Tag 15 im Dschungel: "Kein leichtes Spiel!"
Tag 15 im Dschungelcamp Boshafte Bohnen und Krokoschmodder
Wer dachte, Winfrieds Wutgebell und anderweitige Ausraster der vergangenen Tage seien die Folge von Lagerkoller, psychischer Überforderung oder einfach nur Indizien, dass der Zottelmime ein durch und durch unangenehmer Patron ist - weit gefehlt! Tatsächlich plädiert Winfried nach seinem Rauswurf aus dem Dschungel nun auf unzurechnungsfähig - die Campkost sei schuld: "Das sind die Bohnen! Bohnen verändern die Hemmschwelle, die wird herabgesetzt!"
It's the beans, stupid! Die Auswirkungen der Hülsenfrucht-Qualernährung im Überblick.
Woyzeckisierung: Winfrieds letzter Tag im Camp stand im Zeichen der Nachwirkungen von Schubsgate - tags zuvor war er Larissa gegenüber handgreiflich geworden, als sie etwas Krokodilschlonz an seinem Hemd abgewischt hatte. Erst klang Winfried in der Nachbetrachtung, als habe er einen ganzen Kreidefelsen gefressen, und zeigte kurz einen Anflug von Reue. "Ich misstraue mir selbst", gab er zu Protokoll, als Forensik-Autodidakt habe er an sich Bohnen-induzierte Wahrnehmungsstörungen diagnostiziert. Das erinnert natürlich frappant an die Leiden des jungen Woyzecks: Auch die unglückliche Dramenfigur von Georg Büchner musste sich in einem Menschenversuch einer Hülsenfrucht-zentrierten Diät unterziehen, die ihn immer exzentrischer und unberechenbarer werden ließ und schließlich zum Totschlag trieb.
Bei Winfried scheint der Bohnenboshaftigkeitsschub besonders lange anzuhalten. Bei seinem Abschied schenkte er Jochen einen Kabelbinder, den er vorsorglich mit ins Camp gebracht hatte: "Ich dachte, wenn einer durchdreht, fessele ich ihn!" Schon auf dem Abtransport ins Hotel hatte man ihm darum etwas Fast Food gereicht, um die Bohnenbosheit mit Fettspülungen aus dem Körper zu schwemmen, worauf der Patient recht gut ansprach. "Es spritzen alle meine Enzyme!" Als Winfried dann aber im Hotel mit den Videoaufzeichnungen seines Bohnenwahns konfrontiert wurde, gewannen die toxischen Teufelsfrüchte wieder die Oberhand: "Ich hätte sie eigentlich prügeln sollen!", sagte der grauenvolle Mann. "Ich hätte ihr eine Ohrfeige geben sollen, das hätte sie verdient."
Schwurbelkrämpfe: Bei Jochen wirkt die Bohnenkost zunehmend gemütsaufweichend und verstandsvernebelnd: Im trauten Psychogespräch am Lagerfeuer schwurbelt er als C. G. Jung für Schwerstbedürftige eine sonderbare Deutung des Winfried-Larissa-Urkonflikts zusammen. Winfried sei für sie so eine Art strenger, böser, aber auch lieber Übervater gewesen, der ihr immerfort aufgezeigt habe, wo ihre Schwächen und Fehler liegen: "Er war deine Aufgabe hier im Camp, und du warst seine." Yin und Yang und Krokodilschmodder? Geh, bitte!
Sobald es aber an die Lösung der Schatzsuchenfrage ging, hatte Jochen wieder alle seine Goldenes-Blatt-Sinne zusammen: Wie schon im vergangenen Jahr musste die aktuelle Heidi-Klum-Liebestrennung als Quizfrage herhalten. Jochen tippte richtig, dass sie sich von ihrem "Fitness-Örkel" (ein schönes Wort!) getrennt habe und beschied: "Heidi Klum hat aber auch einen lockeren Lebenswandel."
Stimmungstaumel: Bei Melanie scheint die Dauerbohnenbefüllung zu einem wahren Gefühls-Schurliwurli zu führen: Hantierte sie eben noch mit feinstfrivoler Ingrid-Steeger-Koketterie mit ihren Liebeskugeln, schluchzte sie bald schon im Dschungeltelefon davon, ihre Familie in Zukunft mehr schätzen zu wollen. In der Dschungelprüfung dann legte sie beherzt-zupackend ihr Hemdchen ab, um im Busenbollwerk verirrte Kakerlaken herauszuklauben, und bei der gemeinsamen Schatzsuche kehrte die zuletzt angenehm mild gewordene Camperin Larissa gegenüber wieder einmal den gestrengen Busengeneral hervor: "Setz die Kiste sofort ab! Diskutier mit mir jetzt nicht! Jetzt reiß dich doch mal zusammen! Ningel hier ni rumme!"
Sprachverstopfung: Bei Tanja schien der Bohnenpamp vor allem auf das Sprachzentrum zu drücken - das jedenfalls wäre eine Erklärung für ihre quengelige Press-Sprechweise, die immer ein wenig klingt, als müsse sie dringend auf Klo. Dazu weit aufgerissene Augen wie bei einer dieser niedlichen YouTube-Eulen (nur in nicht-niedlich). Womöglich handelt es sich hier aber auch einfach nur um ihren einzigen komödiantischen Trick, den das One-Trick-Pony wie ein alter Zirkuszossen bei ihren Ansprachen an die Zuschauer wieder und wieder darbot, in der Hoffnung auf ein ranziges Zuckerl respektive den Rauswurf. Neben diesem Obstipations-Genöle nervte sie mit klageweibhaftem Flehen, sie würde so gerne ins Hotel zurückkehren, denn "dann hätte ich noch einen halben Tag mit meinem Mann zusammen".
Offenbar wird er schon morgen in die Fremdenlegion verschifft. Die Zuschauer hatten also ein Einsehen: Tanja ist raus. Und hechel-hyperventilierte bei der Überbringung dieser Frohbotschaft wie eine alte Fahrradpumpe.
Die einzige Camp-Insassin, die sich gegen die verdammten Bohnen immun zeigte, ist Larissa, die so larissahaft war wie allezeit: Sie fügte sie die üblichen bizarren Verletzungen zu und haderte mit der grausligen Natur: "Ich ärger mich über den Baum, weil er so behindert dasteht."
Auch sinistre Hülsenfrüchte können dieser Frau nichts anhaben. Ist ihr Griff nach der Krone also unvermeidlich? Diese Spannung, ach, die Spannung!