Schlaflos in Istanbul: - DER SPIEGEL
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"Schlaflos in Istanbul": Rollkoffer auf Kopfsteinpflaster

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Multikulti-Komödie im ZDF Turteln auf Teutotürkisch

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Es ist ein neues Genre, und man könnte es DTLMAHV abkürzen. Als "deutsch-türkische Liebesromanze mit allerlei heiteren Verwicklungen" startet auch "Schlaflos in Istanbul". Sie lässt kein Klischee aus, setzt aber auch gute Pointen.

"Liebeskuss am Bosporus" war, seinem blödsinnigen Titel zum Trotz, 2011 ein offenbar so großer Erfolg, dass das gleiche Team nun "Schlaflos in Istanbul" hinterherschiebt. Der Film erzählt die Geschichte vom stocksteifen Deutschen Jakob (Tim Bergmann) und der heißblütigen Türkin Didem (Jasmin Gerat) heiter weiter. Inzwischen leitet er eine defizitäre Plattenfirma, während sie sich in ihrer defizitären Modefirma die Gunst eines französischen Couturiers (Dominique Horwitz) erschneidern muss.

Gleich zu Beginn erleben wir das schweißgebadete Paar beim postkoitalen Plauderstündchen: "Ich liebe dich sehr" - "Wie sehr?" - "Na ja, ich komme mit zum Firmenjubiläum deines Vaters. Freiwillig. So sehr."

Kurz darauf dämmert Jakob, dass er bankrott, und Didem, dass sie schwanger ist. Das folgende Beziehungsgespräch verläuft missverständlich und unerfreulich, Didem flieht zu ihren darüber sehr erfreuten Eltern nach Istanbul. Jakob ("Die Türkei macht mich fertig!") eilt mit dem Rollkoffer hinterher, was vor allem Didems Vater ("Deutschland macht mich fertig mit seinen gottlosen Sitten!") weniger erfreut. Er schlägt Jakob die Tür vor der Nase zu und plant, seine Tochter mit dem Textilfabrikanten Batikan (Ercan Durmaz) zu verkuppeln, der seltsamerweise wie ein durchaus charmanter und wesentlich gesünderer Bruder von Akif Pirincci aussieht.

"Keine ausländerfeindlichen Witze!"

Charmant und gesund sowie vor urbaner Vitalität sprühend wirkt vor allem Istanbul, in Szene gesetzt wie in ein Werbefilm im Auftrag der Tourismusbehörde. Keine Einstellung ohne den modischen Instagram-Filter, der alles in seliges Sepia taucht. Schillernder Bosporus, stolze Hagia Sophia, lange Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke und vorschriftsmäßig verwinkelte Altstadt, alles dabei.

Während Didem nun auf luftigen Dachterassen für Batikan hübsche Kleider entwirft, landet Jakob erst auf der Straße und endlich, mittellos, in einer Arrestzelle. Dort hört er das "Wohltemperierte Klavier" von Bach, was seine Zellengenossen, zwei osmanische Hip-Hopper, total cool finden. Trotzdem soll Jakob sein dicker Freund Frank aus dem Knast holen, der zu diesem Zweck die 2241 Kilometer von Berlin nach Istanbul mal eben in einem alten Opel Kadett zurücklegt. Gemeinsam mit Frank macht sich Jakob an die turbulente Rückeroberung seiner im Grunde ihres guten Herzens natürlich für keine Sekunde zweifelnden Braut.

Überhaupt sind hier einfach alle Figuren grundgut, vom korrupten Polizisten über Akif Pirincci bis zu Kemal Atatürk, der einmal würdig von einem Poster auf das Geschehen herabschaut. Fremdenfeindlich verhalten sich höchstens die Türken gegenüber den Deutschen, die zwar für ihre "Zuverlässigkeit" geliebt, aber dennoch "Kartoffel" genannt werden. Selbst das verbittet sich der Hip-Hopper vorbildlich, auf Türkisch mit deutschen Untertiteln: "Keine ausländerfeindlichen Witze auf meinem Grundstück!" Umgekehrt bemerkt Freund Frank beim Betreten eines Altbaus respektvoll: "Alter Schwede, so ein Gebäude dürfte bei uns nur das Technische Hilfswerk betreten, und das auch nur in verschärfter Sicherheitsbekleidung!"

Neben situationskomischer Unterhaltung von entwaffnender Harmlosigkeit enthält "Schlaflos in Istanbul" im Kern aber auch eine Botschaft. Ob Karriereknick, Familienzoff, Kinderplanung oder Kulturschock - für das vereinte teutotürkische Wohlstandsbürgertum sind das alles Petitessen.

Und so rumpelt auch diese DTLMAHV ihrem interkulturellen, unvermeidlichen und vollumfänglichen Happy End entgegen, drollig klappernd wie ein Rollkoffer auf Kopfsteinpflaster.


"Schlaflos in Istanbul", Donnerstag, 20.15 Uhr, ZDF