Tatort "Die Sonne stirbt wie ein Tier": Pferde-Rippern gibt man den Gnadenkuss - DER SPIEGEL
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"Tatort" über Pferde-Ripper: Tierisch lieb, dieser Mörder

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Odenthal-"Tatort" Pferde-Rippern gibt man den Gnadenkuss

Sympathie für den Pferdemörder? Der Ludwigshafener "Tatort" fährt gewagt zweigleisig: Während die angeschlagene Kommissarin Odenthal einen Ripper sucht, nimmt der Zuschauer Anteil an dessen Liebesleben.
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Das Pferd liegt auf der Weide und krümmt sich vor Schmerz. Ein Ripper hat es in der Nacht mit dem Messer traktiert, das Leben ist nicht mehr zu retten. Ein Veterinär steht hilflos daneben, er hat keine Spritzen dabei, um den Schmerz zu verkürzen. Und die herbeigeeilten Streifenpolizisten dürfen in diesem Fall nicht von ihrer Dienstwaffe Gebrauch machen. Ein bürokratischer Schlamassel.

Bleibt nur noch Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), die sich in einem Reha-Zentrum um die Ecke von den Blessuren ihres letzten Falles zu erholen versucht. Pferden gibt man den Gnadenschuss - das sagt sich leicht. Odenthal windet sich, überwindet sich und feuert den tödlichen Schuss ab. Ein perfide Situation: Indem sie dem Pferd das Leben nimmt, überwindet die Kommissarin ihre eigene Ohnmacht.

Die Ludwigshafener "Tatort"-Folge "Die Sonne stirbt wie ein Tier" (Buch: Harald Göckeritz) ist voll von solchen Momenten, die den Zuschauer ins Gefühlschaos stoßen. Während die Ermittlerin ausgerechnet durch den Tötungsakt wieder Handlungsfähigkeit erlangt, wird der Zuschauer Zeuge, wie der sozial isolierte Pferde-Ripper direkt nach der Tat seine Einsamkeit überwindet.

Psychopath in Liebe

Sympathie mit einem Psychopathen, geht das? Irgendwie schon. Zumindest über eine gewisse Strecke. Es stellt sich eine aberwitzige Dynamik ein: Die Profilerin Johanna Stern (Lisa Bitter) muss abwägen, ob der gesuchte Triebtäter, der den Pferden aus sexueller Frustration ein Messer in den Anus dreht, eine "lebende Zeitbombe" ist und seine sadistischen Fantasien bald auch an Menschen ausleben könnte; der Zuschauer erlebt derweil wie der gestörte Gerd Holler (Ben Münchow) eine zarte, innige Romanze mit einer Verkäuferin beginnt.

Pferde-Rippern gibt man den Gnadenkuss? Heilung durch Liebe, das wäre zu schön, um wahr zu sein.

Regisseur Patrick Winczewski hat zuvor schon die Odenthal-Episode zum 25-jährigen Dienstjubiläum der Kommissarin gedreht, jenes schwarze Krimi-Stück, in dem wir Odenthal so verloren wie noch nie gesehen haben. Jetzt geht es für die Ermittlerin zurück ins Leben.

Na ja, was man als Ermittlerin eben so Leben nennt. Vom Therapeuten gibt es ein paar gute Ratschläge, dass sie ihren Job nicht so nah an sich heranlassen soll - und kurze Zeit später schon steht die unverbesserliche Odenthal in der Wohnung des Psychopathen, um mit ihm gefährlich auf Tuchfühlung zu gehen. Der Wahnsinn bleibt.

Eines ändert sich allerdings: Odenthal erklärt ihrem WG-Genossen und Kollegen Mario Kopper (Andreas Hoppe), dass sie aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen werde. Ermitteln, Kochen, die Katze streicheln - irgendwas muss man ja auch mal allein machen. Vielleicht wird's dann für die dienstälteste aller "Tatort"-Kommissarin mal wieder was mit der Liebe. Muss ja nicht zwangsläufig ein Pferde-Ripper oder ein anderer Psycho sein.


"Tatort: Die Sonne stirbt wie ein Tier", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD