Am Rande Welcome!
Alle großen Entdeckungen passieren zufällig. Irgend jemand langweilt sich, haut mit einem Stein auf den anderen, ein Funke springt über, und am Ende der Entwicklung steht der Mikrowellenherd. So war es auch mit Viagra: Zur Verbesserung der Durchblutung gedacht, hilft das Mittel nun Männern, peinliche Situationen bei primären Begegnungen zu vermeiden. Doch die blaue Wunderpille ist schon der Schrei von gestern. In England kommt jetzt ein Präparat gegen Schüchternheit auf den Markt, das Seroxat heißt und, anders als Viagra, auf Krankenschein abgegeben wird. Eigentlich ein Mittel gegen Depressionen, hat es eine nützliche Nebenwirkung: Es wirkt »euphorisierend« auf Menschen, die sich in Gesellschaft anderer gehemmt fühlen.
Es ist nicht bekannt, an wem die neue Droge bereits ausprobiert wurde. Doch drängen sich einige Verdächtige auf. War Prince Charles nicht seltsam aufgekratzt, als er zuletzt die Spice Girls besuchte? Und tritt nicht die ganze Königsfamilie viel lockerer, geradezu hip auf? Auch für unsere deutschen Interessen kommt die neue Pille genau richtig. Von Doris Schröder-Köpf heißt es, sie sei extrem verzagt, bei Antje Vollmer verrät schon die Stimme, welche Überwindung sie ihre öffentlichen Auftritte kosten, und Rudolf Scharping wäre jetzt auf dem Wege ins Kanzleramt, wenn es Seroxat schon eher gegeben hätte. Mag das Vereinigte Königreich sich dem Euro verweigern und am Linksverkehr festhalten - mit der »Wir sind gut drauf«-Pille ist England endlich in Europa angekommen.