Polizeiruf 110 "Zwei Brüder": Servier ihn ab! - DER SPIEGEL
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Schwangeren-Krimi: Ein bisschen mehr Wahnsinn, bitte!

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Schwangere "Polizeiruf"-Ermittlerin Servier ihn ab!

Zu viel Schwangerschafts-Seligkeit tötet das Krimi-Glück: Mit Baby-Bauch und viel Verständnis für ihren Heulsusen-Lover macht Maria Simon im "Polizeiruf" einen zu netten Eindruck, findet Christian Buß - und hofft auf mehr hormonellen Wahnsinn in der nächsten Folge.
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Schwangerschaft und Beruf? Eigentlich kein Problem für Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon), wäre da nur nicht dieser Typ (Andreas Pietschmann), der mit Dackelblick vor ihrer Tür steht. Es ist der etwas kindische Vater des Kindes, das in ihrem noch ziemlich flachen Babybauch heranwächst. Und der redet halt das Zeug, was Männer so in solchen Situationen zu reden pflegen: Ich war so unsicher, jetzt bin ich mir aber ganz sicher, ich brauchte Zeit, um mir über alles klar zu werden, aber jetzt will ich mit dir zusammenleben, blablabla.

Und die ganze Zeit denkt man, dass Olga Lenski, diese patente und in der Kampfkunst erfahrene junge Frau, der Heulsuse vor der Haustür eine Abfuhr erteilen würde. So von wegen: Schnauze, Schwächling! Und was macht sie stattdessen? Sitzt mit diesem Zauderer und Emo-Zausel bis zur Sperrstunde im Biergarten und lacht über seine bescheidenen Witze, während aus dem Off romantische Musik herbeigeklimpert kommt. Uns schwant Schlimmes.

Denn Schwangerschaft und Beruf mögen im deutschen Fernsehkrimi gut zusammengehen, nicht aber Schwangerschaft, Beruf und Beziehung. Man denke nur an Natalia Wörner: 2006 wurde ihr für die Krimi-Reihe "Unter anderen Umständen" aufgrund einer realen Schwangerschaft eine Ermittlerinnenrolle mit Babybauch geschrieben. Oder an Maria Furtwängler, die als allein gebärende und alleinerziehende Kommissarin eine aparte Härte in den Hannoveraner "Tatort" gebracht hat: Besorgte Ehemänner hemmen in solchen Zusammenhängen wirklich nur den hormonellen Wahnsinn, dem Frauen zuweilen in schwangeren Zustand verfallen. Nicht die schlechteste Stimmung übrigens, um sich in vertrackte Verbrechen zu stürzen.

Liebe, bis das Herz gefriert

Bei der Extrem-Aktrice Maria Simon, die zwischen ihrem Debüt als "Polizeiruf"-Ermittlerin und der zweiten Episode schwanger geworden ist, hätte man sich nun ein bisschen mehr von diesem Wahnsinn gewünscht.

Doch morgens macht ihre Heldin Olga Lenski schon Aikido, zum Mittag kriegt sie von den Kollegen alles, was ihr hormongetriebener Körper verlangt, und abends macht ihr der lächerliche Kindsvater den Hof. Herrlich, dieses Schwangerenleben. Wie soll die Polizistin denn da über sich selbst hinauswachsen, Empathie für die im Verbrechen Verwickelten entwickeln?

Die Episode "Zwei Brüder" (Regie: Nils Willbrandt, Buch: Stefan Kuhlmann) lässt den Zuschauer denn auch seltsam unbeeindruckt zurück. Dabei ist der Krimi gar nicht so schlecht gebaut und gespielt: Die Brüder eines ermordeten Pferdezüchters - mit Florian Stetter und Franz Dinda von zwei der besten Jungdarsteller verkörpert - ringen um den Hof und die Anerkennung der Mutter. Diese, eine am Rückgrat verletzte Dressurreiterin und von der mit den Jahren immer perfider aufspielenden Barbara Auer dargestellt, verteilt grausame Zärtlichkeiten an ihre beiden Sprösslinge: Liebe, bis das Herz gefriert. Und doch scheint die schwangere Ermittlerin Lenski in ihrem sozialen und hormonellen Glück kaum berührt von dem familiären Trauerspiel.

Der nächste Brandenburger "Polizeiruf" wurde übrigens ohne Hauptdarstellerin Maria Simon gedreht, Schauspielerin Sophie Rois übernahm die Schwangerschafts-Vertretung für die Kollegin.


"Polizeiruf 110: Zwei Brüder", Sonntag 20.15 Uhr, ARD