Was Kafka las - DER SPIEGEL
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BIBLIOTHEKEN Was Kafka las

• aus DER SPIEGEL 48/2001
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Flaubert und Fontane waren ihm so lieb wie mancher Abenteuerroman, gleichgültig ließen ihn Erfolgsschriftsteller seiner Zeit, verachtet hat er Trakl und Lasker-Schüler: Franz Kafkas literarischer Geschmack war apart. Umso bedeutsamer für seine Verehrer, dass seine Bibliothek bald in seiner Heimatstadt Prag wieder zugänglich ist. Sie wurde nach Maßgabe des Möglichen komplett rekonstruiert vom Stuttgarter Antiquar Herbert Blank und wird nun der Prager Kafka-Gesellschaft übergeben; eine Initiative, die der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Antje Vollmer, den letzten Schub und der Porsche AG die Finanzierung verdankt. Etliche Titel dieser Bibliothek sind, sofern weitere Exemplare antiquarisch aufzutreiben waren, käuflich zu erwerben. »Dass wir heute«, so der Kafka-Forscher Hartmut Binder in dem von Blank herausgegebenen Katalog (einem Kleinod der Kafka-Forschung), »über die Bücher, die in Kafkas Besitz waren oder von ihm gelesen wurden, vergleichsweise gut Bescheid wissen, verdankt sich einer Reihe von Fügungen, die merkwürdig genannt werden dürfen.« Kafkas Schwester Ottla, ermordet in Auschwitz, hob die Bücher ihres Bruders auf, bis sie deportiert wurde. Aus ihrer Wohnung geriet die Bibliothek in ein Magazin der Gestapo. »Was dann geschah«, so Binder, »weiß niemand außer dem offenbar literaturkundigen Dieb, der Kafkas Bibliothek irgendwann an sich nahm und einem Münchner Antiquariat anbot, das sie 1982 an die Forschungsstelle für Prager deutsche Literatur an der Universität Wuppertal verkaufte.« Zu diesen 279 Wuppertaler Titeln hat der Antiquar Blank Duplikate gesammelt und sie um jene ergänzt, von denen wir inzwischen wissen, dass Kafka sie gelesen, besessen oder verschenkt hat. Das Konvolut von 796 Titeln enthält auch Baedeker zu Österreich und Paris, Gedichte von Matthias Claudius (Kafka:"Ja, wenn man sein könnt wie er!") und Tagebücher Sören Kierkegaards ("Er bestätigt mich wie ein Freund").

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