Am Rande Verluste
Lange hat's gedauert, doch jetzt hat das Schweigen ein Ende. Dem Wiener Magazin »News« wurde »das Privileg zuteil, ihn besuchen zu dürfen« in Frankreich: Peter Handke spricht. »News« hat das Privileg teuer bezahlt - es musste drucken, was der Dichter sprach. Dessen Sorge gilt, wieder einmal, den Opfern der Geschichte, wie Slobodan Milosevic: »Wahrscheinlich hatte er auch beim World Trade Center die Hand im Spiel, und dass es heuer so viel regnet und die Steinpilze nicht wachsen wollen.« Auch die Taliban wollen mittels Ironie geschützt sein vor westlichen Projektionen - »die können ja nur Terror machen mit ihren Bärten und den verschleierten Frauen«. Und selbst die Berge sind Opfer geworden: »Ich bin zum Beispiel sehr am Karst in Jugoslawien gehangen. Aber Jugoslawien existiert nicht mehr.« Es wurde, versteht sich, zur Strecke gebracht von den Demokratien ("ein fadenscheiniges Wort") und der Journaille, »Avantgarde der Weltvergessenheit«. Ja, das Leben in Europa ist beschwerlich, zumal für Hausbesitzer: »Dass ich Eigentümer dieses Hauses geworden bin, nervt mich sehr. Früher war es so schön, wenn die Blätter gefallen sind. Jetzt denke ich ständig daran, dass ich Laub rechen muss.« Handkes neuer Roman heißt »Der Bildverlust«. Verloren hat hier einer, so ist zu fürchten, nicht nur die Bilder.