollen gar zwei Tage vergehen, bevor die Gala im ZDF ausgestrahlt wird. Am 2. Oktober findet die Preisverleihung statt, am 4. wird sie gesendet. Eine Sperrfrist ist diesmal immerhin nicht angesetzt.