Staffelauftakt der RTL-Show "Der Bachelor" - DER SPIEGEL
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Partner-Casting bei RTL: Tiefe Ausschnitte, seichte Komplimente

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RTL-Show "Der Bachelor" In der Schleimschleife

Der Traumprinz trägt jetzt Glatze - und verteilt politisch korrekte Komplimente. RTL schickt diesmal einen besonders glatten "Bachelor" ins High-Heel-Harem. Das blitzeblanke Vorspiel zum ultradreckigen Dschungelcamp.
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Ein klein wenig geistige Umnachtung bekam der Zuschauer am Ende schon geliefert: Ela (21, studiert "hobbymäßig" Jura) sang dem neuen Bachelor Christian beim ersten Treffen ihren Namen vor. Als der ihr am Ende die Rose doch überreichte, sagte sie erstmal nichts, sondern legte für Sekunden nur einen sedierten Schlafzimmerblick auf. Ansonsten steckte in der Kurzvorschau mit den vorauseilend lästernden Dschungelcamp-Moderatoren in der Werbepause mehr Schmiss als in den zwei Stunden "Bachelor", dermaßen superschön und superlangweilig haspelte sich der neue RTL-Junggeselle durch die Partnerinnensuche. Kein Wunder also, dass die Romantikreality am Ende mit rund 4,6 Millionen Zuschauern nur gut halb so viele Menschen vor den Bildschirm bannen konnte wie die Dschungelposse zwei Stunden später.

Nochmal zur Erinnerung das Prinzip der Sendung: Eine Frauengruppe vom Ausmaß eines mittleren Harems wird in acht Folgen von einem Mann nach und nach ausgesiebt, bis die final Übriggebliebene vorm Sonnenuntergang an einer Küste im Süden der Welt vom Bachelor eine letzte Rose gereicht bekommt - um danach im realen Leben garantiert keine Beziehung mit ihm zu führen.

RTL achtete penibel darauf, dass die 22 zusammengecasteten Frauen in der ersten Folge der vierten Staffel einigermaßen gerade Sätze sagten und geregelten Beschäftigungen an der Universität oder in der Parfümerie nachgehen. Und dass die Partneransprüche dieser Danielas, Annas und Stefanies irgendwie um die seichte Traumprinz-Logik von Disney-Zeichentrickfilmen wabern. Der zugegeben immer noch wenig noble Unterhaltungswert für den Zuschauer wiederum lebt beim "Bachelor" davon, dass gerade diese Ansprüche von der Realität regelmäßig unterlaufen werden, weil Menschen eben Menschen sind und damit bösartiger und unberechenbarer als Pocahontas, Belle oder Arielle. (Stefanie über den Bachelor beim ersten Treffen: "Oh, der hat sogar sein Hemd offen, wie abartig.")

Der Mann sucht eine weibliche Ausgabe seiner selbst

Der frühere Bachelor Paul hatte die Kandidatinnen dann auch mal ziemlich undisneymäßig als "Hot Chicks" bezeichnet (und scheint übrigens irgendwie seltsam auf dem Bachelor hängengebliebenen zu sein - RTL filmte ihn mal, wie er auch nach seiner Staffel bei einem Auftritt als DJ noch wahllos Rosen an Frauen verteilte.) Zum Auftakt der aktuellen vierten Staffel lief jetzt immerhin Ela einmal gegen eine Glastür, nachdem sie ein paar Gläser Sekt geext hatte. Beim neuen Bachelor Christian selbst - Dreitagebart, Glanznase und Glatze - gab es hingegen kaum Entgleisungen.

Man wurde schon deshalb misstrauisch, weil er nach eigener Aussage ein "Lifestyle-Getränk vermarktet". Erfahrungsgemäß benutzen ja häufig solche Leute den Begriff "Lifestyle", die keinen richtigen Lifestyle haben. Zumindest keinen spannenden. Tatsächlich sieht Christian nicht nur aus wie ein junger Andre Agassi mit swimmingpoolblauen Augen, er spielt auch noch Tennis, bezeichnet sich als sportlich und sucht eine, tja, sportliche Frau. Also irgendwie sich selber. Narzissmus pur.

Schon beim ersten Treffen mit den Frauen schien er irgendwie auf den Trichter zu kommen, dass er mit Augenkomplimenten garantiert politisch korrekt unterwegs war - vielleicht, weil es bei "schönen Augen" immer irgendwie um Äußerlichkeiten geht, aber irgendwie auch nicht, weil schließlich die Augen und nicht der Po der Schlüssel zur Seele sind. Christian komplimentierte auf jeden Fall sicherheitshalber fast alle Augen in Grund und Boden. Eventuell kam auch deshalb ein bisschen die Leier rein, weil er in der Menge der glatten Gesichter langsam den Überblick verlor.

Am Ende bekamen die Frauen keine Rose, von denen man davor keine kurzen Biografie-Einspieler gesehen hatte. Und aus dem Off raunte eine Stimme, dass der Bachelor jetzt seinem Herzen folgen müsse. Wer vor dem Fernsehschirm saß, wollte Christian hingegen aus seiner Lifestyle-Lethargie wachschütteln und raten: Hau jetzt gleich mit Ela ab, die ist echt mal eine Herausforderung. Vielleicht keine, die du supersympathisch findest. Aber immerhin eine Herausforderung. Christian würde den Rat vermutlich nicht verstehen.

Und einem dann sagen, dass man schöne Augen hat.