Promi-Darts-WM bei ProSieben - DER SPIEGEL
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Promi-Darts-WM bei ProSieben Vier Dinge, die wir beim Gucken gelernt haben

Bei der Promi-Darts-WM von ProSieben siegte das Team des derzeit weltbesten Pfeilewerfers, das ist ein bisschen fade. Trotzdem konnte man was lernen. Vielleicht versuchen wir aber auch nur, vergeudete Lebenszeit schönzureden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

1. Öfter mal "Bierschiss-Martin" grüßen. Vielleicht sollte man Live-TV-Shows grundsätzlich vor herzhaft besoffenem Publikum aufzeichnen: Wenn einem während der vierstündigen Darterei zwischendurch mal fad wurde, schaute man statt auf die mit Pfeilen hantierenden Profis und Promis einfach ins stark alkoholisierte, konstant grölende Publikum und versuchte zu entziffern, was auf den handbeschriebenen Schildern stand, die sie schwenkten. Hier ein erratischer Gruß an "Bierschiss-Martin", dort ein Mensch mit Greta-Thunberg-Maske, der eine "Skolstreik för Darts"-Pappe hochhielt. Wurden sie zwischendurch vom überleitungsklöppelnden Moderator Christian Düren gefragt, wer denn wohl eine lebende Dartslegende sei, plärrten die verschnapsten Zuschauer "Paris Saint-Germain" ins Mikro. Sonst winkten sie munter mit den Werbeschildern der Sponsoren, eines Kräuterschnapses und eines Autopfandhauses, was der ganzen Veranstaltung zusätzlich mit einer herrlich hoffnungslosen Grind-Glasur überzog. Mit dieser nonchalanten Haltung schlurft man gern ins neue Jahr.

2. Desinteressierte Promis sind manchmal lustiger als engagierte Promis. Natürlich sympathisierte man mit Moderator Daniel Boschmann, der sich aufrichtig freute, mit Dartslegende Phil Taylor in einem Team zu spielen, sich ernsthaft vorbereitet hatte, "um zu zeigen, dass ich diesen Sport respektiere" und konstant gute Punkte scorte. Noch ein kleines bisschen lieber mochte man aber womöglich Ex-FC-Bayern-Profi Luca Toni. Er trat zusammen mit Fallon Sherrock an, die gerade noch bei der echte Darts-WM geglänzt hatte, stand in all seiner Spoortgoofyhaftigkeit meist einfach nur grienend herum und warf einfach mal irgendwie Richtung Scheibe, wobei er in rührend kindlichem Ehrgeiz und unbeleckt von strategischen Überlegungen stets direkt auf das Bull's Eye zu zielen schien. Enttäuschend nur, dass er dabei den Kragen seines Polohemd-inspirierten Trikots nicht aufgestellt trug. Einmal immerhin zeigte er anlässlich eines versehentlich wohlplatzierten Wurfs seinen viel vermissten Ohrenschrauberjubel, ansonsten beschränkte er sich auf das Minimal-Schonprogramm bei öffentlichen Auftritten. Als Christian Düren ihn nach einem Punktgewinn fragte, wie er sich fühlte, sagte Toni: "Ich bin glügelich." Und als er schließlich doch das Halbfinale verpasste: "Ich bin traurig". Mehr gibt es ja wirklich oft nicht zu sagen.

3. Jedes Promiformat braucht ein erratisches Moment. Eine kleine Irritation, die sachte an der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit dieses Treibens da rüttelt, so wie der uneinfangbare, nicht zu verskriptende Wolfgang Joop bei seinen Glanzauftritten bei "Germany's next Topmodel". Bei der Promi-Darts-WM übernahm das die "Bachelor"-Alumna und inzwischen Elternratgeber verfassende Influencerin Sarah Harrison. Sie traf mehrfach nicht einmal die Scheibe, beendete auch mal eine Runde mit nur einem Zähler - und checkte dann wieder eine Runde mit einer punktgenauen Triple-13 aus. So schaffte sie es mit ihrem Begleitprofi Gerwyn Price tatsächlich ins Finale, und niemand staunte darüber mehr als sie selbst. Dort allerdings unterlagen die beiden dem Team aus dem Weltranglistenersten Michael van Gerwen und Handballer Pascal Hens.

4. Wir brauchen mehr multiinteressierte Sportler. Vergangenes Jahr siegte Pascal Hens bei "Let's Dance", an Silvester konfirmandete sich Ex-Werder-Bremen-Kapitän Max Kruse, jetzt bei Fenerbahce Istanbul, mit einer putzig windschiefen Version von Dean Martins "Sway" durch einen Auftritt bei der Promiausgabe des türkischen "The Voice"-Gesangswettbewerbs . Nun traten die beiden, offenbar echte Renaissancemenschen, bei der Promi-Darts-WM gegeneinander an und zeigten dabei durchaus Talent. Wann sehen wir Serge Gnarbry beim Eisskulpturschnitzen oder Marco Reus beim Säbeltanz?