Tatort "Borowski und der freie Fall": Video vom Wannenrand - DER SPIEGEL
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"Tatort" aus Kiel: Der Untote der deutschen Politik

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ARD-"Tatort" über Uwe Barschel Video vom Wannenrand

Tohuwabohu um Uwe Barschel, Tom Buhrow und Kommissar Borowski: Im Kieler "Tatort" geht es um den mysteriösen Politikertod vor 25 Jahren. Versatzstücke aus der Medien-Realität sollen den Verschwörungsthriller so aussehen lassen, als würde der Fall wahrhaftig neu aufgerollt.
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Ah, da ist sie, die Badwanne. Im Genfer Hotel Beau-Rivage. Im Bad des Zimmers 317. Mit Leiche drin. Im Wasser treibend. Mit Klamotten an. Kurz bevor das Gesicht des Toten zu erkennen ist, schwenkt die Videokamera aber hektisch ab. Die Tonspur knattert, man glaubt den Herzschlag des Filmenden zu hören. Was haben wir da eben gesehen? Und was könnte es beweisen? Und was ist eigentlich aus dem Menschen geworden, der die Kamera gehalten hat?

Mit subjektiver Kamera, so wie sie für den Horror-Trip "Blair Witch Project" perfektioniert wurde, tauchen wir ein in die fatale Nacht zum 11. Oktober 1987. Jene Nacht, in der Uwe Barschel - ja, was eigentlich: Suizid beging? Unter Medikamenteeinfluss unglücklich in die Badewanne knallte? Ermordet wurde?

Die Macher des Kieler "Tatort" sind schlau genug, die offizielle Version von Barschels Freitod nicht in Frage zu stellen. Im Zentrum ihres Thrillers steht zwar das kleine, unheimliche "Blair Witch"-Filmchen, das in der Oktobernacht vor ziemlich genau 25 Jahren entstanden sein soll, den Ermittlern im Laufe der Handlung zugespielt wird und so ziemlich jeder Verschwörungstheorie, die zum Fall Barschel auf dem Markt ist, Futter gibt - am Ende aber stellen sich alle Versionen jenseits der Freitod-Version als unhaltbar heraus.

Was macht Anne Will im "Beckmann"-Studio?

Bleibt die Frage, weshalb für den Kieler "Tatort" überhaupt das Barschel-Fass aufgemacht wird. Klar, es geht um Macht und Gesichtsverlust, und wenn diese Themen vor dem Hintergrund des Politbetriebs an der Waterkant verhandelt werden, dann landet man zwangsläufig bei Barschel, seinen Intrigen und seinem falschen Ehrenwort. Wie in "Borowski und der freie Fall" aber der reale Fall um den Untoten der deutschen Politik mit einem fiktiven Machtspiel verknüpft wird, wirkt über Strecken linkisch und spekulativ.

Ein Enthüllungsautor wurde auf seiner Yacht ermordet. Die Spur führt zur Ex-Ehefrau des Toten, der Moderatorin einer Polit-Talkshow (Marie-Lou Sellem), außerdem zum frisch gekürten schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten (Thomas Heinze) und schließlich nach Genf, wo der Autor offensichtlich neuen heißen Details in Sachen Barschel auf der Spur gewesen ist. Also machen sich Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Kollegin Brandt (Sibel Kekilli) auf in die Schweiz, um vor Ort zu recherchieren und bald auf das oben beschriebene brisante Amateur-Video zu stoßen.

So schnüffeln die beiden Ermittler in dieser "Tatort"-Folge bald in Hotelgängen rum, die bis ins letzte Detail jenen des Hotels Beau-Rivage nachempfunden sind, in dem Barschel 1987 zu Tode kam. Überhaupt ist dieser Krimi an Detailfreude schwer zu überbieten. Schauspielerin Marie-Lou Sellem etwa verkörpert ihre Politmoderatorin wie eine Kurzhaar-Version von Anne Will, als Studio-Kulisse dient ihr das reale Backstein-Rot von "Beckmann". Und in der Kantine der fiktiven Fernsehanstalt läuft ihr dann der echte Tom Buhrow über den Weg. Alles so schön authentisch hier - oder doch nicht?

Regisseur und Autor Eoin Moore hat zuvor den Rostocker Biker-"Polizeiruf" vom vorletzten Wochenende in Szene gesetzt. Dort verschmolz er die realen kriminellen Machenschaften um die Hells Angels und Bandidos zu einem aufwühlenden fiktiven Rocker-Drama, hier nun greift er Versatzstücke aus der Medien- und Polit-Realität auf, um seinem Verschwörungsthriller die Illusion des Authentischen zu verleihen.

Doch die Kamera kann noch so sehr wackeln: Barschel, der große Untote der deutschen Politik, bleibt hier in seinem nassen Grab liegen. Klamm, still und auskunftsunfreudig wie vor 25 Jahren.


"Tatort": Borowski und der freie Fall", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD