Ute Lemper Sehnsucht nach der Alten Welt
Christopher Adolph / action press
Der Beziehungsstatus mit ihrer Heimat Deutschland war und ist kompliziert – aber endlich auch friedlich und schön. Die Geschichte sei geprägt durch Missverständnisse und »peinliche Verletzungen«, doch »heute liebe und respektiere ich mein Land«, schreibt Ute Lemper, 60, Musicalstar, Schauspielerin und Kurt-Weill-Expertin, in ihrer Autobiografie »Die Zeitreisende«. Darin erzählt sie von historischen Momenten, von künstlerischen Erfolgen und Misserfolgen, persönlichen Freuden und Krisen. Lemper, im westfälischen Münster geboren, wurde zum Anfang ihrer Karriere groß gefeiert in Deutschland, doch bald richtiggehend verdammt. Man hielt sie für arrogant. Ein trauriger Höhepunkt der Aversion gegen Lemper: die Reaktionen auf die missglückte Premiere von »Der blaue Engel«, 1992. Regisseur Peter Zadek hatte die Kontrolle über die Inszenierung verloren, das Desaster wurde aber vor allem der Hauptdarstellerin angelastet. International wurde sie als Ausnahmekünstlerin und große Interpretin Berliner Kabarettsongs aus den Zwanzigerjahren gefeiert – aber in Deutschland fühlte sie sich gehasst. Auch ihrerseits saß die Ablehnung Deutschlands tief: »Ich wollte meine Kinder damals nicht mit einem deutschen Mann und wollte auch nicht Deutsch mit ihnen sprechen«, schreibt sie. Letzteres bereue sie heute. Die Künstlerin, die mehr als 30 Alben veröffentlicht hat, lebte meistens im Ausland, heute befindet sich ihr Hauptwohnsitz in New York. Sie liebe das kulturelle Leben in Manhattan, sagte sie dem SPIEGEL jetzt. Aber sie trage auch »eine Sehnsucht nach der Alten Welt« in sich. Paris, Rom oder Berlin – alles sei denkbar als nächste Station in ihrem Leben. Doch die will sie erst in Angriff nehmen, wenn ihr jüngstes Kind auf die Universität gehe. Das dauert noch ein Weilchen, ihr Sohn ist gerade zwölf geworden.