Filmkritik Verschleierte Mordlust
Blaubart (Italien/Frankreich). Seine Gefährtin Nummer eins (Karin Schubert) wird auf der Jagd erschossen, die zweite (Virna Lisi) verliert unterm Fallbeil den Kopf, die dritte (Nathalie Delon) erschlägt ein Kronleuchter. Dame vier (Marilu Tolo) ertrinkt in Rotwein, und die beiden nächsten (Agostina Beili, Raquel Welch) fallen einem Jagdfalken anheim oder ersticken im Sarg.
Blaubarts siebente Frau aus dem mit Nuditäten reich ausgestatteten Playboy-Magazin des Regisseurs Edward Dmytryk dagegen bleibt heil und entlockt dem Gatten sein Psychogramm:
Der österreichische Baron von Sepper -- Richard Burton stellt ihn mit schuhwichsschwarzer Barttracht und blauem Hemd zum violetten Abendrock als Horror-Popanz dar -- ist eine Art Hermann Göring des neueren Trivialitäten-Kinos, der sich wie sein Vorbild als Flieger-As im Ersten Weltkrieg bewährt hat.
In Friedenszeiten kommandiert er auf seinem transsylvanischen Dracula-Schloß als Führer einer Pseudo-SS ein faschistisches Getto-Pogrom. Seine Mordlust erklärt er mit psychisch bedingter Impotenz, die aus einer Mutterbindung stammt. Bevor es gilt, seine Ehen zu vollziehen, schafft er die Partnerinnen aus der Welt.
Doch auch die mit 124 Minuten überdehnte Psychoanalyse der alten Blaubart-Mär verschleiert den Mißstand kaum, daß Dmytryk sein Thema ans tumbe Sex-Kino verschenkt und seinen Ruf als Regisseur des immerhin effektvollen Reißers »Die Caine war ihr Schicksal« (1954) bis auf weiteres verspielt hat.