Watchmen: Gerüchte über HBO-Serie - DER SPIEGEL
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"Watchmen": Ein Comic voller Anti-Helden

Foto: imago/Entertainment Pictures

Comicklassiker Gehen die "Watchmen" bei HBO in Serie?

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Neustart für die Anti-Superhelden? Eine der einflussreichsten Comicreihen könnte demnächst auch im TV in Serie gehen: US-Regisseur Zack Snyder hat offenbar mit dem Kabelsender HBO über eine "Watchmen"-Serie gesprochen.

Mehr als "preliminary discussions", also lockere Vorgespräche, habe es bisher nicht gegeben, ließ HBO verlauten. Zuvor hatte das Online-Magazin "Collider" über Gerüchte berichtet , die Comicreihe "Watchmen" könnte bei dem Kabelsender in Serie gehen. Zack Snyder, Regisseur des ambitionierten, 130 Millionen Dollar teuren, aber an der Kinokasse gefloppten "Watchmen"-Films von 2009, sei zumindest involviert.

Fans des bahnbrechenden Comics von 1986 dürfte diese Nachricht elektrisieren: Autor Alan Moore und Zeichner Dave Gibbons erzählten in "Watchmen" eine Art alternative Superhelden-Saga, die gleichzeitig als Folie für eine sehr brutale gesellschaftliche Bestandaufnahme im beginnenden Spätkapitalismus diente. Erstmals wurden die Inhaber von Superkräften nicht als strahlende, moralisch integere Figuren dargestellt, sondern als zerquälte, ambivalente, wenn nicht depravierte Charaktere.

Veröffentlicht wurde die Serie damals in 12 Einzelheften, was die Verarbeitung in eine TV-Serie umso verlockender macht. Schon vor sechs Jahren hatte Snyder ("300") seine liebe Mühe, den äußerst komplexen Stoff in einen einzelnen Film zu zwängen, der dann immerhin satte 163 Minuten lang war. Später veröffentlichte "Director's Cuts" waren mit 187 und 215 Minuten umso opulenter.

Schwache Kinoversion

So richtig zufrieden war eigentlich niemand mit dem Ergebnis auf der Leinwand, so dass eine Neuerfindung im Serien-Format zumindest interessant wäre. Wenn man der Meinung ist, dass es eine weitere filmische Verarbeitung der "Watchmen" braucht. Deren Schöpfer Alan Moore, bekannt als Grantler und Eigenbrötler, wollte schon damals nichts mit Snyders Kino-Vision zu tun haben.

Für Rechteinhaber Warner Bros., deren Muttergesellschaft Time Warner auch Eigentümer von HBO ist, wäre die "Watchmen"-Serie eine willkommene Gelegenheit, den renommierten Kabelsender ("True Detective", "Game of Thrones") endlich auch ins Universum der Comic-Verfilmungen einzubinden, passend zum hochwertigen Portfolio mit einem der prestigeträchtigsten Titel überhaupt.

Regisseur Snyder, ein erklärter Comic-Nerd und "Watchmen"-Fan, wird jedoch eher keine Zeit haben, sich persönlich an der Umsetzung der Serie zu beteiligen: Er ist in den nächsten Jahren voll damit beschäftigt, Warners kommende Superhelden-Spektakel fürs Kino zu realisieren, von "Batman vs. Superman: Dawn of Justice" (2016) bis hin zu zwei "Justice League"-Filmen, die 2017 und 2019 anlaufen sollen. Als Produzent ist er außerdem bei "Aquaman", "Wonder Woman" und "Suicide Squad" involviert.

Eher unwahrscheinlich dürfte es auch sein, dass die Darsteller des "Watchmen"-Films, darunter Malin Akerman, Jeffrey Dean Morgan und Jackie Earle Haley, noch einmal reaktiviert werden.

Sollte es also tatsächlich dazu kommen, dass der Comic-Klassiker zur HBO-Serie wird, kann man von einem kompletten Neustart unter Snyders Supervision ausgehen, vielleicht sogar unter Einbeziehung der nach dem Kinostart veröffentlichten Comicreihe "Before Watchmen", die von den Vorgeschichten der Figuren erzählte.

Die Chancen, der vielschichtigen Vorlage gerecht zu werden, stehen angesichts der aktuellen Blütezeit des seriellen Erzählens im Fernsehen immerhin so gut wie. Entscheidend wird sein, welches Personal, Autoren, Regisseure, Darsteller, verpflichtet werden kann - und wie viel Budget HBO in die Hand nimmt, um die "Watchmen" auch visuell adäquat zu inszenieren.

bor