WM 2014: Plädoyer für Co-Kommentatoren - DER SPIEGEL
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WM-Kommentatoren: Hysterisches Lachen erlaubt

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Plädoyer für Co-Kommentatoren bei WM Bitte sofort das Wort abschneiden!

Alleinsein ist auch nicht die Lösung. Bei der WM 2014 kommentieren Steffen Simon oder Béla Réthy solo die Spiele. Öde! Dabei zeigten etwa Rubenbauer und Rummenigge einst, wie schön das Co-Kommentieren sein kann.
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Die armen Engländer! Erst verlieren sie ihr Auftaktspiel gegen Italien 1:2, und dann müssen sie sich während der 90 Minuten auch noch Phil Neville anhören. Der Ex-Nationalspieler feierte in der Partie seine Premiere als Co-Kommentator der BBC, und seine Leistung am Mikrofon entsprach ungefähr seinen Auftritten früher auf dem Rasen im Trikot von Manchester United: sachlich, unauffällig und darauf bedacht, keine Fehler zu machen.

Einschläfernd fanden die meisten Zuschauer in England seine Darbietung. Insgesamt gingen bei der BBC 450 offizielle Beschwerden ein, von den unzähligen verspottenden Tweets ganz zu schweigen. So twitterte die Polizei von South Warwickshire, sie würde die ganze Nacht Aufnahmen von Neville abspielen, um die Straßen "ruhig und schläfrig" zu halten. Danny Baker vom BBC-Rivalen BT Sport twitterte die angeblichen BBC-Instruktionen für Neville: "Das Spiel heute könnte ziemlich hitzig werden. Wir wollen, dass du ihm alles Leben aussaugst!" Neville reagierte ebenso humorvoll. Er hoffe, er habe alle "gut in den Schlaf gebracht" und versprach für seinen nächsten Auftritt "ein wenig mehr Begeisterung".

Was zu der Frage führt: Wo sind bei den deutschen Öffentlich-Rechtlichen eigentlich all die Co-Kommentatoren hin? Früher gehörten sie fast zur Standardausstattung einer Fußballreportage, man erinnere sich nur an die WM 1990 in Italien. Wie könnte jemand das ARD-Duo Gerd Rubenbauer/Karl-Heinz Rummenigge vergessen, wie es nach Andi Brehmes Elfmetertor im Finale in hysterischen Jubel ausbrach? Oder das ZDF, das damals unter anderem auf Dieter Kürten im Zusammenspiel mit Otto Rehhagel setzte? Und sich in nonchalante Diskussionen verstrickte, ob Bodo Illgner beim Gegentor von Gary Lineker im Halbfinale gegen England eher hätte rauskommen müssen oder nicht?

"Die Brasilianer sind alle technisch serviert"

In TV-Übertragungen vieler anderer Sportarten sind die Co-Kommentatoren immer noch Standard. So saß in den vergangenen Wochen Ex-Nationalspieler Philipp Crone bei der Hockey-WM mit am Mikro und gab den idealen "Co" ab: Er redete nicht zu viel und nicht zu wenig, wartete mit ein paar Anekdoten und Inneneinsichten auf und erklärte auch noch taktische und regeltechnische Feinheiten. Vielleicht regiert bei solchen Sportarten ein wenig die Angst, der normale Kommentator könnte nicht genug für die Zuschauer tun, die vielleicht keine Experten auf diesem Gebiet sind.

Beim Fußball hat sich offenbar jeder Zuschauer auszukennen, und die einzige Angst, die dort regiert, ist die, dass der Co-Kommentator seinem "Chef" in die Suppe spucken könnte. Weil er zu viel redet, zu wenig, immer "Ähhhs" einbaut, zu direkt ist oder gar seinem Nebenmann am Mikro widerspricht oder den Rang abläuft. Man muss zugeben: Wer Andi Brehme in dieser Rolle bei der WM 1998 erlebt hat, der forderte zu Recht lebenslanges Stadionverbot für Ex-Profis als Co-Kommentatoren. Sein "Die Brasilianer sind alle technisch serviert" sorgt bei jedem Stammtisch immer noch für Schenkelklopfer.

In Folge dessen regieren heutzutage die Co-Moderatoren, etwa Oliver Kahn oder Mehmet Scholl. Gibt's in der zweiten Minute eines Spiels eine strittige Szene oder wünscht man sich nach einer Viertelstunde eine weiterführende taktische Analyse, muss man bis zur Halbzeit warten - wenn dann nicht gerade das "heute-journal" oder Werbung die Einlassungen des Experten kürzen. Nicht zu vergessen: Das denkt sich Herr Kahn ja nicht selbst aus, was er dann alles von sich gibt, sondern er hat auch einen noch "expertigeren" Einflüsterer, der ihm vorgibt, was er am besten alles sagen soll.

Deshalb ist das Kommentatoren- und Moderatorengewerbe bei der Fußball-WM von ARD und ZDF so völlig frei von Spontaneität und Überraschungen. Man merkt gar nicht, ob das jetzt alles live ist oder bereits gestern aufgezeichnet wurde. Also: Her mit den Co-Kommentatoren! Lasst sie dazwischenlabern und Steffen Simon das Wort abschneiden! Lasst sie Béla Réthy erzählen, dass er von Fußball keine Ahnung hat! Und lasst sie mitjubeln, mittrauern und ein wenig Emotion in diese schläfrige Sache bringen!

Jetzt müssen ARD und ZDF nur noch die richtigen Leute dafür finden. Es ist nicht einfach in diesen Zeiten, Exspieler zu finden, die für den Job taugen, weil ja schon 18-jährige Kicker rhetorisch so zurechtgeschliffen sind, dass sie klingen wie Interviewroboter. Die BBC will auf jeden Fall an Phil Neville festhalten. Und setzt beim Kampf gegen schläfrige Zuschauer auf die Zeit: Gegen Uruguay spielt England am Donnerstag um 20 Uhr, Greenwich-Time, und nicht erst um 23 Uhr wie gegen Italien…

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