LITERATUR Wahnwitz und Terror
Kommissar Kurt Wallander findet kaum noch Schlaf. Erst liegt ein Computerexperte tot auf der Straße. Dann fällt im ganzen Landstrich der Strom aus, und in einer aufgebrochenen Transformatorstation wird die Ursache entdeckt: eine verkohlte Leiche. Wallander kommt einer Sekte von Computerterroristen auf die Spur, die den mörderischen Blackout wie ein Vorspiel inszeniert haben: Ein globaler Crash soll dem regionalen Stromausfall folgen wie die große Oper der kleinen Ouvertüre. Die Wahnwitzigen sind kurz davor, Machtzentren wie das Pentagon und die Weltbank durch Manipulation von Datenströmen lahm zu legen und den Zusammenbruch der Finanzmärkte zu provozieren. Zwar gelingt es Wallander mit Hilfe eines genialen jungen Computerhackers, das Komplott noch zu durchkreuzen. Aber die Lust am Beruf hat der Held am Ende verloren. Er muss sich wegen angeblicher Verhör-Brutalität verantworten, und sein alter Kollege Martinsson intrigiert hinterrücks, um selber Chef zu werden. Obendrein entpuppt sich eine Frau, in die sich der erotische Pechvogel Wallander beinahe verliebt, als Lockvogel der Terroristen. »Die Brandmauer« heißt Henning Mankells achter und letzter Wallander-Roman. Es ist wohl Zeit, dass der grüblerische Kommissar abdankt; nicht alle Handlungsfäden sind so souverän verknüpft wie sonst. Aber viel Spannung und Atmosphäre bietet Mankell noch immer - ganz zu schweigen von der düsteren Aktualität des Plots.
Henning Mankell: »Die Brandmauer«. Aus dem Schwedischen vonWolfgang Butt. Zsolnay Verlag, Wien; 576 Seiten; 49,80 Mark.