"Das Jenke-Experiment" auf RTL: Junge, lass dampfen!
Die Lunge pfeift, die Zunge streikt, das Zwerchfell rebelliert. Jenke von Wilmsdorff hängt in der Rauchwolke eines holländischen Coffeeshops und lacht sich krumm. Für einen Selbstversuch schießt sich der "RTL Extra"-Reporter mit Marihuana ab - im Dienst der Aufklärung, versteht sich.
Formschöne riesige Tüten für die Abendunterhaltung und schlanke Guten-Morgen-Joints fürs Marihuana-Frühstück im Bett, architektonisch aufwendige Wasserdampfvorrichtungen für die gehobene THC-Verköstigung und sportlich blubbernde Bongs für den schnellen Kick - Wilmsdorff probiert sie in seiner Sendung "Das Jenke-Experiment" am Montag auf RTL alle aus. Im Zuge seiner Recherchereise durch Holland und weitere Kiffer-Spots auf der Welt lässt er keine Möglichkeit aus, um high zu werden.
Für seinen Trip ins drogenfreundliche Nachbarland hat sich der 48-Jährige seinen 20-jährigen Sohn dazu geholt. Und während der Alte sich in einer Szene nach dem sechsten Joint kichernd auf dem Sofa eines Hotelzimmers krümmt, guckt der Junge nur angeekelt. Der Sohn hat schon vorher nicht viel gekifft, jetzt will er es nie wieder tun.
Wallraff trifft Knoxville
In einer anderen Szene sieht man Wilmsdorff, wie er sich unter medizinischer Anweisung in einem Freiburger Institut eine Tüte mit sogenannten Legal Highs reinzieht, chemischen Mixturen, die eine ähnliche Wirkung wie Cannabis haben, aber legal zu erwerben sind - auch wenn ihre Zusammensetzung oft nicht erforscht ist. Neben Wilmsdorff steht ein freundliches Männchen in weißem Kittel, drückt ihm einen Joint in die Hand, klopft ihm aufmunternd auf die Schultern - und führt ihn zu einer Sitzmöglichkeit, als ihm die Beine wegsacken. Dann sitzt der Proband noch eine Stunde deprimiert in der Ecke. No High mit Legal Highs.
Durch die Pedanterie und Unerschrockenheit, mit der Wilmsdorff seinen Selbstversuch durchzieht, wirkt er wie eine Mischung aus Günter Wallraff und "Jack Ass"-Stuntman Johnny Knoxville. Irgendwann torkelt er nur noch durch das eigene Experiment, mit der Zunge irgendwas lallend, die Augen blutunterlaufen.
Steigt denn nicht ein einziges positives Rauchzeichen auf in Wilmsdorffs großem THC-Report? Doch. Er trifft unter anderem auch einen 40-Jährigen, der unter dem Tourette-Syndrom leidet und durch regelmäßigen Cannabis-Konsum seinen Körper unter Kontrolle bekommen hat; der Mann war der erste, der in Deutschland mit Genehmigung der Behörde kiffen durfte. Allein, high machen ihn seine 20 Joints am Tag auch nicht. Ganz anders der unerschrockene Investigativjournalist Wilmsdorff, der zwischenzeitlich grenzdebil grinst, als wäre er aus einem "Cheech & Chong"-Film gefallen.
Jenke von Wilmsdorff wurde einst durch seine Reportagen für Birgit Schrowanges Boulevardmagazin "Extra" bekannt, dann schenkte ihm RTL die eigene Selbstversuchssendung, für die er unter anderem in einem Sterbehospiz zur Probe in einem Sarg lag oder mit einer Familie im Berliner Problembezirk Marzahn deren Leben lebte. Am Montag durfte er dann nach dem einstündigen "Jenke-Experiment" noch einmal in Schrowanges anschließender "Extra"-Ausgabe extrem länglich über die Erfahrungen an der Kiffer-Front berichten.
In seiner Reportage hatte Wilmsdorff zuvor mit schwerer Zunge vermerkt, dass seine Reaktionsgeschwindigkeit und Denkleistung durch den exzessiven Cannabis-Konsum deutlich abgenommen hätten. Dieser Logik folgend kommt man nicht umhin festzustellen, dass die extrabreite und extraumständliche Aufarbeitung des Themas bei dem Privatsender wie für Kiffer gemacht ist. Hackedicht mit RTL.