Matthias Opdenhövel: Hier ist der Gastgeber ein König
TV-Moderator Opdenhövel Unser Star für alles
Eigentlich hat Matthias Opdenhövel alles erreicht, was man in so einem Fernsehleben erreichen kann. Er ist bei einer Pressekonferenz von einem Seelöwen gebissen worden, hat das ProSieben-"Ochsenrennen" moderiert und eine Clipshow mit Homevideo-Pannen. Er war Quizshow-Onkel bei Sat.1, hat sich zuvor bei Viva von U2-Bono bescheinigen lassen, "Schnellficker-Schuhe" zu tragen und daraus ein Buch gemacht. In diesem Jahr hat ihn das Kuratorium Gutes Sehen e.V. wegen seines "unkomplizierten und sympathischen Umgangs" mit dem eigenen Sehgestell zum "Brillenträger des Jahres" gewählt. "Die einzige Auszeichnung, für die ich nichts tun musste, außer augenkrank zu sein", sagt der Preisträger.
Wie gesagt: Eigentlich hätte Opdenhövel alles erreicht, um heute als Dauergast in Panelshows zu sitzen und durchs Vorabendprogramm zweitklassiger Privatsender zu tingeln.
Es ist glücklicherweise anders gekommen.
Am vergangenen Samstag moderierte der 40-Jährige zum 25. Mal den ProSieben-Marathon "Schlag den Raab", Anfang des Jahres mit Sabine Heinrich die Castingshow "Unser Star für Oslo", die Party zum Eurovision Song Contest, den Musikpreis Echo und die "TV total Autoball-WM". Und ab diesem Freitag führt er durch die Neuauflage von "Schlag den Star", bei dem Alleskönner Stefan Raab ausnahmsweise mal andere Promis schwitzen lässt.
"Stimmt, das Jahr war relativ voll", sagt Opdenhövel. Und: "Ich hab schon noch ein Ziel dieses Jahr: einfach mal nur Spekulatius unterm Tannenbaum knabbern, ohne darauf warten zu müssen, dass ich gleich wieder ins Studio gebracht werde. Dauert aber noch zwei Monate."
Als Star gilt Opdenhövel trotzdem nicht. Er hat einen viel besseren Job: Moderator. Und den erledigt er mit einer bewundernswerten Gelassenheit. Als ProSieben im vergangenen Jahr "Das große Kipp-Roll-Fall-Spektakel" zeigte, eine verschärfte "Domino Day"-Variante, ging so ziemlich alles schief. Nach einem Regenguss über dem Open-Air-Gelände war die Technik bis kurz vor der Übertragung ausgefallen, in der Live-Show floppte der Kettenreaktion-Weltrekordversuch so offensichtlich, dass ein anderer Moderator im Boden versunken wäre.
Lichtjahre von der 1 in Deutsch entfernt
Opdenhövel aber frotzelte gut gelaunt über die Missgeschicke und ließ sich keine Sekunde aus der Ruhe bringen. "Ich war innerlich darauf vorbereitet, dass das schwierig wird und hab mittags an den Sender gesimst: Holt doch vorsorglich mal 'Beverly Hills Cop 3' als Ersatz aus dem Schrank." Der Film blieb im Archiv und Opdenhövel auf Sendung. Nachher staunten die Verantwortlichen bei ProSieben über 18 Prozent Marktanteil: Die Zuschauer hatten großen Spaß an der Pannenserie.
Dass er vor vier Jahren bei "Schlag den Raab" einstieg, ist ein Glücksfall. Opdenhövel war als Reporter bei der ersten "Wok WM" dabei, danach ist Stefan Raab auf ihn zugekommen und hat gesagt: Ich hab da eine neue Idee. "Dann hat er mir bis morgens um drei 'Schlag den Raab' erklärt und gefragt: Haste Bock zu moderieren?" Opdenhövel hatte Bock und bewältigte anschließend fünfstündige Live-Moderationen. In denen schafft er es regelmäßig, die Beteiligten durch einen Abend voller Überraschungen zu steuern, ohne sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Gelassen, aber nicht gelangweilt. Schlagfertig, aber nicht aufdringlich.
Der Star ist Raab. "Ich bin Gastgeber. Derjenige, der die Fäden zusammenhält und dafür sorgt, dass die Leute vor dem Fernseher ein paar gute Stunden haben", sagt er. Ein Service am Publikum. Vor drei Jahren hat Opdenhövel dafür den Deutschen Fernsehpreis bekommen.
Dass das so gut klappt, war am Anfang eine Überraschung. Weil Opdenhövel vorher immer was Klassensprecherstreberhaftes hatte, wenn er im Fernsehen war. Und weil sich das mit dem Fernsehen selbst nur zufällig ergab.
"Ich wollte immer Sportreporter werden", sagt er. "Aber ich hatte die Vorstellung: Das sind die Leute, die immer ne 1 in Deutsch hatten. Da war ich aber Lichtjahre von entfernt." Nix mit Klassenstreber. Nach der Schule leistete Opdenhövel seinen Grundwehrdienst im Panzerbataillon ab. "Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht ein Hammergefühl ist, 800 PS unterm Hintern zu haben." Aber als Berufsperspektive war das dann doch zu wenig. Das BWL-Studium beendete er konsequenterweise nach zwei Wochen, absolvierte ein Volontariat beim Lokalsender Radio Lippe und bewarb sich aus Jux beim neugegründeten Musiksender Viva. Mit Erfolg.
Nach vier Jahren Viva folgte der Wechsel zu RTL 2, wo er sich aber auf die Ansage besagter Homevideos beschränken musste; dann der Wechsel zur Sat.1-Morningshow "Weck up", bei der er mit Co-Moderatorin Barbara Schöneberger tun und lassen durfte, was ihm gefiel, samstagmorgens sah ja eh keiner zu; und zur Vox-Musikshow "Hast du Töne". Schließlich holte Raab, den er bei Viva kennengelernt hatte, ihn als Reporter in seine ProSieben-Events.
"Tja, das war jetzt leider nichts"
Das hätte so bleiben können: Opdenhövel als Allzweck-Promi, der mal hier, mal dort anheuert. Ist er aber ja nicht. Weil es vor der Kamera viel zu viele Leute gibt, die glauben, sie könnten moderieren, wenn sie Texte von Kärtchen ablesen, und es sofort positiv auffällt, wenn das mal einer anders macht.
"Ein Leitsatz war immer, eine Sendung nie genauso aussehen zu lassen wie die vorige", sagt Opdenhövel. "Jede Sendung soll, auch wenn es feste Regeln gibt, ein Unikat sein." Wodurch? "Keine Ahnung, das ergibt sich."
Ein bisschen zu abgeklärt, fast arrogant wirkt er auch heute manchmal noch, aber vielleicht ist das genau die richtige Einstellung, um sich nicht zu sehr von der Unterhaltungsmaschinerie vereinnahmen zu lassen. "Es gibt nichts Anstrengenderes im Fernsehen als die Haltung: Was wir hier machen, ist das Allergrößte. Man muss auch mal nach vorne gehen und sagen: Tja, das war jetzt leider nichts."
Den Dauereinsatz dieses Jahr hat Opdenhövel anscheinend problemlos weggesteckt. Auch wenn man sich das nach der Song-Contest-Aufregung vor einigen Monaten kaum vorstellen kann. "Irgendwann ist man einfach im Tunnel und sagt: Klar, jetzt fahren wir halt auch noch mit Christian Wulff nach Hannover und holen Lena vom Flughafen ab", sagt er über die Grand-Prix-Zeit.
Für Urlaub war keine Zeit. Der geplante Umzug ist immer noch nicht durch, und kurz nach Oslo stand Opdenhövel schon wieder als Bundesliga-Reporter für den Telekom-Sender Liga Total im Stadion und moderierte für Sport 1 die Spieltaganalyse. Das mit dem Berufsziel Sportreporter hat quasi nebenbei geklappt.
Und das, obwohl der Fußball-Job für ihn fast wichtiger ist als die Unterhaltung, Grand-Prix-Triumph hin oder her. "Im Endeffekt war das ja auch nur ein Sieg beim Eurovision Song Contest - und leider nicht bei der Fußball-Weltmeisterschaft", sagt er und grinst.
Womit das nächste Projekt ja schon feststehen dürfte. Jetzt müssen nur noch Stefan Raab und der DFB mitziehen.
"Schlag den Star", freitags, 20.15 Uhr, ProSieben