Wulff-Interview ARD und ZDF holen Top-Quote
Wulff im TV-Interview: 11,49 Millionen Menschen verfolgten den Auftritt
Foto: Holger Hollemann/ dpaBerlin - Das TV-Interview von Bundespräsident Christian Wulff zur Kreditaffäre und seinen umstrittenen Anrufen beim Axel-Springer-Verlag hat bei den Zuschauern großes Interesse hervorgerufen (das vollständige Gespräch im Video und im Wortlaut). Im Schnitt 11,49 Millionen Menschen verfolgten nach Senderangaben am Mittwochabend ab 20.15 Uhr das zeitgleich ausgestrahlte Interview von ARD und ZDF. Mehr als ein Drittel der Fernsehzuschauer entschieden sich damit für das rund 20-minütige Gespräch mit dem Staatsoberhaupt.
8,04 Millionen Zuschauer sahen das Interview im Ersten. Das entsprach einem Marktanteil von 23,7 Prozent. Beim ZDF schalteten 3,45 Millionen Zuschauer ein, damit erreichte das Zweite einen Marktanteil von 10,2 Prozent.
Vorab war das Interview bereits in voller Länge im Internet aufgetaucht. Der Netzaktivist Markus Beckedahl stellte auf netzpolitik.org bereits um 18.36 Uhr einen Tonmitschnitt des Gesprächs ein. "Wir haben kurz überlegt, ob es Konsequenzen geben würde", sagte Beckedahl. "Wir haben uns trotzdem dafür entschieden, diese gegebenenfalls zu riskieren." Sein Ziel sei es, mit der Aktion "auf die Absurdität von Sperrfristen und privilegierten Zugang zu Informationen für Journalisten in einer veränderten Medienlandschaft" hinzuweisen.
Protestnote von den Privatsendern
ARD und ZDF hatten das Gespräch vorab aufgezeichnet. Im Ersten und Zweiten Programm war es für 20.15 Uhr angesetzt. Das Gespräch, das Vertreter beider Sender mit dem Bundespräsidenten führten, war jedoch um 18 Uhr bereits auf dem Hauskanal der Bundespressekonferenz zu sehen gewesen, um Tageszeitungen und Nachrichtenagenturen mit den Äußerungen Wulffs zu versorgen. Der Kanal ist in das Kabelnetz mehrerer Redaktionen eingespeist, aber nicht öffentlich verfügbar.
Von 18 Uhr an war es zudem allen anderen Sendern gestattet, bis zu drei Minuten des Interviews in Berichten zu zeigen. Auch ARD und ZDF nutzten für die 19-Uhr-Ausgabe der "heute"-Sendung und eine Extraausgabe der "Tagesschau" gegen 18.30 Uhr diese Möglichkeit. Die Sender wollten das gesamte Gespräch indes um 20.15 Uhr zeitgleich exklusiv zeigen.
Dann erst sollten auch tagesschau.de und heute.de den Dialog in Gänze zum Online-Abruf bereitstellen. Beckedahl kam ihnen zuvor - zumindest per Tonaufnahme. Wie diese Aufnahme entstanden war, blieb jedoch zunächst unklar. Beckedahl sagte dazu lediglich, ihm sein der Mitschnitt "zugespielt" worden. Der Link darauf verbreitete sich am Mittwochabend rasant. Das Blog "Netzpolitik" erlag zwischenzeitlich dem Ansturm der Öffentlichkeit und war nicht immer verfügbar.
Das Exklusivinterview von Wulff bei ARD und ZDF stieß derweil auch bei den Privatsendern auf Kritik. Wulffs Erklärung sei "von so breitem öffentlichem Interesse, dass die Entscheidung, nur ARD und ZDF zu bedienen und das duale System einfach zu ignorieren", weder nachvollziehbar sei noch dem Amt an sich gerecht werde, sagte die Sprecherin des Nachrichtensenders N24, Kristina Faßler, am Mittwoch. "Wir haben uns gemeinsam mit RTL, n-tv und ProSiebenSat.1 in dieser Angelegenheit mit einer Protestnote an das Bundespräsidialamt gewandt", betonte sie.