Wilde Heimat - DER SPIEGEL
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POP Wilde Heimat

Der Frankfurter DJ Shantel, 35, über sein Album »Bucovina Club« und die gleichnamigen Balkanmusik-Partys, mit denen er derzeit in deutschen Discotheken große Erfolge feiert
• aus DER SPIEGEL 1/2004
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Ihr »Bucovina Club« vereint Größen der Gipsy- und Balkanmusik - kommen die Klänge in Rumänien und auf dem Balkan eigentlich an?

Shantel: Die CD ist dort nicht einmal veröffentlicht. Der Prophet gilt nichts im eigenen Land, sagt man ja.

SPIEGEL: Was gefällt denn nicht?

Shantel: Für viele hat die Musik etwas Verstaubtes, vor allem, weil Ceausescu sie zur Staatsfolklore erklärt hatte.

SPIEGEL: Obwohl Sie DJ und Elektromusiker sind, haben Sie am traditionellen Klang der Stücke nur wenig verändert. Warum denn diese Zurückhaltung?

Shantel: Ich wollte nicht den 100. Disco-Balkan-Mix, sondern diesen sperrigen, wilden Sound in die Clubs bringen. Viele haben gesagt, das könne auf der Tanzfläche nicht funktionieren. Aber es funktioniert eben doch.

SPIEGEL: In deutschen Discotheken sind Ihre »Bucovina Club«-Abende meist ausverkauft. Welche Erklärung haben Sie?

Shantel: Ich glaube, die Leute suchen nach Emotionalität und einer Art Heimatgefühl. Es kommt an den Club-Abenden wirklich zu völlig enthemmten Tanzgelagen, es wird getrunken, gesungen, gestritten. Da treffen Anarchie und Romantik aufeinander.

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