POP Wilde Heimat
SPIEGEL: Ihr »Bucovina Club« vereint Größen der Gipsy- und Balkanmusik - kommen die Klänge in Rumänien und auf dem Balkan eigentlich an?
Shantel: Die CD ist dort nicht einmal veröffentlicht. Der Prophet gilt nichts im eigenen Land, sagt man ja.
SPIEGEL: Was gefällt denn nicht?
Shantel: Für viele hat die Musik etwas Verstaubtes, vor allem, weil Ceausescu sie zur Staatsfolklore erklärt hatte.
SPIEGEL: Obwohl Sie DJ und Elektromusiker sind, haben Sie am traditionellen Klang der Stücke nur wenig verändert. Warum denn diese Zurückhaltung?
Shantel: Ich wollte nicht den 100. Disco-Balkan-Mix, sondern diesen sperrigen, wilden Sound in die Clubs bringen. Viele haben gesagt, das könne auf der Tanzfläche nicht funktionieren. Aber es funktioniert eben doch.
SPIEGEL: In deutschen Discotheken sind Ihre »Bucovina Club«-Abende meist ausverkauft. Welche Erklärung haben Sie?
Shantel: Ich glaube, die Leute suchen nach Emotionalität und einer Art Heimatgefühl. Es kommt an den Club-Abenden wirklich zu völlig enthemmten Tanzgelagen, es wird getrunken, gesungen, gestritten. Da treffen Anarchie und Romantik aufeinander.