Patrick Dempsey alias "Dr. Derek Shepherd": Das war's, Mc Dreamy
Foto: Jens Kalaene/ dpaWas erlauben Shonda Rhimes? Die Erfinderin der US-Serie "Grey's Anatomy" ist wahnsinnig geworden, sie hat den Hauptdarsteller abgemurkst. Versuch einer TV-Trauer-Therapie (Achtung, dieser Text wimmelt vor Spoilern.)
Shonda Rhimes ist die Grande Dame des US-Fernsehens, sie hat einige extrem erfolgreiche Serien erfunden und produziert, darunter, vor mehr als einem Jahrzehnt, den Hochglanz-Ärzteschmalz "Grey's Anatomy".
Wunderschöne Mediziner gaben sich dort Staffel um Staffel das Skalpell in die Hand, und wenn man sich gerade ein wenig satt gesehen hatte an den sexy föhnfrisierten Doktores - nur schön wird ja sehr schnell langweilig - dann fiel der großartigen Shonda Rhimes ein irre spannender Plot-Twist ein, und man blieb doch noch eine Staffel lang.
"Grey's" erzählt von einer Gruppe junger Chirurgen und den Schrecken ihrer Ausbildung an einem Krankenhaus in Seattle. Weil Shonda Rhimes es krass mag, fließt das Blut da literweise, in den Krankenbetten wird gekotzt, gefurzt, Ekzeme brechen auf, Insekten krabbeln aus pelzig-grünschimmeligen Körperwarzen.
Konterkariert wurde der Wahnsinn im OP mit dem überirdischen Sexappeal des medizinischen Personals und einer Handlung, die jeden "Baccara"-Roman wie eine beinharte realistische Milieuschilderung aussehen lässt. In den Ruheräumen der jungen Ärzte wurde gevögelt, was die Matratze hergab.
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Foto: Jason Merritt / Getty ImagesUnd so trat Dr. Derek Shepherd in unser aller eskapistisches Parallel-Universum, ob seines galaktischen Äußeren "McDreamy" genannt und ständig von seinen Kollegen veralbert, weil seine träumerisch tiefblauen Augen und sein dichtes dunkles Männerhaar so absurd perfekt waren. Dieses Maß an Serien-Selbstironie war ziemlich cool.
McDreamy (und ein feiner Kerl war er auch noch!) war für Millionen nach Romanzen lechzende "Grey's"-Fans der Mann, den man gern hätte, nie haben würde und nur anschmachten konnte - und das reichte.
Aber "Grey's" war nicht nur ein Drama!Drama!Drama!-Dampfkessel, in ihren besten Momenten war die Serie mutig und progressiv. Shonda Rhimes vergab Hauptrollen ja eben nicht nur an konforme Schauspieler-Typen wie das blonde Sweetheart Katherine Heigl, sondern auch an die grandiose Sandra Oh, und so kam Amerika zu seiner ersten asiatisch-stämmigen Heldin in einer Mainstream-Serie.
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Foto: Matt Sayles / AP"Grey's" thematisierte schwule und lesbische Liebesbeziehungen genauso wie heterosexuelle - und eben nicht als Klischee, sondern differenziert und mit emotionaler Tiefe.
Doch es passierte, was passieren musste: "Grey's" fand kein Ende. Im Lauf der Jahre verloren viele Stars das Interesse und stiegen aus. Für Fans hieß das: Achtung, es naht der nächste Serientod!
Die Plots, die den Ausstieg der Hauptdarsteller erklärten, wurden immer absurder - ein Blick auf die aktuellen Twitter-Kommentare zeigt, wie viel Hanebüchenes Shonda Rhimes den "Grey's"-Anhängern zumutete. Krebserkrankungen, Terroranschläge, Flugzeugabstürze: Nichts wurde ausgelassen.
Nun werden Sie sagen: Das ist doch nicht hanebüchen, das ist die Realität. Mag ja sein, aber was hat die im Privatleben meiner Ärztesoap-Helden verloren?
Die schnulzige Lovestory von Titelheldin Meredith Grey und McDreamy war in all dem Handlungselend die Insel der Seligen, elf Staffeln lang.
Jetzt hat Shonda Rhimes alles kaputt gemacht. Sie hat McDreamy abgemurkst.
Natürlich ist der dramaturgische Einfall, dass der brillante Neurochirurg nach einem Unfall infolge eines stümperhaften Ärztefehlers stirbt, wieder schön selbstironisch. Aber das tut hier nichts zur Sache.
Denn, verehrte Shonda Rhimes, gestorben wird im wirklichen Leben wahrlich schon genug.
McDreamy ist tot - wovon sollen wir nun träumen?