Brandenburg-"Polizeiruf": Krause rollt in Rente
Krause-Abschied beim "Polizeiruf" Tschüss, coole Wampe
Die Frauen kamen und gingen, er blieb. Große ostdeutsche Aktricen gaben mal längere, mal kürzere Gastspiele in der Brandenburger Provinz, er zieht seit Mitte der Neunzigerjahre ungerührt mit dem Oldtimermotorrad seine Runde, im Beiwagen erst die treue Hündin Vera, dann der neue Freund Haduck. Katrin Sass, Jutta Hoffmann, Imogen Kogge, Maria Simon und Sophie Rois spielten seine Chefinnen, er spielte den Revierpolizisten. Schwerleibig und doch immer unterwegs. Heavy Rider.
Wobei: Spielte Horst Krause tatsächlich Wachtmeister Horst Krause - oder war er es nicht einfach? Der wunderbare Einfall von Bernd Böhlich, dem langjährigen Hausregisseur des Brandenburger "Polizeirufs 110", den Polizistendarsteller unter seinem eigenen Namen auftreten zu lassen, spricht Bände.
Horst Krause verkörperte den Ost-Krimi geradezu, ein Mann wie ein Brocken. Wenn auch in Brandenburg keine blühenden Landschaften sprossen, die Kulisse veränderte sich stetig, Fabriken wurden eröffnet und wieder geschlossen, Industrien siedelten sich an und wanderten ab, nur Krause blieb Krause. Unverrückbar und alterslos. Der Mann mit der viel zu engen Lederjacke über der Wampe sah mit 53 schon aus wie 63 - aber er sieht jetzt mit 73 eben auch noch aus wie 63.
Auch Krause muss mal in Rente
Es hilft natürlich trotzdem nichts: Auch Wachtmeister Krause muss mal in Rente, auch Schauspieler Krause braucht mal Veränderung. Der "Polizeiruf" an diesem Sonntag ist die Abschiedsvorstellung von Krause als Krause. Leider ist sie keine Glanznummer.
Es geht um Kunstflieger und Solarmodulfabrikanten, um Dreieckslieben und Geldschmuggel. Unglücklicherweise weiß man nicht so recht, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Der Plot (Buch: Uwe Wilhelm, Regie: Peter Kahane) ist hanebüchen, Maria Simon als Kommissarin Olga Lenski muss schlimme Ermittlerstanzen aufsagen.
Man hat sich ja immer gefragt, weshalb der Brandenburger "Polizeiruf" die letzten Jahre nicht recht in die Gänge gekommen ist. An Maria Simon kann es eigentlich nicht liegen, die meistert den größten öffentlich-rechtlichen Schmu sonst mit Bravour. Möglicherweise stimmte die Chemie am Set nie so recht; Simon und Krause sollen so viel miteinander gesprochen haben wie die Ermittler im Film, also eher weniger.
Mit Krauses Abgang wird nun eine Generalüberholung eingeleitet. Ab der nächsten Folge soll Maria Simon als Olga Lenski in der Mordkommission in Frankfurt an der Oder ermitteln. Als neuer Partner wird ihr dann der Schauspieler Lucas Gregorowicz, wie Simon Jahrgang 1976, zur Seite stehen, ein Mann für den trockenen, harten, schmutzigen Humor, wie man etwa in dem Gangsterdrama "Chiko" aus Hamburg-Barmbek sehen konnte oder gerade erst in der österreichischen Vorstadtvögelei "Vorstadtweiber".
Wir bleiben in Sachen Brandenburger "Polizeiruf" also optimistisch und versammeln uns am Sonntag trotz kläglichen Vergnügens zum Salut für Horst Krause vor dem Fernseher.
"Polizeiruf: Ikarus", Sonntag, 20.15, ARD