ULLA HAHN
Es dauerte am 11. September lange, bis ich meine New Yorker Freunde erreicht hatte. Die einen, in Tribeca, waren evakuiert, die anderen sicher in Uptown Manhattan oder auf dem Lande. Es sind liebste Freunde; so lieb und nah ist mir auch Manhattan. Die Frage: Kommt ihr wieder im Winter? Ja, natürlich. New York ist eher noch näher gerückt. Wichtige Kapitel meines neuen Romans sind dort entstanden. Würde ich heute anders schreiben, nach dem Anschlag? Mein Blick für die Gefahren hat sich geschärft, aber über unsere fragile Sicherheit, über unsere ungewöhnlich friedlichen Nachkriegsjahrzehnte war ich mir immer im Klaren. Meine Arbeit wollte ich nie der Mode beugen. Keine Events, keine verkünstelte Ästhetik, keine plappernde Ironie, die sich alle Optionen offen hält! Also was soll ich nun anders machen? Thomas Mann hat auf die Frage, warum er schreibe, geantwortet: um Freude zu bereiten. Das möchte ich auch. Jetzt gerade.