»Tatort« heute mit Falke und Grosz: »Was bleibt« im Schnellcheck - DER SPIEGEL
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ARD-Neujahrskrimi Der »Tatort« mit Falke und Grosz im Schnellcheck

Die Elbe, das Bier, der Punkrock: Julia Grosz denkt darüber nach, Hamburg zu verlassen und singt in St. Paulis Kaschemmen Songs von den Pixies und den White Stripes. Der »Tatort« als furioser Kiezabgesang.
Grosz (Franziska Weisz, l.) und Falke (Wotan Wilke Möhring): Alles vergeht, alles stirbt
Grosz (Franziska Weisz, l.) und Falke (Wotan Wilke Möhring): Alles vergeht, alles stirbt

Grosz (Franziska Weisz, l.) und Falke (Wotan Wilke Möhring): Alles vergeht, alles stirbt

Foto:

Georges Pauly / NDR

Das Szenario:

Zwischen Hafenbecken und Absturzkneipe. Nachdem ein junger Mann bosnischer Herkunft tot aus der Elbe gezogen wurde, sieht sich Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) mit seiner eigenen Biografie konfrontiert: Das Opfer hatte als Kind bei ihm in einer Billstedter Jugendeinrichtung boxen gelernt. Nach einem Brandanschlag von Nazis hatte Möhring versprochen, immer für den Jungen da zu sein. Die Spuren führen den Ermittler in die Vorstadt zu einem Tischler (stark: Hanno Koffler), der anscheinend eine rechte Vergangenheit hat. Möhring ist derart auf den persönlichen Fall fixiert, dass er die ersten Konzerte zu verpassen droht, die Kommissarin Grosz (Franziska Weisz) in Kiezkaschemmen als Sängerin absolviert. Macht die vernachlässigte Kollegin ihre Drohung wahr, zum BKA in Wiesbaden zu wechseln?

Der Clou:

Die Elbe, das Astra, der Punkrock. Falke kreuzt nachts im Regen zwischen St. Pauli und Hafengebiet hin und her und trägt diesmal ein T-Shirt der Hardcoreband Black Flag . Grosz singt im Spanplattenpalast Zum Silbersack nahe der Reeperbahn einschlägige Hits von den Pixies oder Nick Cave. Ständig wandern Bierknollen über den Tresen. Dieser letzte »Tatort« mit Franziska Weisz als Julia Grosz ist auch ein melancholischer Abgesang auf den alten Kiez und seine austrocknenden Absturz-Oasen. Die punktgenauen Dialoge stammen von Autorin Marija Erceg; Regie führte Max Zähle, der schon in seinem tollen Liebesdrama »Bist du glücklich?« den Soundtrack Teile der Geschichte erzählen ließ.

Kneipenszene mit Wotan Wilke Möhring: Großes Hamburg-Kino

Kneipenszene mit Wotan Wilke Möhring: Großes Hamburg-Kino

Foto: Georges Pauly / NDR

Das Bild:

Schnappschuss unter der Sternbrücke. Bevor das Opfer stirbt, leert es in der Astra-Stube unter der geliebten, umkämpften, rostigen Bahnbrücke nahe St. Pauli ein paar Knollen Bier. In dem gemütlichen Loch, das einem großen Umbauprojekt weichen muss, fanden gerade die letzten tränenreichen Konzerte statt . Alles vergeht, alles stirbt in diesem »Tatort«. Es ist eine dieser Folgen, über die man sich 20 Jahre nach Erstausstrahlung freut, weil darin so viel authentische, verlorene Welt vorkommt.

Der Dialog:

Der Tischler mit möglicher rechter Vergangenheit wird von seinem Kollegen auf die Verdächtigungen angesprochen.

Tischler eins: »Wie alt warst du damals? 16, 17? Das ist doch ein Alter, in dem man gern mal Scheiße baut.«

Tischler zwei: »Scheiße baut? Du meinst, Menschen abfackelt?«

Tischler eins: »Nein, ich mein...«

Tischler zwei: »Was willst du sagen? Es wär okay für dich? Ich wär immer noch dein Freund? Da sind lauter Leichen im Keller, Martin. Wollen wir die alle mal ausbuddeln?«

Die Songs:

Hier gibt es nicht den einen Song, der heraussticht: Kommissarin Grosz singt »Seven Nation Army« von den White Stripes  oder »Where Is My Mind?« von den Pixies . Daheim bei Falke läuft auf dem Plattenspieler »Incinerate« von Sonic Youth  oder »Just Like Honey« von Jesus And The Mary Chain . Das reine Indierock-Evangelium.

Die Bewertung:

9 von 10 Punkten. Großes Hamburg-Kino mit doppeltem Boden und furiosem Soundtrack: Einen würdevolleren Abschied hätte man Franziska Weisz nicht bereiten können.

»Tatort: Was bleibt«: Montag, 1. Januar, 20.15 Uhr, das Erste

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: HR

Korrektur: In einer vorherigen Version wiesen wir Kommissarin Grosz an einer Stelle einen falschen Vornamen zu. Wir haben den Fehler korrigiert.