SCHULE Walser vorn
Den Kampf gegen die verkorkste Reform der Rechtschreibung hat er verloren, aber für die Leselust seiner Schüler schlägt er sich wacker weiter: Der Weilheimer Gymnasiallehrer Friedrich Denk, 57, durch seine Aktivitäten als Reformgegner bundesweit bekannt geworden, will nicht hinnehmen, dass sich die jungen Leute von der Literatur abwenden. Wer täglich drei Stunden vor dem Fernseher oder dem Computer sitze, verbringe mehr als ein Sechstel seines wachen Lebens vor dem Bildschirm, argumentiert er, »insgesamt etwa zwölf Jahre«. Um einen Leitfaden zu geben, der nicht gleich als gewichtiger »Kanon« daherkommt, hat der Lehrer 100 Schriftsteller, Kritiker und Wissenschaftler eingeladen, jeweils drei literarische Werke zu nennen. So ist die Liste der »Weilheimer Bibliothek für junge Leser« zu Stande gekommen: insgesamt 260 Titel der Weltliteratur (es gab einige Doppelnennungen) - von der Bibel bis hin zu Martin Walsers Roman »Ein springender Brunnen« (1998), der neben Thomas Mann die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte. Walser seinerseits empfiehlt Defoes »Robinson Crusoe«, Hesses »Der Steppenwolf« und »Die Satellitenstadt« von Thomas Hürlimann - er zählt neben Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass, Walter Kempowski, Botho Strauß und anderen zu den befragten Autoren. Einen Schülerlesewettbewerb gibt es auch (Einsendeschluss: 1. März 2001), die Bedingungen und die komplette Liste finden sich im Internet (www.infranet.de/edu/Gymnasium.Weilheim).