Wüstencamp "Wild Girls" startet bei RTL - DER SPIEGEL
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Wüstencamp "Wild Girls": Die RTL-Resterampe

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"Wild Girls" bei RTL Blödinen bevorzugt

RTL schickt seine C-Promi-Restbestände für "Wild Girls" in die namibische Wüste. Einzig übrig gebliebenes Auswahlkriterium: übermäßiger Busenbesitz. Nach Reality-Formaten wie "Die Alm" oder "Die Burg" bleibt den TV-Machern jetzt eigentlich nur noch: "Der Mond".
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1. Worum geht es? Es gibt Scheiß, Baby. Allerdings mit Ansage, deswegen ist jedes Trash-Lamento überflüssig: Zwölf Kanaillen in Hackenschuhen werden in die namibische Wüste verfrachtet, um dort sinnlose Aufgaben zu lösen und die Nerven zu verlieren. Wer sich bei dieser Ausgangslage ernsthaft über die Blödigkeit der Kandidatinnen echauffiert, verbringt den lauen Sommerabend besser mit konzentrierter Manufactum-Kataloglektüre.

2. Wer ist dabei? Hauptleitlinie bei der Auswahl der Protagonistinnen: Blödinen bevorzugt. Das Teilnehmerfeld ist ein bereits faulig gärender Eintopf aus immer wieder aufgewärmten Casting- und Realityshow-Resten. Übermäßiger Busenbesitz scheint außerdem fast automatisch zur Teilnahme zu qualifizieren, wenn man zusätzlich noch Puffbesitzergattin ist oder Yoga praktiziert. "Germany's next Topmodel"-Gucker werden ein Gutteil der Wüstenmäuse wiedererkennen, was zu irritierenden Flashbacks führt: Man wartet stets darauf, dass jeden Moment der unverwüstliche Schminker Boris Entrup mit seinen Schwammapplikatoren aus dem kargen Gestrüpp bricht, um den "Mädchen" ein paar lilaglitzrige Pandaaugen zu verpassen.

3. Was passiert in der ersten Folge? In einem Himba-Dorf bestaunen sich "Wild Girls" und Ureinwohnervolk gleichermaßen irritiert, ansonsten werden klassische Casting-Reality-Topoi abgearbeitet: Eine pinkfarbene Drallkandidatin hat undurchsichtige Passprobleme und verschwindet, das überraschende Fehlen einer Damentoilette in der Wüste wird bemängelt, und natürlich wird geheult: Eine nach Botox-Malheur karpfenlippige Kandidatin weint im Eingeborenendorf, weil ihr "die Fliegen so leidtun", Dschungelcamp-Veteranin Fiona aus allgemeiner Rührung. Schocker: Eine Ziege (nicht im Teilnehmerfeld) wird geschächtet, worauf noch mehr geheult wird und Stangentänzerin Sara zur Erkenntnis kommt, auch in Deutschland würden Schnitzel "nicht vom Himmel ausgeschissen".

4. Was sagt Andy Warhol dazu? Er würde höflich auf ein Missverständnis hinweisen: Seinerzeit hatte er orakelt, in der Zukunft würde jeder Mensch 15 Minuten lang berühmt sein - nicht 15 Castingshows! Kandidatin Kader Loth beispielsweise war durchaus amüsant, als sie 2004 als Etepetete-Madame im "Big Brother"-Container reüssierte. Bedauerlicherweise dankte sie danach nicht ab, sondern ließ sich in die endlose Realityshow-Durchnudelungsmaschine einspeisen, machte mit bei "Die Alm", "Die Burg", dem Sat.1-Buchstabierwettbewerb und "Frauentausch". Ihre Literatursendung auf dem Spartensender Tier TV blieb leider weitgehend unbeachtet.

5. Die interessanteste Wüstendame? Die rätselhafte Conchita Wurst, ein österreichischer Travestiekünstler, die aussieht wie eine putzige Mischung aus Kim Kardashian und Harald Glööckler nach Hungerturm-Aufenthalt. Sie bemühte sich, den namibischen Dorfbewohnern den Sinn ihres aufgemalten Vollbarts zu erklären, und wirkte insgesamt angenehm unhysterisch.

6. Der goldene Satz? Der Bonmot-Connaisseur hat die Wahl zwischen bedeutungsschweren Kalendersprüchen ("Wir werden alle geboren, um zu sterben") und strauchelndem Fremdworteinsatz ("Wen ich nicht mag, wird kontaminiert").

7. Wie geht es weiter? Wer sich den Trailer zur Show ansieht, kann sich die restlichen Folgen sparen. Sarah Knappik, bekannt als wirre Dschungelcamp-Trine "Sarah Dingens", wird einige Premium-Ausraster abliefern, bevor sich die Teilnehmerinnen nach und nach aus der Wüste wählen. The End. Interessant bleibt die Entwicklung des Realityshow-Wesens auf längere Sicht: Mit Formaten wie "Die Alm" und "Die Burg" verfrachtete man bereits Casting-Kanonenfutter in historische Kulissen, nun scheint RTL wörtlich umgesetzte Sprichwörter als Show-Konzept entdeckt zu haben. "Wild Girls" schickt Krawallschachteln in die Wüste, bei "Die Pool Champions" gingen Semi-Promis gehörig baden. Es kann also nicht mehr lange dauern, bis RTL das erste Reality-Restpersonal dann endlich tatsächlich auf den Mond schießt.