Umstrittener Boulevardjournalist Fernsehmacher Günter Stampf ist tot
Hamburg - Im Boulevard war er zu Hause, mit seinen Scripted-Reality-Formaten bestritt das Privatfernsehen sein Tagesprogramm: Nun ist TV-Produzent Günter Stampf im Alter von 43 Jahren gestorben. Das teilte laut Mediendienst kress.de das Hamburger Unternehmen Stampfwerk mit, dessen Gründer und Geschäftsführer Stampf war. Er sei am 28. Juli "überraschend aus dem Leben geschieden".
Der Österreicher Stampf hatte mit seiner 2001 gegründeten Produktionsfirma Stampfwerk zahlreiche TV-Formate entwickelt und produziert. Unter anderem war die Firma für die erfolgreiche Pseudo-Doku-Soap "Die Schulermittler" verantwortlich, die seit 2009 im RTL-Vorabendprogramm läuft. Auch andere seichte Unterhaltungssendungen wie die Doku-Soap "Die Beauty-Klinik" oder zuletzt das Scripted-Reality-Format "Liebe im Paradies", das im Januar auf RTL II startete, brachte Stampfwerk heraus.
Vor seiner Zeit als TV-Produzent war Stampf als Boulevardreporter und Redakteur tätig. Bei der "Bunten" stieg er bis zum Vize-Chefredakteur auf, stolperte dann 1996 aber über ein Interview mit Tom Cruise. Er hatte Teile des Interviews manipuliert, so dass der Eindruck entstand, der Filmstar sei zeugungsunfähig. Cruise klagte damals auf Schadensersatz, Stampf wurde entlassen. Als Chefreporter der "Bild"-Zeitung begleitete er unter anderem Gerhard Schröder und Helmut Kohl im Wahlkampf für die Bundestagswahl 1998. Auch in seiner Zeit als TV-Produzent schrieb Stampf noch regelmäßig für die "Bild"-Zeitung.
Zu seinen zahlreichen Arbeitstationen zählte auch das Fernsehen: 1994 arbeitete er etwa als stellvertretender Redaktionsleiter von "Gottschalk Late Night", bevor er 1996 Chefredakteur der ORF-Talkshow "Vera" wurde.
Aufsehen erregte Stampf 2007 mit seinem Buch "Interview mit einem Kannibalen" über den verurteilten Mörder Armin Meiwes, der als "Kannibale von Rotenburg" bekannt wurde. Stampf hatte sich die Rechte an der Geschichte gesichert und interviewte den Mörder, der sein Opfer teilweise verspeist hatte, im Gefängnis. Doch auch hier gab es Zweifel an Stampfs Arbeitsweise: Weil er einige Passagen nicht zutreffend fand, zog Meiwes vor Gericht und erstritt eine einstweilige Verfügung: Teile des Buchs mussten geschwärzt werden. Auch dem Bruder des Mörders musste Stampf 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen, weil der sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt sah.
Stampf war auch Autor mehrerer TV-Dokumentationen, unter anderem über den Amoklauf von Erfurt und erneut über den "Kannibalen von Rotenburg", die beide auf RTL liefen.
Seine Produktionsfirma Stampfwerk war zuletzt in Schieflage geraten. Mitte Juli hatte die Firma Insolvenz angemeldet. Laut Branchendienst Quotenmeter.de hatte Geschäftsführer Stampf mit Aufträgen gerechnet, die dann nicht gekommen seien. Stampf hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.