Waldemar Hartmann blamiert sich bei "Wer wird Millionär" - DER SPIEGEL
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Waldis Fernseh-Fauxpas München, Herr Hartmann, München!

Deutschland, Weltmeister? Im eigenen Land? Waldemar Hartmann, langjähriger TV-Kommentator, hat sich als Telefonjoker bei "Wer wird Millionär?" blamiert. Muss er sich deswegen schämen?
Waldemar Hartmann: "Ach Gottchen, Leute. Dieses Gekicke"
Waldemar Hartmann: "Ach Gottchen, Leute. Dieses Gekicke"

Waldemar Hartmann: "Ach Gottchen, Leute. Dieses Gekicke"

Foto: Arno Burgi/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lieber Waldemar Hartmann,

wenn es so etwas gibt wie "Fußball-Deutschland", dann haben Sie dieses Land gestern fluchtartig verlassen. Beim Promi-Special von "Wer wird Millionär?" kämpften das Model Lena Gercke und der Designer Guido Maria Kretschmer mit einer Frage, die jeder Einwohner von "Fußball-Deutschland" noch im Koma beantworten könnte: "Welche Fußballnation konnte bei den bisherigen 19 Weltmeisterschaften nie den Titel im eigenen Land gewinnen?" Zur Auswahl standen Argentinien, Brasilien, Frankreich und Deutschland.

Das Model und der Designer konsultierten als Telefon-Joker: Sie, Waldemar Hartmann, den ausgewiesenen Experten auf diesem Feld der Ehre. Die Frage war so lächerlich einfach, dass Sie gewissermaßen nur noch mit dem Ball über die Linie hätten rutschen müssen. Stattdessen schafften Sie es, das "Ding" gegen die Latte zu ballern: "Da gibt's ja nur eins. Deutschland hat natürlich im eigenen Land keine WM gewonnen!"

Und, während Jauch schon die Hände über dem Kopf zusammenschlug, vertändelten Sie Ihre Chance zum Nachschuss: "Noch nie im eigenen Land! Wir haben ja einen dritten Platz im Jahr 2006 gemacht, und das war die einzige, die wir gespielt haben."

Nun ist das Geschrei natürlich groß. "Fußball-Deutschland" mag zwar Doping, Stinkefinger, Niederlagen, Hooligans, offene Brüche und schiere Langeweile verzeihen und vergessen. Faktische Fehler beim Runterbeten der nationalen Katechismen verzeiht es nicht. So ist es genau 40 Jahre her, dass die Moderatorin Carmen Thomas im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF von "Schalke 05" statt von, klar, Schalke 04 gesprochen hat. Wäre sie damals, 1973, beispielsweise einer Unterstützung der RAF überführt worden - heute spräche kein Mensch mehr davon. Aber dieses "05" ist ein Makel, der Thomas bis zum heutigen Tag begleitet.

Ihr Fauxpas, Herr Hartmann, wiegt schwerer. Der Sieg über die Niederlande 1974 hat im kollektiven Gedächtnis der Nation einen ähnlichen Stellenwert wie 1871 der Sieg über Frankreich. Was für die Schuljungs damals Helmuth James Graf von Moltke und Sedan bedeutete, das bedeutete für die Schuljungs später Franz Beckenbauer und München.

München. München! Haben Sie als alter Franke das große Glück in Bayerns Hauptstadt wirklich verdrängt?

Schämen sollten Sie sich deswegen nicht, Herr Hartmann. Uns imponiert Ihre bei Jauch bewiesene Wurschtigkeit. Auch wenn Ihre Botschaft nun im Gebrüll der Stammtische untergehen sollte, wir haben Sie verstanden: "Fußball? Ach Gottchen, Leute. Dieses Gekicke ist gar nicht so wichtig wie wir alle immer tun. 1974, 1954, 2006, was soll's?"