Dschungelcamp, Tag 12: "Wir sind ja keine Versuchskaninchen"
Tag 12 im Dschungelcamp Du bist, was du isst
Die Einkreisung der Larissa durch feindliche Mächte konnte auch an Tag 12 nicht beendet werden. Obwohl sie endlich eine Freundin gefunden hat - oder das, was man unter Dschungelbedingungen dafür halten könnte. Und endlich wurde es mal wieder nicht nur auf zwischenmenschlicher Ebene abscheulich, sondern auch auf gastronomischer. Lebendige Skorpione zum Mittagessen, anyone? Nein? Lesen Sie hier, wie andere leiden:
Skandal des Tages? Dass die quirlige Gabby vom Publikum rausgewählt wurde und nicht die dröge Tanja, die darum schon seit Tagen bettelt, weil sie "am Ende ist" und sich mit ihrem Mann gerne noch ein paar schöne Tage im Hotel machen will. Ihr erloschenes Gesicht, als sie erfährt, dass ihr Martyrium noch kein Ende hat.
Gefühl des Tages? Endlich mal Szenen, die von RTL mit schmalzigem Schluchzpop unterlegt werden können. Melanie kontempliert das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter: "Ich habe ein ganz komisches Verhältnis zu meiner Mama und weiß nicht, woher das kommt", wobei es vielleicht von den Pornoproduktionen kommen könnte. Jedenfalls kullern dicke Tränen, es gibt warme Worte und Umarmungen. Und Schluchzpop.
Spielte Sex eine Rolle? Nö, wieso? Wenn es etwas gibt, dass den genialen Machern dieser Sendung derzeit Kopfzerbrechen bereiten könnte, dann der Umstand, dass in diesem Camp so was wie Sex ums Verrecken keine Rolle spielen will.
Paar des Tages? Gabby und der Marco, vereint in der kichernden Ausgrenzung von Larissa? Nee, dann eher Larissa und Melanie, die einander gefunden haben und es sich in ihrem Schmollwinkel zur Frage gemeinsam gemütlich machen, welche Disney-Figur sie denn gerne wären. Melanie wäre gerne die Schöne aus "Die Schöne und das Biest". Larissa wäre gerne Peter Pan.
Worüber wurde geredet? Es gab profunde Definitionen des "Königs". Was muss der können? Muss er "alles alleine" machen, wie Winfried Glatzeder erläutert, hat er seine "Lakaien", die alles für ihn erledigen? Als Larissa betont, dass sie alles selbst macht, lächelt Glatzeder schmal, weil seine rhetorische Falle zugeschnappt ist: "Deshalb bist du auch nicht König!" Worauf Larissa versetzt: "Dann sei du halt König. Ich bin Dschungelkönig!" Glatzeders verdattertes Gesicht: unbezahlbar.
Wie war die Dschungelprüfung? Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Hirn vom Schaf, von Melanie mit beeindruckender Schmerzfreiheit verschlungen. Von Marco mit aufrichtigem Entsetzen ausgespuckt, auch wenn Melanie ihn anfeuert: "Ach komm, das schmeckt ganz lägga, echt!" Und da waren wir noch nicht bei den vitalen Mehlwürmern, an denen Marco auch eher lustlos und mit hochrotem Kopf herumknabberte. Die fand allerdings auch Melanie "echt hart", versuchte es allerdings aufrichtig, aber: "Man kriegt die echt schlecht runter." Anders als bekömmliche Hoden vom Truthahn. Oder Penis vom Buschhirsch. Und noch mehr Sachen, von denen Marco sagte: "Ich mach jeden Scheiß, aber ich kann das nicht essen."
Was war der gruseligste Moment? Wie auf dem Weg zur Nachtprüfung im Schein der Taschenlampe plötzlich diese bestürzend bunte, bedenklich dicke Spinne behäbig in ihrem Netz pendelte und daran erinnerte, dass diese Sendung wirklich nicht in einem Studio in Köln produziert wird.
Distinktion des Tages? Marco zieht zur Begründung für sein Versagen bei der Dschungelprüfung überraschend die nationale Karte: "Es is' grauslig, wir Österreicher sind ganz anderes Essen gewohnt." Marco findet auch: "Die Dschungelkrone muss unbedingt nach Österreich!" Das wird, keine Sorge, Larissa erledigen.
Geflüster des Tages? "Jeder muss seinen Beitrag leisten, damit die Zuschauer auch ihren Spaß haben. Larissa, das ist alles einstudiert. Das ist Dschungelkönigin hoch zehn. Das ist mir auf der Toilette gekommen." - "Ich habe das alles gehört, Winfried. Ich hoffe, du kannst die nächsten zehn Tage nicht mehr kacken!"
Beschimpfung des Tages? "Haste deine Eier auf dem Weg hierher verloren, oder was?" (Melanie zum wählerischen Marco)
Erkenntnis des Tages? Larissa steckt neuerdings das Mobbing der Dschungelgenossen so souverän und elegant weg wie ein hydropneumatisch gefederter Citroën: "Ich bin jetzt irgendwie die letzte Moskito, irgendwie fehl am Platz", sagt sie und tut es schulterzuckend, nicht heulend.
Wärmster Satz des Tages? "Meine kleine Cousine ist genauso wie du, und deshalb verstehe ich das und kümmere mich um dich." (Melanie zu Larissa)
Schlauester Satz? "Eigentlich ist es alles krank. Alles kranke Menschen." (Gabby)
Gehässigster Satz? "Ich muss verhindern, dass du Dschungelkönigin wirst", sagte der Winfried zur Larissa. Gehässig waren weniger die Worte als der Ton und der Blick, mit dem sie ausgesprochen wurden. Charles Bronson, der in "Spiel mir das Lied vom Tod" Henry Fonda ins Auge fasst.
Dümmster Satz? "Es kommt auch nie mal jemand her, der sich irgendwie als Verantwortlicher bedankt oder entschuldigt. Das ist ja auch eine berufliche Arbeit, die wir hier tun. Die haben mich ja nicht von der Straße geholt." (Winfried Glatzeder)
Das Wendler-Lied des Tages? Bei dem ganzen nächtlichen Getuschel, das die Hochleistungsrichtmikrofone so einfangen, ganz klar "Das sind alles Zeichen", denn das geht so: "Das sind alles Zeichen/ Und in der Nacht sind die Stimmen wieder da/ Das sind alles Zeichen/ Sie sagen mir, wie es mal war, oh, oh, oh"