FILM »Ungerecht behandelt«
SPIEGEL: Herr Kramer, Kulturstaatsministerin Christina Weiss will pro Kinokarte drei Cent mehr für die Filmförderung eintreiben. Sie laufen dagegen Sturm. Ist das bei einer solchen Summe nicht lächerlich?
Kramer: Nein, es ist überhaupt nicht lächerlich, wenn per Gesetz einseitig die Kinos zur Kasse gebeten werden. 2002 hat die Filmwirtschaft mit 20,4 Millionen Euro fast doppelt so viel Filmabgabe geleistet wie alle Fernsehsender zusammen. Drei Cent, das klingt nach wenig, aber insgesamt macht das 4,5 Millionen Euro pro Jahr. Das bringt manche Kinos an die Grenzen des Möglichen. Letztlich zwingt Frau Weiss die Kinobesucher dazu, die Zeche zu zahlen.
SPIEGEL: Nun wollen Sie vors Verfassungsgericht nach Karlsruhe ziehen. Ist das nicht etwas hochgegriffen?
Kramer: Nein, wir fühlen uns ungerecht behandelt. Die Kinos werden im Filmförderungsgesetz zu einer Abgabe ihrem Umsatz entsprechend herangezogen. Das ist eine Art Zwangssteuer ohne Spielraum. Die Abgabe aller Fernsehsender ist dagegen frei verhandelbar. Die Sender haben zwar eine Erhöhung zugesagt, wollen die aber durch Sachleistungen erbringen. Was das sein soll, ist noch nicht geklärt. Die Position der Kinos wird durch ein Rechtsgutachten gestützt.
SPIEGEL: Aber schaden Sie sich nicht selbst? Ihnen müsste doch an einem florierenden deutschen Film gelegen sein.
Kramer: Niemandem ist am deutschen Film so gelegen wie uns. Gerade in diesem Jahr sind ja mit »Luther« oder »Das Wunder von Bern« herrliche Filme in die Kinos gekommen - ohne eine erhöhte Filmabgabe.
SPIEGEL: Die Branche klagt über drastische Umsatzrückgänge. Viele Kinoketten haben sich schlicht verkalkuliert und zu große Kinopaläste errichtet. Haben Sie Fehler gemacht?
Kramer: Anfang der neunziger Jahre herrschte Euphorie, da wurden vielleicht zu viele Kinos an den falschen Orten gebaut. Aber es gibt heute immer noch Gegenden, wo Kinos gebraucht werden.