Kino in Kürze »Was nützt die Liebe in Gedanken«
. Im schönen Sommer 1927 hat ein gutbürgerlicher Berliner Gymnasiast im Morgengrauen nach einem durchgefeierten Wochenende erst seinen treulosen Prolo-Liebhaber und dann sich selbst erschossen. Das Liebesunglück erregte Aufsehen, als sich herausstellte, dass dem Täter das minderjährige Schwesterchen den Lover abspenstig gemacht und dass er mit einem Schulfreund, der in diese Schwester verliebt war, einen Mord- und Selbstmordpakt geschlossen hatte, der noch zwei weitere Opfer vorsah. In dieser »Steglitzer Schülertragödie« erkannten die sensationsgierigen Medien von damals ein Exempel für die ganze Enthemmtheit der »Jugend von heute«. Das Projekt eines Films, der dieses Pubertätsdrama der zwanziger Jahre die Sehnsüchte und Delirien der Love-Parade-Generation von heute spiegeln lässt, ist in den letzten Jahren durch etliche Hände gegangen; der Autor und Regisseur Achim von Borries, 35, hat es nun in einem großen Kinofilm realisiert. Er entfaltet im Atmosphärischen große Magie und meidet die Tücken eines Ausstattungsfilms mit wohlfeilem Swinging-Twenties-Glamour. Bei der Rekonstruktion der aktenkundigen Ereignisse ist er jedoch bei weitem zu zaghaft, um den selbstmörderischen Überschwang eines Liebesrauschs zu einem Ereignis zu machen. Den Erfolg sichern, obwohl sie für ihre Rollen deutlich zu alt sind, die unwiderstehlichen Teenie-Lieblinge August Diehl und Daniel Brühl.