Sharon Stone: Comeback mit neuer Serie "Mosaic"? - DER SPIEGEL
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Sharon Stone in "Mosaic": Stone spurlos verschwunden

Foto: HBO/ Sky

Comeback von Sharon Stone Sie betritt den Raum, und alles steht still

Der Erotikthriller "Basic Instinct" machte Sharon Stone zum Weltstar - dann verlor sie alles, sogar fast ihr Leben. Nun spielt sie die Hauptrolle in einer neuen HBO-Serie von Steven Soderbergh. Ein Treffen.
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"Manchmal weißt du einfach nicht mehr, was du als Nächstes machen sollst", sagt Sharon Stone. "Und dann kommt ein Projekt daher, das genau das anspricht, was gerade in dir vorgeht."

Die Schauspielerin sitzt in einem Büro des Senders HBO, 14 Etagen über Manhattan. Dem Blick aufs Empire State Building schenkt Stone wenig Beachtung, sie ist hier, um für ihre neue TV-Serie zu werben. Fototermine, Interviews, ein Screening am Vorabend in einem stickig-überhitzten Auditorium. Stone ist übernächtigt, doch unvermindert enthusiastisch. Sie weiß, was von ihr erwartet wird bei diesem PR-Marathon - und dennoch wird dieses Treffen dann schnell zu einer unerwarteten Meditation über das Leben. "Ich fühlte mich so verloren", sagt Stone. "Die Welt hatte sich weiterentwickelt. Nur ich nicht, weil ich so lange krank war."

Schwere Gehirnblutung

Stone, die 1992 mit dem Erotikthriller "Basic Instinct" zum internationalen Sexsymbol wurde, erlitt Ende September 2001 eine massive Gehirnblutung, neun Tage lang schwebte sie auf der Intensivstation zwischen Leben und Tod. Zwei Jahre brauchte sie danach, um wieder laufen, sehen, sprechen, lesen und, ja, leben zu lernen. Seither nahm sie meist nur Gastauftritte an.

Nun aber hofft sie auf ein Comeback - mit "Mosaic", einer Krimiserie des Regisseurs und Oscar-Preisträgers Steven Soderbergh ("Traffic"). Stone spielt die Hauptrolle, eine manipulative, mysteriöse Frau, die spurlos verschwindet. Die Story war Stone auf den Leib geschrieben, noch bevor sie zusagte: Anfangs hieß die Heldin "Sharon", erst später nannten Soderbergh und Drehbuchautor Ed Solomon ("Men in Black") sie Olivia Lake.

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Sharon Stone in "Mosaic": Stone spurlos verschwunden

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"Olivia ist überlebensgroß", beschreibt Solomon sie. "Sie betritt den Raum, und alles steht still." Genau das könnte man auch über Stone selbst sagen. Eine komplexe Frau zu spielen, die Angst vor dem Alter hat, habe sie "unwiderstehlich" gefunden, sagt sie: "Die Rolle wuchs mir ans Herz."

Eine App für den Perspektivwechsel

"Mosaic" reizte sie nicht nur deshalb. Soderbergh drehte die sechsteilige HBO-Serie, die an diesem Dienstag bei Sky Deutschland-Premiere hat, zugleich als interaktive App. Dort kann man zwar nicht die Story beeinflussen, aber die Perspektive, indem man den einzelnen Akteuren folgt. Das Konzept faszinierte Stone sofort. "Wir erzählen Geschichten heute ja so anders als früher", sagt sie. "Wir erzählen sie nicht mehr nur als Film." Wie im richtigen Leben: "Alles verändert sich rasant, und wir alle müssen täglich dazulernen."

Eine banale Weisheit, die Stone aber nach ihrem Beinahe-Tod brutal akzeptieren musste. Das Aufrappeln nach so einer Erfahrung ist hart - erst recht für eine Schauspielerin, die ein Alter erreicht hat, in dem Hollywood Frauen häufig ausmustert.

Star-Angebote blieben aus. Stattdessen gab es Flops wie "Catwoman" und vier Episoden als TV-Staatsanwältin, wo sie sich ihre Dialoge kaum merken konnte. Stones Ehe mit dem Publizisten Ron Bronstein zerbrach. Sie verlor das Sorgerecht für ihren Adoptivsohn Roan.

"Ich kam kaum über die Runden", erinnerte sie sich im vergangenen Jahr in einer Rede. "Ich weiß, wie es ist, wenn du erst ganz oben bist und dann völlig am Ende."

"Ich hatte keine Scheißahnung mehr"

Nur langsam eroberte sie sich ihr Leben und ihre Karriere zurück. "Als ich wieder zu arbeiten begann, war alles anders", sagt sie. "Früher wusste ich, welche Linse man auf die Kamera setzte, wann man 'Schnitt' rief, und ich hatte drei Stunden Zeit, mich auf die nächste Szene vorzubereiten. Auf einmal rief keiner mehr 'Schnitt', alles war digital, musste sofort gehen. Alles war ohne mich passiert. Ich hatte keine Scheißahnung mehr."

Die steile Lernkurve bereitete Stone letztlich auf den Dreh von "Mosaic" vor, zwölf schwierige Wochen in Utah. Denn die Serie handelt auch davon, wie willkürlich das Leben sein kann - und dass die Menschen nicht immer nur gut oder böse sind, sondern meist beides: "Du kannst jemanden lieben und willst ihn gleichzeitig mitten ins Herz stechen, und als nächstes kannst du nicht ohne ihn leben."

Trotz durchwachsener US-Kritiken ist "Mosaic" sehenswert. Vor allem eben wegen Stone, für die nicht nur damit ein zweiter Akt beginnt. Sie engagiert sich außerdem für Gehirnmedizin, Aidsforschung und die Opfer sexuellen Missbrauchs.

Bei den Golden Globes trug auch sie Schwarz - aus Solidarität und wegen persönlicher Erfahrung mit sexueller Belästigung. Erst vor wenigen Tagen hatte sie auf die Frage eines Reporters, der sie im Zuge der #MeToo-Debatte gefragt hatte, ob sie in Hollywood schon einmal "in einer unangenehmen Situation" gewesen sei, mit Lachen reagiert: "Ich bin seit 40 Jahren in diesem Geschäft. Können Sie sich das Geschäft vorstellen, in das ich vor 40 Jahren hineingekommen bin? So, wie ich ausgesehen habe?"

Jetzt sagt sie: "Schauspieler porträtieren das menschliche Befinden. Wir stehen in der großen Pflicht, ehrlich zu sein."


"Mosaic" von Steven Soderbergh, ab dem 23. Januar auf Sky