Warmer Winter - DER SPIEGEL
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BÜCHER NEU IN DEUTSCHLAND Warmer Winter

Manfred Bieler: »Der Junge Roth«, Biederstein; 260 Seiten; 19,80 Mark.
• aus DER SPIEGEL 35/1968
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Ost-Berlin, wo der Erzähler früher lebte, mochte man nicht so gern, was er schrieb ("Das Kaninchen bin ich") und wie er trank. Bieler, 34, emigrierte nach Prag, ist nun CSSR-Bürger und schreibt noch immer, thematisch und formal, denkbar Unterschiedliches

Die neue Sammlung von elf (teilweise älteren) Prosastücken nimmt sich aus wie das Experimentierbuch eines durch seine Fähigkeiten unablässig irritierten Autors.

Einige Satiren machen Spaß und lassen begreifen, daß Bieler gut daran tat, nach Prag umzuziehen (damals wenigstens, als er umzog). Die Geschichte von der »Winterlandschaft« etwa verspottet hinreichend sozialistisch-realistische Banauserei: Ein Minister beklagt die Kälte eines Wintergemäldes und inspiriert einen Leitfaden zur Herstellung warmer Winterbilder (für Temperaturen bis minus 20 Grad nicht mehr als 33 Kubikzentimeter Zinkweiß verwenden!).

Doch so genau gezielt sind selbst die Satiren Bielers nur selten; zu oft streben sie ins Nur-zu-Menschliche, verläppern in Unverbindlichkeit.

Am besten bewährt sich Bielers skurril-realistischer Tonfall in der Titelgeschichte vom jungen Matrosen Roth, der wieder mal an Land geht, aber diesmal, da seine Geliebte Selbstmord beging, nicht so unbeschwert wie sonst sich zu vergnügen vermag. Am Ende meuchelt der Bedrückte eine Ersatzbraut und stellt sich der Polizei -- wird es auch nicht plausibel, so macht"s doch Eindruck und ist gut geschrieben.

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