Ungewohnter Habermas
Nicht nur durch seine gelehrten, vom emphatischen Geist der Aufklärung inspirierten Bücher, sondern auch durch seine zeitkritischen Essays ist der Frankfurter Soziologe und Philosoph Jürgen Habermas seit Jahrzehnten eine Säule des bundesrepublikanischen Linksliberalismus. Den Lesern allerdings hat er es mit seiner Neigung zum Schachtelsatz und einer manchmal arg akademischen Diktion nicht immer leichtgemacht. Von einer anderen, außerordentlich persönlichen und gut zugänglichen Seite zeigt er sich nun in einem umfangreichen Interview, das der Publizist Michael Haller schriftlich mit ihm geführt und als Taschenbuch veröffentlicht hat (Jürgen Habermas: »Vergangenheit als Zukunft«. Pendo Verlag, Zürich; 160 Seiten; 19,80 Mark). Vom Golfkrieg über die deutsche Vereinigung bis zur Rolle der Intellektuellen in einer von Utopien enttäuschten Zeit reichen die Themen dieses Bändchens, dem als Motto eine Einsicht der französischen Aufklärung vorangestellt sein könnte: »Die Folianten bilden Gelehrte, die Broschüren aber Menschen.«