"Tatort" heute aus Köln: "Kein Mitleid, keine Gnade" im Schnellcheck - DER SPIEGEL
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ARD-Sonntagskrimi Der Köln-"Tatort" im Schnellcheck

Ein Gymnasiast wurde ermordet, die Mitschüler fummeln und twittern einfach weiter. Da zeigen die Kölner "Tatort"-Oldies den digital degenerierten Kids mal, was 'ne analoge Ermittlerharke ist.
Zurück zur Schule: Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) befragen eine Lehrerin
Zurück zur Schule: Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) befragen eine Lehrerin

Zurück zur Schule: Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) befragen eine Lehrerin

Foto: Thomas Kost/ WDR
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Das Szenario:

Frühlingserwachen mit Instagram-Feeling. Nach dem Mord an einem schwulen Gymnasiasten ermitteln Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) unter Jungs, die noch nicht wissen, was sie mit ihrer Sexualität anfangen sollen, und Mädchen, die das umso besser wissen. Nur im Umgang mit ihren Handys sind alle gleichermaßen versiert - was Schenk bitter zu spüren bekommt: Als er eine Schülerin verhören will, unterstellt diese ihm einen sexuellen Übergriff und verbreitet kompromittierend geschnittene Bilder über die sozialen Medien. Und ab geht's zur Anhörung wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen die Dienstpflicht.

Der Clou:

Die beiden 50-plus-Kommissare stehen den beschleunigten Dating- und Bashingmöglichkeiten in der Parallelwelt des Internets völlig ahnungslos gegenüber. No country for old men. Dass die beiden dem digital manipulierenden und manipulierten Jungvolk dann doch zeigen können, was eine amtliche analoge Ermittler-Harke ist, wirkt wenig glaubhaft.

Das Bild:

Die Leiche des toten Schülers liegt nackt im nassen Laub, die Nacht über hat es geregnet, eine Schnecke bahnt sich den Weg über den kalten, feuchten Körper. Das sexuelle Erwachen der Jugend und die Endlichkeit des Seins liegen hier dicht beieinander.

Fotostrecke

Sex als Versuchsfeld

Foto: Thomas Kost/ WDR

Der Dialog:

In der Schwulenbar. Der Kommissar fragt den Barmann nach dem Schüler, der hier offenbar vor seiner Ermordung ein und aus ging: "Vielleicht war er ja gar nicht schwul?" Der Barmann zeigt sein Handy, auf dem Posenbilder zu sehen sind, die der Junge auf eine Kontaktseite gestellt hat. Kommissar: "Date Pride, was ist denn das?" Barmann: "'Ne Dating-App. Du loggst dich ein, du siehst, wer in der Nähe ist. Alter, Vorliebe, Schwanzgröße. Die unkomplizierte Nummer, antexten, dann geht es los."

Der Song:

"Desperado" von Rihanna . Der unheilvoll bollernde R&B-Track, in dessen Video sich die Künstlerin als männerdominierender Vamp inszeniert, läuft kurz bevor ein Mädchen zwei Mitschüler zu schwulen Experimenten animiert, während sie nebenbei ihre Follower zählt.

Die Bewertung:

4 von 10 Punkten. Hätte ein starker Krimi werden können über sexuelle Selbstfindung in Zeiten der sozialen Medien – bleibt aber viel zu sehr in der Perspektive der kopfschüttelnden Ermittler-Oldies.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Kein Mitleid, keine Gnade", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: HR