"Schlag den Henssler": Willst du mit mir gähn? - DER SPIEGEL
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Premiere von "Schlag den Henssler" Willst du mit mir gähn?

Ein schläfriger Herausforderer, ein blässlicher Hausherr, zwei gefrostete Faultiere: Der Premiere von "Schlag den Henssler" fehlt es noch an persönlicher Würze.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Natürlich dauerte es wieder endlos lange, bis Viertel nach eins - da darf man aber nicht klagen, das muss so sein, damit die Empathie auch schön pappig gerät: Wenn der Fernsehzuschauer schon nicht selbst Turnstangen hochklettert, die Stadt Berlin nicht auf einer Deutschlandkarte findet und keine schikanösen Volleyballvariationen spielen muss, soll er die Pein der Spiele eben mindestens im übertragenen Sinn am eigenen Leib erfahren.

Das Grundkonzept der Show, mit all seinen Stärken und Schwächen, stand bei der ersten Steffen-Henssler-Version nicht zur Disposition: Wie einst Stefan Raab würde auch er in maximal 15 Spielen gegen unprominente Menschen antreten, die "Schlag den Star"-Duelle waren damit passé.

Als kleine Änderung durften die Zuschauer seinen Kontrahenten - ja, das Herausforderer-Sortiment verzichtete zum Auftakt sogar auf die gelegentliche Alibi-Frau - nur aus drei Kandidaten auswählen. Aber im Grund war es auch egal, wer dem frisch in die weitläufigen Gemächer eines der letzten großen Showpaläste eingezogenen Fernsehkoch nun genau als Gegner in sein Süppchen spucken wollte.

Die eigentliche Frage war ja ohnehin: Will man sich für dieses Format wirklich nochmal an jemand Neues gewöhnen? Sich geduldig durch die ersten, erwartbaren zähen Sendungen quälen, bis die Dynamik zwischen Moderator Elton und dem "Schlag den"-Hausherren zu einem geschmeidigen Teig aufgegangen war? Reicht der Wahnsinn des Neuen aus, dass man für seine gelegentlichen Besessenheitsausbrüche auch treulich weiterhin die erwartbaren Langeweile-Sümpfe durchwandern würde, wenn ein ohnehin schon schwerst fades Spiel unerklärlicherweise mal wieder über 15 Gewinnsätze gedehnt werden muss? Soll man also ja sagen, wenn Henssler fragt: Willst du mit mir gähn?

Nur "Bock haben" reicht nicht

Nach der Premierensendung ist man da eher noch zögerlich. Der Neue muss ja gar nicht sympathisch sein, das war der Alte in seiner zeitweise bizarren Verbissenheit auch nicht, aber ein bisschen mehr Persönlichkeit, ein bisschen weniger holzschnitthafter Zwerghahnmachismo darf in Zukunft schon sein. Sich das Ganze zuzutrauen, einfach nur "Bock haben", wie Henssler es im Vorfeld verkündet hatte, reicht nicht. Manchmal erinnerte er sehr direkt an seinen Vorgänger, wenn er bei eigentlich durchaus simplen Spielregeln ausführliche Nachfragen stellte, und einmal rutschte es Kommentator Elmar Paulke dann doch heraus: "Stefan…ääh, Steffen Henssler."

Dass seine Premiere eher eine der "Schlag den…"-Folgen bleiben würde, in der man als Zuschauer keinen emotionalen Andock-Nubsi findet, in die man auch nach Stunden nicht richtig reinfindet, lag aber nicht an Henssler allein. Der ausgewählte Herausforderer, Schwimmbadtechniker André, der selbst am meisten darüber staunte, dass er sich in der Publikumsgunst gegen den ebenfalls zur Wahl stehenden Personal Trainer von Rennfahrer Nico Rosberg durchsetzen konnte, wirkte bei manchen Spielen, als hätte er nur bedingt Lust auf das Ganze oder sei sehr, sehr müde. Auch die Spiele waren schon spannender: Medizinball-Hochwurf, Luftballons balancieren, einen Stock nach einem Holzpömpel werfen - da fragt man sich beim Zuschauen dann schon, ob man es statt dessen am Samstagabend nicht doch mal mit diesem "Ausgehen" versuchen sollte.

Sie sagen Bluse statt Hose, Peking statt Schanghai

Höhepunkt der Bräsigkeit ist das Spiel "Gedankenlesen": Elton stellt jemandem aus dem Studiopublikum eine Frage, bevor er oder sie antworten, müssen Henssler und Herausforderer die wahrscheinliche Antwort notieren. "Nenne mir eine Hunderasse", fragt Elton, die beiden Rivalen sagen "Golden Retriever", aber der Publikumsmensch sagt Labrador. So geht es quälend lange: Sie sagen Bluse statt Hose, Peking statt Schanghai, Autoreifen statt Lenkrad. Zu selten wird man an diesem Abend durch Mitmachrunden eingebunden, wie es gut gelingt, als die Kandidaten Titelmelodien von Fernsehsendungen erkennen oder bei "Wer erkennt mehr" auf einem Bild menschliche Organe, asiatische Länder und Website-Icons erkennen müssen.

Auch Moderator Elton bleibt unter Form: Seltene Lacher kassiert er für Flachwitzchen mit "Latte" und Stange", das möglicherweise auch leicht sedierte Saalpublikum johlt und pfeift dankbar, als er nach einem Spiel seine Gummistiefel auszieht - natürlich gab es wieder das obligatorische Wettrennen, dieses Mal mit einem Buggy durch eine Matschpiste. Währenddessen konnte man sich zur Erbauung immerhin vorstellen, das Spielwelt wäre ein riesiger glitschiger Puddingparcours, das könnten Klaas und Joko ja vielleicht demnächst mal so umsetzen. Die Werbepausen zerschnitten das Spielmaterial obendrein nach Belieben: Eine Reklameunterbrechung mitten in einem Spiel, bei dem es um Kraft und Ausdauer geht, zeigt schon sehr deutlich, dass man auf Dramaturgie gerne auch einfach mal pfeift.

"Es zieht sich", sagte irgendwann Andrés Schwager im Publikum, als Henssler und Herausforderer dann im letzten, entscheidenden Spiel an Pole-Dance-Stangen klebten wie gefrostete Faultiere, war es einem wirklich herzlich egal, wer gleich gewinnen würde.

Am Ende erklang Hensslersches Triumphgeschrei, der Jackpot für die nächste Ausgabe Anfang November liegt also nun bei 500.000 Euro. Und dann kam noch dieses Lied, "One moment in time", bei dem man schließlich auch als emotionsloser Raab-Neutralo noch ein bisschen wehmütig wurde. Früher war die Langeweile irgendwie doch spannender.

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