Tatort "Zorn Gottes" mit Wotan Wilke Möhring: Digga im Dschihad - DER SPIEGEL
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Terror-"Tatort" mit Wotan Wilke Möhring: Digga im Dschihad

Foto: NDR/ Marion von der Mehden

Terror-"Tatort" mit Wotan Wilke Möhring Digga im Dschihad

Ein IS-Kämpfer schwärmt von seiner ersten Flamme, Kommissar Falke wird von seiner neuen Kollegin vermöbelt. Der neue "Tatort" beschreibt den Dschihad in Deutschland mit den Mitteln eines Dicke-Hose-Krimis. Krass.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Heavy Petting und heiliger Krieg: Rocky (Christoph Letkowski) und Enis (Cem-Ali Gültekin) haben früher im Park mit denselben Mädchen rumgemacht, nun arbeitet der eine an den Sicherheitschecks im Flughafen Hannover, während der andere Mitglied der Dschihadisten-Gruppierung "Braunschweiger Brigade" ist.

Enis hat als Terror-Tourist beim sogenannten IS in Syrien gekämpft, Rocky hat ihn gerade für viel Geld über den Flughafen ins Land zurückgeschmuggelt. Doch die Sache ist aus dem Ruder gelaufen, ein Unschuldiger kam zu Tode, jetzt hält Rocky den alten Bekannten in einer verwaisten Gaststätte gefangen. Man debattiert über die Ungerechtigkeit der Welt, über die Verbrechen des Westens, über Ähnlichkeiten und Unterschiede.

Und über eine Petra, mit der die beiden fast zeitgleich mal etwas hatten, damals im Park. Der eine vielleicht etwas mehr als der andere, da machen die beiden erwachsenen Kerle nur genussvoll Andeutungen.

Der Terroristen-Thriller als Dicke-Hosen-Clash, das ist ein gewagter "Tatort"-Ansatz. Regisseur Özgür Yildrim erschien 2008 mit seinem gefeierten Debüt "Chiko" auf der Bildfläche, einem amtlichen türkischen Gangstermovie aus Hamburg-Barmbek, und führte den "Tatort"-Ermittler Thorsten Falke in dessen erster Episode vor drei Jahren als Haudrauf aus Hamburg-Billstedt ein. Nun erklärt Yildrim den Dschihad aus Digga-Perspektive. Als Legitimierung für diesen Dreh lässt sich anführen, dass deutsche IS-Kämpfer ja meist genau aus dem Milieu stammen, dessen Codes hier aufgegriffen werden.

Terror-Thriller mit schnittigen Effekten

Dieser "Tatort" zeigt, welch großes Potenzial der von Wotan Wilke Möhring gespielte Ermittler Thorsten Falke bereithält. Nachdem Möhrings Falke von Schweigers Tschiller aus Hamburg verdrängt worden war, machte er ja erstmal eine sehr unglückliche Figur. Doch mit seinem Wechsel zur überregional arbeitenden Bundespolizei ist Falke nun für Schleuserkriminalität und Flüchtlingselend zuständig, also die ganz großen Themen unserer Zeit, und der verantwortliche NDR gibt sich alle Mühe, dazu verschiedene Erzählstile auszuprobieren, die ebenfalls auf der Höhe der Zeit sind.

Nach dem mit quasi-dokumentarischer Strenge in Szene gesetzten "Tatort" über den realen Fall des in einer Polizeizelle verbrannten Flüchtlings Oury Jalloh ist die Falke-Episode "Zorn Gottes" (Buch: Florian Oeller) nun ein Terror-Thriller mit schnittigen Effekten geworden. Gleich am Anfang knallt eine Leiche aus dem Laderaum eines Flugzeugs in den Swimmingpool einer Hannoveraner Villa. Und Falke kriegt mit der von Franziska Weisz gespielten Polizistin Julia Grosz eine neue Kollegin zur Seite, die einerseits als ehemalige Bundeswehrsoldatin ein schweres Afghanistan-Trauma mit sich herumträgt, andererseits dem Billstedter Asi Falke körperlich Paroli bieten kann.

Das erste Aufeinandertreffen des Gespanns: Falke macht unter falscher Identität einen "Realtest" auf dem Hannoveraner Flughafen, um die dortige Terrorabwehr zu prüfen; Grosz prügelt ihn umgehend zu Boden. "Derber Schlag!", stöhnt Falke, und der Zuschauer weiß nicht, ob das als Kritik oder als Kompliment gemeint ist. Später fliegen noch ein paar flotte Sprüche zwischen den beiden hin und her.

Ein Dschihadisten-Krimi im Digga-Modus, geht das? Wir sagen: Jo.

Bewertung: 8 von 10

"Tatort: Zorn Gottes", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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