Watergate als Musical
Richard Nixon und Watergate: Für das politisch bewußte Amerika ist die Erinnerung peinvoll - und schlimm die Tatsache, daß der aus dem Amt gejagte Ex-Präsident schon wieder hier und da, gesellschaftlich oder als Polit-Prognostiker, in Erscheinung tritt. Nun gibt es den größten Skandal der amerikanischen Geschichte sogar als unterhaltendes Musical. In Atlanta (Georgia) - nicht in New York, wo sie die Kritiker fürchteten - haben zwei Unterhaltungsprofis aus Los Angeles ihre Watergate-Version auf der Bühne vorgestellt: Nixon als im Grunde gutmütiger, milchtrinkender, keksefutternder, singender Tanzbär, der zwar lügt und betrügt, den man aber deswegen nicht unbedingt hassen muß. Er bekommt Gelegenheit, seine Sicht der Dinge allgemeinverständlich darzulegen, als ihn ein 12jähriger Junge, der sich von einer Touristengruppe im Weißen Haus davongestohlen hat, im Oval Office fragt: »Wie konnte es geschehen?« Die Antwort des Bühnen-Nixon ließ die lokale Kritik unbefriedigt. Für sie war die Polit-Posse »fade« und »ohne Standpunkt«.